Charlene und Albert

Hochzeitsnachfeier mit peinlichem Scherz

In Durban feierte das Hochzeitspaar von Monaco noch einmal im Luxushotel – und bekam zuvor den Humor des südafrikanischen Präsidenten zu spüren.

Foto: AFP

Skabenga, die Katze, schlummerte in einem edlen Sessel der Hotellobby. Eingerollt lag sie da auf Samt gebettet, die Royale Prominenz mit geradezu proletarischer Ignoranz strafend. Oben, in den Festsälen des luxuriösen Oyster Box Hotels von Durban, feierten 400 Menschen, dass zwei von ihnen geheiratet hatten:

Ein paar mit klar verteilten öffentlichen Rollen: Die unschuldige Ex-Schwimmerin aus Südafrika, die nun nicht mehr Charlene (sprich: „Charlien“), sondern Charlène („Charlän“) genannt wird. Und der ewig jugendliche Fürst Albert II., der auf dem Gerüchtemarkt Monacos derzeit mehr denn je als Schwerenöter gehandelt wird.

Der Katze des Oyster Box Hotels in Durban war die Aufregung, die derzeit den Boulevard gehörig beschäftigt, herzlich egal. Sie hatte den ganzen Abend lang die 150 Polizisten und zwei Sicherheitsfirmen genarrt. Sie war unbehelligt durch die Sicherheitsdetektoren marschiert, durch die sich die edlen Gäste wie am Flughafen schleusen lassen mussten, hatte die Sprengstoffexperten ignoriert, die den ganzen Abend lang patrouillierten.

Und sie trug auch kein Armbändchen. Sie unterschieden die offiziellen Empfangsgäste von jenen gewöhnlichen Hotelgästen, die nicht mehr rechtzeitig ausquartiert werden konnten, weil sie ihren Aufenthalt schon vor Monaten gebucht hatten – lange bevor das Fürstenpaar sich zu dem Empfang entschlossen hatte.

Hin und wieder wünschte man sich, dass Skabengas Gleichmut gegenüber königlichem Habitus mehr Menschen befallen würde. Das würde den Verlust der Aufmerksamkeit durch die Bürger bedeuten, dieser letzten Abgabe des Volkes an die Königshäuser – Jahrhunderte, nachdem schon die Macht über sie abhanden gekommen ist. Schmerzhaft ist wohl das eine wie das andere.

Charlènes vertrauliches Treffen mit der PR-Agentur

Charlène Lynette Grimaldi von Monaco, geborene Wittstock, wäre dieser Mangel an Aufmerksamkeit augenscheinlich allerdings sehr recht. Jetzt veröffentlichte Debbie Reynolds, Besitzerin einer PR-Agentur in Durban, einen Artikel in der südafrikanischen Zeitung „The Mercury“. Sie schrieb, wie die zukünftige Fürstin zu Beginn ihrer Beziehung mit Albert II. im Jahr 2006 um ein vertrauliches Treffen gebeten habe.

Sie wolle gerne den Umgang mit den Journalisten und Paparazzi diskutieren. „Es wurde deutlich, dass sie ihre Zukunft mit Prinz Albert sah. Aber sie wollte nicht ihre lebensfrohe Persönlichkeit verlieren – nicht ausgebeutet werden“, so Reynolds, „mehr als alles andere aber wollte sie nicht die Grimaldi-Familie enttäuschen.“

Charlene, die so gerne Flip Flops trägt und in Südafrika für ihren direkten Humor bekannt ist, lernte den monegassischen Akzent. Und wurde zu Charlène, die sich gewissenhaft auf ihre Rolle am Hof vorbereitete.

Reynolds erinnerte an Interviewaussagen der 33-Jährigen, denen zufolge sie die vergangenen fünf Jahre damit verbracht habe, Protokoll, Gewohnheiten und Bräuche zu lernen: „Sie musste das überschäumende Mädchen wegpacken, zu Gunsten der hoheitsvollen Prinzessin.

Vielleicht stellte sie sich auch wegen dieses Pflichtbewusstseins nach der knapp 20 Millionen Euro teuren Hochzeit einer weiteren Woche den Fotografen. Sie verschicken ihre Emotionen in alle Welt, und der Kontrast zu dem scheinbar makellosen englischen Traumpaar Kate und William wirkt verkaufsfördernd.

Charlène aber nimmt alle Termine wahr, ungeachtet der Gerüchte um ein weiteres uneheliches Kind ihres Mannes, einen restriktiven Ehevertrag und angebliche Fluchtversuche vor der Hochzeit.

Am Donnerstag war der Eindruck dieser Fotos ein wenig freundlicher und entspannter als in den Tagen zuvor, wohl auch, weil viele alte Freunde der Braut mitfeierten. Bei ihrer kirchlichen Trauung am Samstag wirkte sie noch wie erstarrt. Und auch die Bilder nach ihrer Ankunft in Südafrika am Montag weckten nicht gerade den Eindruck eines glücklichen Brautpaares.

Die Vergabe der Winderspiele 2018

Ihr 20 Jahre älterer Mann schlüpfte in Südafrika schnell in seine Rolle als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nach. Fürst Albert II., als Bobfahrer selbst einstiger Olympionike, gehörte zu den Stimmberechtigten bei der Vergabe der Winterspiele 2018, um die sich auch München bemüht hatte.

Keiner stellte mehr Fragen nach den Abschlusspräsentationen der drei Bewerberstädte. Fast nebenbei kam er zusammen mit Charlène, die als Schwimmerin ebenfalls olympische Erfahrung hat, seinen gesellschaftlichen Pflichten nach.

Am Donnerstagabend fing es gegen 21 Uhr an zu regnen, der ausgerollte rote Teppich triefte. Dennoch feierte die edle Gesellschaft, zu der neben Freunden und Familien Frankreichs Premierminister Francois Fillon, die englische Prinzessin Anne, südafrikanische Minister und IOC-Mitglieder wie Fifa-Chef Sepp Blatter gehörten, bis tief in die Nacht.

Das direkt am Indischen Ozean gelegene Luxushotel, wo die Nacht bis zu 4500 Euro kostet, hatte eine monegassische Flagge im Foyer aufgestellt, mehrere Live-Bands und Tanzgruppen traten auf.

Präsident Zumas peinlicher Scherz

Von einer peinlichen Situation wurde nichts bekannt – anders als noch am Mittwoch. Da traf das Paar Jacob Zuma. Südafrikas Präsident ist dafür bekannt, nicht jedes Wort auf die diplomatische Goldwaage zu legen. Und so scherzte der Polygamist, bei einer solchen Eheschließung wäre eigentlich ein Brautpreis von einigen Nguni-Kühen angemessen.

In Südafrika ist das in der Zulu-Kultur tatsächlich noch heute üblich, auch wenn meist mit Geld bezahlt wird – Zuma selbst kam diesem Brauch bei der Heirat seiner aktuell drei Ehefrauen nach. In der Runde sei herzlich über den Scherz gelacht worden, hieß es in der Darstellung des südafrikanischen Präsidialamtes.

Eine Darstellung der Fürstin ist nicht überliefert.