Sechs Richtige

Lottogewinner drohte leer auszugehen – wie sein Opa

Ein Mann hat einen Lotto-Sechser, gibt den Schein aber nicht korrekt ab. Sein Enkel hat Jahre später sechs Richtige – und versäumt die Abholfrist.

Foto: dpa

Rein zufällig fiel Willi S. die Quittung für seinen Lottogewinn über mehr als 200.000 Euro wieder in die Hände. „Beim Auspacken einer Laptoptasche, die ich zwei Monate nicht benutzt habe, bin ich am Samstag auf den Schein gestoßen“, sagt er lächelnd. Als er noch am selben Tag seinen Gewinn anmelden wollte, war seine Lotto-Annahmestelle allerdings geschlossen.

Der 29-jährige Frankfurter meldete sich deshalb erst am Montag als Gewinner und verpasste damit die Frist, um das Geld beanspruchen zu können. Den Gewinn erhält der Tipper mit den sechs Richtigen nun trotzdem: Aus Kulanzgründen zahlt die Lotterie-Treuhandgesellschaft Hessen ihm die 211.262 Euro aus.

„Als ich am Montag in den Kiosk kam, haben die Betreiber schon irgendwie gewusst, dass ich der Gewinner bin.“ Schließlich hatte die Lottogesellsschaft in den vergangenen Wochen intensiv nach dem Besitzer des Scheins gesucht, mit dem am 6. November die hohe Geldsumme erspielt worden war.

Willi S., der nach eigenen Aussagen nur einmal im Jahr spielt, bekam von der Suche nach dem Gewinner kaum etwas mit. „Ich war auch nicht geschockt, als ich gehört habe, dass die Frist abgelaufen war“, betonte der Mann, der bei einer Bank arbeitet. Schließlich seien es ja nicht einmal seine eigenen Zahlen gewesen, die er angekreuzt habe. Da er das System „Quicktipp“ verwendet habe, habe der Computer die Glückszahlen ausgewählt.

Opa verlor Gewinn von 500.000 Mark

Über das Missgeschick habe er umgehend seinen Vater informiert. „Ich rief an und fragte ihn, 'Sitzt Du?', dann habe ich ihm die Geschichte erzählt“, berichtet der Frankfurter. Sein Vater Michael habe kaum glauben können, dass einem Familienmitglied erneut ein hoher Geldgewinn durch eine Unachtsamkeit zu entgehen drohte. Bereits der Großvater von Willi habe einen Lottogewinn in Höhe von 500.000 Mark nicht beanspruchen können, weil er vergessen hatte, seinen Tippschein zu bezahlen. „Das gibt es ja gar nicht, dass so etwas in einer Familie zweimal vorkommt“, sagt der Vater. Er selbst sei ebenfalls nur ein gelegentlicher Spieler, der beispielsweise auf die Geburtsdaten von Verwandten setze.

Der Gewinner Willi S. habe sich telefonisch mit der Lotto-Betreiber in Verbindung gesetzt und erzählt, dass ihm die Quittung zwischendurch abhandengekommen war, berichtet Dorothee Hoffmann von der Lotto-Gesellschaft. „Wir sind froh, dass wir ihn gefunden haben. Wegen eines Tages wollten wir ihm den Gewinn nicht vorenthalten“, begründet Hoffmann die Entscheidung, ihm dennoch die Summe auszuzahlen.

Die Geschäftsführung habe so entschieden. Ihm sei ja auch nicht bewusst gewesen, dass er sich in jeder Annahmestelle hätte melden können, fügt die Sprecherin hinzu. Gleichzeitig rät sie Willi S. und anderen Spielern, ihre Tipps mit einer Kundenkarte abzugeben. „Dann passiert so etwas nicht“, denn dann könnten die Daten von Gewinnern ermittelt werden.

Eine Reise und eine Party für die Kollegen

Was er mit seinem Gewinn machen will, das weiß Willi S. noch nicht so ganz genau. „Sicher werde ich großzügig gegenüber meinen Geschwistern und Freunden sein.“ Vielleicht sei eine Party für die Kollegen drin und auch eine Reise für ihn selbst. „Aber ich habe jetzt keine Wünsche derart, dass ich mir beispielsweise ein Motorrad kaufen will“. Alles andere müsse er sich erst noch überlegen. Willi S. macht sich ferner keine Illusionen darüber, ob ein solcher Gewinn ihn nochmals treffen könnte. „Eigentlich denkt niemand, dass er gewinnt“, glaubt er.

Hätte er sich nicht mehr gemeldet, wären die rund 200.000 Euro der höchste bislang nicht abgeholte Einzelgewinn in Hessen gewesen. Das Geld wäre dann in den Lotterietopf für Sonderauslosungen geflossen.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen