Monaco 2011

Vor dem Traualtar wirkt Charlene wie versteinert

Die kirchliche Trauung von Fürst Albert II. und Charlene bedient Monacos Sehnsucht nach Glanz und Glamour. Doch es liegt ein Schatten auf dem Fest.

Sie betrat den Hof des Palastes am Arm ihres Vaters in strahlendem Weiß und unter Applaus der Wartenden – doch das Lächeln in ihrem Gesicht wirkte versteinert. Fürstin Charlene von Monaco schien auch bei ihrer kirchlichen Trauung am Samstag, als läge eine Last auf ihr.

Bereits bei der standesamtlichen Trauung am Freitag hatten sich viele Beobachter gewundert. Der Kuss, den Fürst Albert und Charlene auf dem Balkon für ihr Volk austauschten, hatte wenig Herzliches, sie zog die Schultern hoch, als müsse sie sich schützen.

Erst danach kuschelte Charlene sich an ihren Bräutigam – fast entschuldigend, als wäre ihr in diesem Moment die Kälte bewusst geworden, die der Kuss offenbarte.

Und sowenig die Monegassen ein Interesse daran hatten, sich bei der kirchlichen Trauung die Laune vermiesen zu lassen – Albert musste 53 Jahre alt werden, um zu heiraten –, so sehr erhielten ausgerechnet am großen Tag die Gerüchte neue Nahrung, das monegassische Fürstenpaar stecke in einer tiefen Beziehungskrise.

Berichte über eine Missstimmung zwischen Albert und seiner Braut Charlene entsprächen der „Wahrheit“, hatten mehrere ranghohe Monegassen am Freitagabend zugegeben. Sie mussten es wissen, denn sie waren in die Organisation der Feierlichkeiten eingebunden.

Ein neuer Vaterschaftstest

Angeblich steht dem Fürsten ein weiterer Vaterschaftstest ins Haus: Zwei uneheliche Kinder hat er schon, was er lange nicht zugeben wollte. Kurz vor der Hochzeit hatten französische Medien unter Berufung auf verlässliche Quellen berichtet, seine 20 Jahre jüngere bürgerliche Braut habe die Hochzeit in der vergangenen Woche abblasen und in ihre Heimat zurückkehren wollen. Sie sollte sich bereits auf den Weg zum Flughafen nach Nizza gemacht haben.

„Als Frau kann man gut behaupten, vom Fürsten schwanger zu sein“, hatte ein Berater der Fürstenfamilie am Mittwoch gesagt, Stéphane Bern. „Aber wir werden drei Tage vor der Hochzeit keinen Vaterschaftstest machen.“ Am Freitag versuchte der Vertraute des Hofes zu beschwichtigen – es habe sich lediglich um „einen kleinen Streit unter Verliebten“ gehandelt. „Aber Sie wissen ja, der Stress mit der Hochzeit, das ist halt so.“

Am Samstagnachmittag zeigte sich der Fürst allen Gerüchten zum Trotz gut erholt, was auch dringend notwendig war, denn er hatte schließlich noch einen Termin: Um 17 Uhr hatte er im Ehrenhof des fürstlichen Palastes zur Hochzeitsmesse zu erscheinen. Er tat dies in der weißen Uniform der monegassischen Karabiner. Ihre Durchlaucht Charlene Fürstin von Monaco wandelte die etwa 60 Meter bis zum fürstlichen Portal zum Song „Celebration“ von Paul McCartney.

Der monegassische Erzbischof Monseigneur Bernard Barsi zelebrierte die Messe. Charlene hatte sich durch einige religiöse Nachhilfestunden auf diesen Moment vorbereitet. Die in Rhodesien geborene einstige Leistungsschwimmerin ist protestantisch erzogen worden. 2010 war sie zum katholischen Glauben konvertiert, dem die Grimaldis anhängen. Unter dem von weißen Sonnensegeln überdachten Innenhof des Palastes, in dem die Grimaldifamilie seit 1297 residiert, sorgten das Philharmonieorchester des Fürstentums und der monegassische Knabenchor für die musikalische Begleitung.

Pünktlich um 17.30 Uhr sagten Albert und Charlene auch vor Gott Ja. „Was Gott vereint hat, soll der Mensch nicht trennen“, sprach der Erzbischof. Auf dem Platz vor dem Palast, wo beim standesamtlichen „Oui“ noch Applaus ausgebrochen war, herrschte Stille. Erst als der Fürst der Braut mit leichter Mühe den Ring angesteckt hatte, brandete sanfter Applaus auf. Die Braut lächelte eine Sekunde lang unter ihrem Schleier. Die südafrikanische Sängerin Pumeza Matshikiza sang den traditionellen „Click Song“ – und Brautvater Michael Wittstock wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Das Staraufgebot unter den Gästen war deutlich größer als bei der standesamtlichen Trauung am Vortag: Protokollarisch am höchsten stand Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, was nicht zuletzt daran liegt, dass der große Nachbar bis heute genau hinschaut, was in Monaco so zusammenregiert wird. Zum Bedauern der Fotografen kam Nicolas Sarkozy ohne seine mittlerweile im sechsten Monat schwangere Ehefrau Carla Bruni, die es diskreterweise vorzog, der Braut nicht die Schau zu stehlen.

Carl Gustaf von Schweden und Albert von Belgien vertraten die europäischen Könige. Es waren die Königinnen, die fehlten. Königin Beatrix von Holland etwa ließ sich von Prinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima vertreten, Königin Margrethe von Dänemark durch Kronprinz Frederik und Prinzessin Mary. Mit leichtem Bedauern hatte man in Monaco die Absage von Prinz William und der Herzogin von Cambridge hingenommen, die sich derzeit in der ehemaligen Kronkolonie Kanada vergnügen. Die Windsors schickten an ihrer statt Prince Edward, den jüngsten Sohn der Queen, mit seiner Gattin Sophie.

Auch unter den politischen Häuptern glänzten einige durch Abwesenheit. Der amerikanische Präsident Obama war ebenso verhindert wie sein südafrikanischer Kolleg Jacob Zuma, der wegen des gleichzeitig stattfindenden Gipfels der Afrikanischen Union nicht erscheinen konnte. Die Anwesenheit des Bundespräsidenten Christian Wulff und seines isländischen Amtskollegen Ólafur Ragnar Grímsson mag das Brautpaar darüber hinweggetröstet haben.

Die Sopranistin Renée Fleming und der italienische Tenor Andrea Bocelli setzten die musikalischen Akzente des Traugottesdienstes. Fleming sang Mozarts „Laudate Dominum“, Bocelli bot Schuberts „Ave Maria“. Nach der Messe bestieg das Brautpaar – nein, nicht etwa eine Kutsche, sondern einen Lexus mit Hybridmotor.

Der Fürst ist eher Öko-Aktivist als Romantiker. Nach dem Ende der Feierlichkeiten will er eine CO2-Bilanz der Veranstaltung vorlegen. Albert und Charlene tuckerten in ihrem Lexus, bejubelt vom Publikum hinter den Absperrungen, vom Palastfelsen hinunter über die Avenue de la Porte Neuve bis zur kleinen Kirche Sainte-Dévote, die mit Blumenbeeten in den monegassischen und südafrikanischen Nationalfarben geschmückt waren. Hier, zu Füßen der Schutzpatronin Monacos, legte Fürstin Charlene ihr Bouquet nieder.

Am Abend strebte das Fest mit einem von Starkoch Alain Ducasse zubereiteten mediterranen Galadiner, bei dem der Chef auf Fleisch verzichtete, und einem Ball auf den Terrassen der Oper von Monte Carlo dem Höhepunkt zu. Zu Ende gehen sollten die Feierlichkeiten gegen 23.30 Uhr mit einem Feuerwerk über der Côte d’Azur.