Prozessauftakt

Angeklagter Olaf H. gesteht Mord an Mirco

Der lang erwartete Prozess um den Tod des zehnjährigen Mirco aus Grefrath hat am Dienstagmorgen in Krefeld begonnen. Der Angeklagte Olaf H. gestand zum Prozessauftakt, den Jungen erdrosselt zu haben. Er bestritt jedoch, auf den Jungen eingestochen zu haben.

Mit einem Geständnis des Angeklagten Olaf H. hat am Dienstag der Prozess um den Mord an dem kleinen Mirco aus Grefrath begonnen. Gerd Meister, der Verteidiger des 45-jährigen Familienvaters, erklärte am Dienstag vor dem Krefelder Landgericht, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien im wesentlichen richtig. „Es wird ihn für viele Jahre ins Gefängnis bringen.“

Olaf H. sagte am ersten Prozesstag zunächst nicht selbst aus. Sein Mandant sei suizidgefährdet, sagte Meister. Der Angeklagte soll den zehnjährigen Mirco im September vergangenen Jahres sexuell missbraucht und ermordet haben. „Es ist einfach schrecklich, das sieht mein Mandant genauso“, sagte der Verteidiger. Olaf H. werde sich aber nicht bei Mircos Eltern entschuldigen, denn: „Diese Tat ist unentschuldbar“.

Olaf H. ist wegen Mordes, Freiheitsberaubung und sexuellen Missbrauchs angeklagt. Die Eltern Mircos treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf, waren am ersten Tag aber nicht anwesend. Beim Eintreten in den bis auf den letzten Platz besetzten Gerichtssaal verbarg der angeklagte Familienvater sein Gesicht: Er trug eine Sonnenbrille, eine Baseballmütze und hielt einen Papierstapel vor sich. Um eine Hand hatte der Mann mit den hochgegelten Haaren einen Rosenkranz gewickelt.

Auf der Straßenseite gegenüber dem Gericht war eine Gedenkstätte für den getöteten Zehnjährigen aufgebaut – mit Kerzen, Bildern und Blumen. „Du fehlst uns“ stand auf einem kleinen Zettel mit dem Foto Mircos.

Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak verlas mehr als zwei Stunden lang die Vernehmungsprotokolle der Kriminalpolizei. Der 45-Jährige hatte den Beamten mehrere Versionen der Tat geliefert. Vor Gericht las er die Protokolle in seinem eigenen Aktenordner mit. Auf Fragen, ob die Formulierungen korrekt seien, nickte er alle paar Minuten mit dem Kopf.

Der Anwalt gab an, am Tag der Tat im September 2010 habe sein Mandant Mirco abgepasst, ihn ausgezogen und sexuell missbraucht - aber dann gemerkt, dass dies „nicht sein Ding“ sei. Dann habe er den Jungen mit einer Schnur erdrosselt, um die Tat zu verbergen. Er habe aber nicht mit einem Messer auf das tote Kind eingestochen, wie es in der Anklage steht. Olaf H. hatte schon am Tag seiner Festnahme Ende Januar bei der Polizei gestanden, den zehnjährigen Jungen getötet zu haben. Er führte die Ermittler zu Mircos Leiche.

Der Junge war am 3. September 2010 abends auf dem Nachhauseweg von einer Skaterbahn in seinem Wohnort verschwunden. Um das Kind zu finden, hatte die Polizei eine der größten Suchaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik gestartet: 1000 Polizisten durchkämmten die Felder rund um Grefrath am Niederrhein.

Die zeitweise 65 Mann starke Sonderkommissison der Kripo ließ Autos blitzen und Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr aufsteigen. Der Müll von Parkplätzen wurde durchsucht, Handzettel wurden verteilt und Plakate aufgehängt. Dieser Fall sei das Emotionalste gewesen, das er erlebt habe, sagte der damalige Soko-Leiter Ingo Thiel am Dienstag im WDR-Rundfunk.

Rasch hatten die Ermittler einen VW Passat als mögliches Täterauto ausgemacht. Ein Fahrzeug dieses Typs war der Dienstwagen von Olaf H., damals Mitarbeiter der Telekom. Bis zu seiner Festnahme wohnte der verheiratete Mann und Vater dreier Kinder unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort. „Er hat ein Selbstbild, das durch diese bürgerliche Welt geprägt ist“, sagte sein Anwalt.

Mit der Vernehmung von 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, die Persönlichkeit des Angeklagten erhellen zu können. Der Vorsitzende Richter hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Mircos Mutter steht ein schwerer Auftritt bevor: Auch sie soll als Zeugin gehört werden.