Loveparade 2010

Duisburgs Oberbürgermeister weist Vorwürfe zurück

Knapp ein Jahr nach der Katastrophe mit 21 Toten zieht die Staatsanwaltschaft in Duisburg ein erstes Fazit. Die Loveparade hätte nicht genehmigt werden dürfen. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wehrt sich gegen die neuen Vorwürfe.

Die Genehmigung der Loveparade in Duisburg war aus Sicht der Staatsanwaltschaft formal rechtswidrig. Der Duisburger Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der „Rheinischen Post“. Demnach waren unter anderem städtische Mitarbeiter ihren Verpflichtungen zur Prüfung des Sicherheitskonzepts und der Einhaltung von Auflagen nicht nachgekommen. Bei der Loveparade waren am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

In dem Bericht werden 16 Personen beschuldigt, darunter elf Mitarbeiter der Stadt und vier des Loveparade-Veranstalters. Dass es bei der Loveparade Tote und Verletzte gab, ist laut dem staatsanwaltlichen Bericht auch auf das pflichtwidrige Verhalten des Leitenden Polizeidirektors zurückzuführen. Er war ab dem Mittag für den Einsatz verantwortlich.

Sauerland wehrt sich

Die Zeitung beruft sich auf ein mehr als 400 Seiten langes Papier, das die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben bereits im Januar erstellt hatte. Allerdings habe sich an der Einschätzung bis heute nichts geändert, sagte Haferkamp. Laut „Rheinischer Post“ wird der Bericht von der NRW-Landesregierung bislang geheim gehalten.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wies die Vorwürfe erneut zurück. „Ich habe keinerlei Hinweise, dass das Verwaltungshandeln in Duisburg falsch war“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Darüber würden die Gerichte entscheiden. „Und solange das nicht gerichtlich geklärt ist, haben meine Mitarbeiter für mich nichts falsch gemacht.“ Es gelte die Unschuldsvermutung.

Er verwies auf ein Gutachten, das die Stadt Duisburg Anfang September 2010 bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hatte und das die Duisburger Verwaltung im Ergebnis entlastete.

Anklage noch offen

Der Kreis der Beschuldigten kann sich laut Staatsanwaltschaft noch erweitern. „Es können noch weitere dazustoßen“, sagte Haferkamp. Ermittlungen gegen Sauerland und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller schloss er nicht aus. Von den 16 Beschuldigten habe sich bislang nur eine Person geäußert.

Wann und in welchen Fällen die Ermittler über eine Anklage entscheiden, sei noch vollkommen offen. „Wir müssen noch eine ganze Menge Daten auswerten“, sagte Haferkamp. Die Sammlung, darunter CDs, Festplatten und Bänder, hätten den Umfang eines Zugwaggons.