Geburtsort

Hitler ist nicht mehr Ehrenbürger von Braunau

Der Gemeinderat der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn hat Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Die Entscheidung im Geburtsort des Dikators sei einstimming beschlossen worden.

66 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes hat Adolf Hitlers Geburtstadt Braunau am Inn dem Diktator Heimatrecht und Ehrenbürgerschaft aberkannt. „Damit hat der Gemeinderat ein klares, eindeutiges Zeichen gesetzt und historisch-politische Verantwortung wahrgenommen“, heißt es in einer Stellungnahme des Bürgermeisters der oberösterreichischen Kleinstadt, Johannes Waidbacher, vom Freitag.

Die Aberkennung erfolgte nach einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag aller fünf Fraktionen im Gemeinderat einschließlich der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei und des von Jörg Haider gegründeten Bündnisses Zukunft Österreich.

Rätsel um Ehrenbürgerstatus

Über Hitlers Status als Ehrenbürger von Braunau herrschte allerdings bis zuletzt Unklarheit auch unter Experten. Entsprechende Akten aus den Jahren 1938 bis 1945 fehlten im Gemeindearchiv, berichtete der ORF. Es gebe daher keinen schriftlichen Beleg für eine Ehrenbürgerschaft Hitlers in Braunau. „Wir haben sie vorsorglich aberkannt, damit das endlich geklärt ist“, sagte der Bürgermeister in Wien.

Als gesichert gilt hingegen, dass Hitler 1938 die Ehrenbürgerschaft der damals noch unabhängigen Gemeinde Ranshofen erhielt. 1939 wurde dieser Ort in die Stadt Braunau eingemeindet. Der Gemeinderatsbeschluss vom Donnerstag bezieht sich deshalb auf Hitlers Ehrenbürgerwürde aus Ranshofen.

Wie „Die Presse“ weiter berichtete, distanzierte sich der Braunauer Gemeinderat in seinem Beschluss ausdrücklich von jedem nationalsozialistischen Gedankengut. Die schrecklichen Ereignisse der NS-Vergangenheit dürften nicht vergessen werden, heiße es in dem Beschluss weiter. Der Gemeinderat unterstütze „Bestrebungen, verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umzugehen“.

Hitler war ursprünglich Österreicher, beantragte 1925 aber erfolgreich die Entlassung aus der österreichischen Staatsbürgerschaft. In der Folge war er zunächst staatenlos. 1932 erlangte er dann über ein öffentliches Amt – er wurde im damaligen Freistaat Braunschweig Regierungsrat – die deutsche Staatsangehörigkeit. 1938 veranlasste Hitler den „Anschluss“ Österreichs an das damalige deutsche Reich.

In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere österreichische Gemeinden von früheren Ehrenbürgerschaften Hitlers distanziert, etwa Amstetten und Waidhofen an der Ybbs. Juristen bestätigten zwar die vorherrschende Haltung der Gemeinden, eine Ehrenbürgerschaft erlösche mit dem Tod des Geehrten. Gemeinderäte forderten jedoch vielfach, mit einer expliziten Aberkennung klar auf Distanz zu gehen.