Italien

Berlusconi und sein Bunga-Bunga-Zeuge Clooney

Prozesse sind in Italien häufig Medienspektakel – und da ist Premier Berlusconi in seinem Element. Ein Hollywoodstar soll bestätigen, dass die Partys harmlos waren.

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Silvio Berlusconi strahlt in diesen Tagen wieder sein Raubtierlächeln. Vielleicht hängt es mit der Strategie seiner Anwälte vor dem nächsten Gerichtsverfahren zusammen. Sie überraschten die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, für den prominentesten aller kommenden Prozesse neben Karima al-Mahroug (alias Ruby Herzensbrecherin) nun auch den Hollywoodstar George Clooney in den Zeugenstand zu rufen.

Italiens Regierungschef wird in diesem konkreten Fall Amtsmissbrauch und unerlaubter Geschlechtsverkehr mit der zur angenommenen Tatzeit noch minderjährigen „Tänzerin“ al-Mahroug vorgeworfen. Deren üppige Erscheinung hat Berlusconis Sympathiewerten bisher allerdings nicht geschadet, erst recht nicht im männlichen Teil der italienischen Wählerschaft.

Diese Tendenz mit der Vorladung Clooneys zugunsten des angeklagten „Cavaliere“ nun auch noch auf den weiblichen Teil Italiens auszuweiten, dürfte das Kalkül der Verteidigung sein. Denn auch das Personal der Gerichte besteht ja nur aus Sterblichen, weshalb Prozesse wohl auch als mediale Ereignisse begriffen werden müssen. Darauf aber versteht sich Berlusconi wie kein zweiter. Am Montag wusste er sein erstes Erscheinen vor Gericht seit acht Jahren jedenfalls wieder im Handumdrehen in ein Medien-Spektakel zu verwandeln.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit war es davor im Gerichtssaal noch um mögliche Steuerhinterziehung und den Verdacht manipulierter Käufe von Filmrechten durch seine Firma Mediatrade gegangen. Die Vorverhandlung beschäftige sich vor allem mit formalrechtlichen Fragen, denen Berlusconi – nur einer von zwölf Angeklagten ist – noch gelassen lauschte.

Eine Stunde später trat er allerdings schon wieder wie durch einen Vorhang als siegreicher Volksheld auf. Da ließ er angesichts einer Demonstration von Sympathisanten vor dem Justizpalast seinen Wagen halten, stieg auf das Trittbrett und erklärte sich da oben zum „meist verfolgten Mann des Universums“, der auch diesen 25. Prozess gegen ihn unbeschadet überstehen werde.

Es sei nur der bisher letzte Versuch der „Kommunisten“, Italiens frei gewählten Regierungschef, der an der Wahlurne nicht zu besiegen sei, von einem Gericht zu stürzen. Um den Kauf von Filmrechten habe er sich persönlich nie gekümmert.

Am Schluss habe er sogar dem Staatsanwalt die Hand geschüttelt. Dann wandte er sich mit seinem strahlendsten Lächeln wieder den Dutzenden von Kameras zu und winkte in die Menge, die ihn mit „Forza Silvio“-Chören hochleben ließ wie in einem Fußballstadion. Unmöglich für jeden, der ihn so in seinem Element sah, sich nicht daran zu erinnern, wie ihm in solch einer Situation im September 2009 in Mailand ein Modell des Doms ins Gesichts geschleudert wurde. Dies ließ ihn bei seinem Auftritt am Montag in den Augen vieler nur noch mutiger erscheinen.

Mit noch viel größerem Medieninteresse wird nun aber das Verfahren im Fall Ruby erwartet, das am 6. April beginnen soll. Schon seit Monaten bereiten Berlusconis Anwälte diesen Prozess mit einer Serie geschickter Schachzüge vor. Dass Ruby selbst als Zeugin – unter den insgesamt 132 Zeugen – vorgeladen wird, ist klar. Dass sie dem Hauptangeklagten schaden wird, ist eher unwahrscheinlich.

Bisherige Auftritte der marokkanischen Schönheit ließen Berlusconi nur noch mehr Herzen zufliegen. Als größerer Unsicherheitsfaktor für die Verteidigung könnten sich 32 andere junge Damen aus dem Prostituiertenmilieu erweisen, die an den Partys des Premiers teilgenommen hatten. Um so spektakulärer ist deshalb die Erwähnung von Clooney und dessen Freundin Elisabetta Canalis unter den 78 Zeugen, die die Verteidigung vorladen will – neben Ministern und anderen prominenten Größen aus der Medienwelt Italiens, die schon mehrfach beteuert haben, wie keusch es auf diesen Festen immer zugegangen sei.

An Prominenz mangelte es nie auf den Partys des Cavaliere. So wundert auch keinen die Einbestellung Clooneys, der unweit von Mailand eine Villa am Comer See besitzt. Den Hollywoodstar selbst wundert die Einladung aber dennoch, der Berlusconi „nur einmal gesehen“ haben will. So geht es aber auch Ruby, die ihn und Elisabetta Canalis nur einmal gesehen haben will – eben auf einer der legendären Partys des Premiers, von denen Canalis jedoch schon beteuert, weder sie noch Clooney hätten je daran teilgenommen.

Andere Prominente aus der Welt des Glitz und Glamour mögen da weniger schamhaft sein, und natürlich auch nicht Erziehungsministerin Maria Stella Gelmini, Gleichstellungsministerin Mara Carfagna oder Außenminister Franco Frattini. Richter werden entscheiden, wer von ihnen tatsächlich als Zeuge zugelassen wird.

Gewiss ist jetzt nur, dass Berlusconi (74) und Ruby (18) weiter beschwören werden, nichts Unsittliches gemeinsam unternommen zu haben. Alle Gelder von ihm für sie seien pure „Geschenke“ gewesen.

Der Vorwurf, mit 33 Frauen in drei Monaten Sex gehabt zu haben, schmeichle ihm zwar, hat der Cavaliere wissen lassen, und sei dennoch lachhaft. Er habe eine Freundin, die „ihm die Augen ausgekratzt“ hätte, wäre all das wahr, was die Staatsanwaltschaft ihm anhängen wolle. Eine Schlüsselrolle wird deshalb wohl Berlusconis Mitangeklagte Nicole Minetti spielen.

Die 25-jährige ehemalige Dentalhygienikerin, die dem Premier nach der Wurfattacke wieder die Zähne richtete, hat seine Partys maßgeblich organisiert und eine intime Beziehung zu ihm schon gestanden.

Durch ein Geständnis zum Delikt der Anstiftung zur Prostitution könnte sie eine Strafminderung für sich erwirken – und Italiens Regierungschef stürzen: „Ich weiß“, sagt sie dazu. „Doch das wird nicht geschehen.“