Darmkeim

Behörden halten EHEC-Epidemie für aufgeklärt

Lange wurde nach dem Auslöser der EHEC-Epidemie gefahndet. Jetzt scheint die Ursache festzustehen. Die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen einen Biohof ein.

Nachdem Bockshornkleesamen aus Ägypten als Ursache für die außergewöhnliche EHEC-Epidemie unter anderem in Deutschland ausgemacht wurden, hat die EU-Kommission ein sofortiges Verkaufsverbot verhängt. Zudem wurde die Einfuhr für ägyptische Samen und Bohnen zur Sprossenzucht bis Ende Oktober verboten, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte. Der Ursprung der Erkrankungen gilt somit endgültig als aufgeklärt.


Mit sofortiger Wirkung müssen die EU-Länder nun alle Bockshornkleesamen vom Markt nehmen und vernichten, die von einem bestimmten ägyptischen Exporteur in den Jahren 2009 bis 2011 in die EU geliefert wurden. Zudem wird bis zum 31. Oktober die Einfuhr sämtlicher Samen und Bohnen aus Ägypten gestoppt, die der Sprossenzucht dienen.

An dem lebensbedrohlichen Darmkeim EHEC waren in Deutschland in den vergangenen Wochen tausende Menschen erkrankt. Mindestens 48 Patienten starben nach einer Infektion . Es handelt sich den Behörden zufolge um den bisher größten EHEC-Ausbruch in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen ist allerdings rückläufig. Der Erkrankungsgipfel war den Behörden zufolge bereits Mitte Mai erreicht.

Gesundheitskommissar John Dalli begründete das Verkaufs- und Einfuhrverbot für ägyptische Samen mit Erkenntnissen der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die EFSA-Experten teilten mit, dass die Ursache für EHEC-Erkrankungen in Deutschland sowie in Frankreich höchstwahrscheinlich eine bestimmte Lieferung von 15 Tonnen Bockshornkleesamen aus Ägypten sei.

Die Samen gingen demnach über Zwischenhändler zur Sprossenherstellung an den Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, der als Ausgangspunkt für die EHEC-Erkrankungen in Deutschland gilt. Die im Jahr 2009 produzierte Charge wurde ebenfalls nach Frankreich geliefert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) empfehlen weiterhin, Sprossen nicht roh zu verzehren . Verbraucher sollten noch vorhandene Sprossensamen und Samenmischungen in den Müll werfen.

Es sei möglich, dass mit EHEC kontaminierte Sprossensamen noch im Umlauf seien. EU-Gesundheitskommissar Dalli erklärte, die Situation werde aufmerksam beobachtet. Weitere Schritte würden notfalls eingeleitet.

Bockshornkleesamen werden auch als Gewürz oder als Heilmittel eingesetzt. Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass außer Sprossen auch andere aus den Samen hergestellte Produkte EHEC-Infektionen verursacht hätten, erklärten die deutschen Behörden. Es könne aber derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelte Erreger unter bestimmten Bedingungen auch in oder auf den Samen überleben könnten.

Verfahren gegen Biohof eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg stellte aufgrund der Ergebnisse die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Biohofs im niedersächsischen Bienenbüttel ein. „Für den Fall, dass die Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel tatsächlich Herd der EHEC-Infektionen waren, wäre den Verantwortlichen des Biohofs dies jedenfalls strafrechtlich nicht vorzuwerfen“, teilte eine Sprecherin der Behörde mit.

Es hätten sich keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Geschäftsführer frühzeitig Kenntnis von einer Verunreinigung erhalten und die Sprossen trotzdem weiter vertrieben hätten, hieß es weiter. Da die Verantwortlichen des Hofs die gesetzlichen Anforderungen im Lebensmittelbereich erfüllt hätten und es eine Verpflichtung zur Überprüfung auf EHEC-Erreger nicht gebe, sei ihnen weder vorsätzliches noch fahrlässiges Verhalten nachzuweisen. Angezeigt hatte die Betreiber ein Mann aus Münster , der selbst nicht an EHEC erkrankt ist.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos

Beschreibung anzeigen