Nostalgie

Deutsche möchten alte Auto-Kennzeichen zurückhaben

Wie identitätsstiftend Auto-Kennzeichen für viele Deutsche sind, beweist eine Studie: Fahrer, die ihr Kennzeichen wechseln mussten, möchten mehrheitlich das alte zurück.

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Laut einer Erhebung der Hochschule Heilbronn wünscht sich die Mehrheit der Einwohner in den deutschen Städten, die nach Reformen ihre alten Kfz-Kennzeichen gegen Schilder mit neuen Orts-Kürzeln eintauschen mussten, ihre alten Nummernschilder zurück.

In der Studie wurden 2010 und 2011 mehr als 25.000 Personen in 111 deutschen Städten befragt.

Eine große Mehrheit von gut 73 Prozent der befragten Einwohner möchte eine Wiedereinführung, nur zwölf Prozent wollen ihre derzeitigen Schilder beibehalten. Besonders stark ist der Wunsch nach einer „Reform der Reform“ in den ostdeutschen Bundesländern: Je kürzer der Verlust des alten Kennzeichens zurückliegt, desto mehr sprechen sich für eine Wiedereinführung aus.

„Diese Ergebnistendenz in den neuen Bundesländern war zu erwarten. Überraschend ist jedoch, dass zwei Drittel der Befragten in den alten Bundesländern, wo die Gebietsreformen zum Großteil bereits in den 1970er Jahren durchgeführt wurden, ebenfalls zu ihrem Altkennzeichen zurück wollen. Dies zeigt, welche Langfristigkeit und Nachhaltigkeit das Thema hat“, so Prof. Dr. Ralf Bochert, Leiter der „Heilbronner Initiative Kennzeichenliberalisierung“, die sich dafür einsetzt, auslaufende Kfz-Kennzeichen wieder einzuführen oder durch Gebietsreformen gefährdete Kennzeichen zu erhalten.

Auffallend ist hierbei die deutliche Zustimmung der jüngsten Befragten in der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren.

„Die eindeutige Zustimmung der Menschen zur Wiedereinführung auslaufender Kfz-Kennzeichen in denjenigen Städten, die früher durch ein solches repräsentiert wurden, zeigt politischen Handlungsbedarf auf“, findet Bochert.

In Zukunft "Wunschkennzeichen"?

Die „Heilbronner Initiative“ schlägt auf ihrer Website mehrere Kennzeichen in einem Landkreis vor, was nach einer einmaligen Umstellung ohne zusätzliche Verwaltungskosten funktioniere.

Als weitere Möglichkeit wird ein Modell vorgeschlagen, nach dem bei Neuzulassungen Altkennzeichen als „Wunschkennzeichen“ zusätzlich zum Landkreiskennzeichen vergeben werden könnten – damit erhielte der Landkreis sogar die Möglichkeit zu höheren Einnahmen: bei Einführung einer „Wunschkennzeichengebühr“.

Inzwischen habe in Mecklenburg-Vorpommern das Verkehrsministerium in fünf Fällen Zusagen für verschiedene Modelle mehrerer Kennzeichen pro Landkreis gegeben. So würden im Landkreis Nordvorpommern (NVP) ab 2011 auch die Kennzeichen RÜG (Rügen) und HST (Hansestadt Stralsund) vergeben.

Der Thüringer Verkehrsminister Carius habe am 20. Januar 2011 in einer Pressekonferenz den betroffenen Städten seine Unterstützung zugesagt. In Sachsen prüfe das zuständige Wirtschaftsministerium derzeit die Umsetzungsformalitäten, nachdem eine Sprecherin Verständnis für die Position von 14 sächsischen Städten geäußert hatte, die eine Rückkehr zum auslaufenden Kennzeichen anstreben.

Auch der bayerische Verkehrsminister Zeil habe mitteilen lassen: "Ich werde mich dafür einsetzen, in den nächsten Wochen auf Bundesebene die notwendigen Maßnahmen zur Liberalisierung der bestehenden Vorschriften zu erreichen. Ich begrüße ausdrücklich, dass der Bund nunmehr seine Bereitschaft zur bürgernahen Handhabung erklärt hat."

Über 100 deutsche Städte hätten sich seit Beginn des Projekts inzwischen durch Stadt-/Gemeinderatsbeschlüsse für das eigene Kennzeichen ausgesprochen bzw. sich in Positionspapieren zustimmend positioniert.

Das Bundesverkehrsministerium verweise im Wesentlichen auf die Tatsache, dass die Organisation der Kennzeichenvergabe Ländersache sei. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) befürwortet allerdings die Idee. Er sagte im April 2011, er habe „Verständnis für solche Wünsche“ und wolle sich „vom Grundsatz“ nicht dagegen stellen. Wichtig sei allerdings, dass dadurch kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand entstehe.

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