"Unfaires Verhalten"

Vater des Winnenden-Amokläufers geht in Revision

Der verurteilte Vater des Amokläufers von Winnenden wirft dem Gericht ein unfaires Verfahren vor. Seine Anwälte geben Ärzten die Mitschuld am Amoklauf.

Der zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Vater des Amokläufers von Winnenden wirft dem Landgericht Stuttgart ein unfaires Verfahren vor. Das geht aus der schriftlichen Begründung seines Revisionsantrags hervor, wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Sonntag vorab berichtete. Die Anwälte von Jörg K. fordern eine „vollständige Aufhebung des Urteils“.

Der Sportschütze war am 10. Februar wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in 15 Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte seinem 17-jährigen Sohn Zugriff auf eine Schusswaffe sowie Munition ermöglicht. Der Jugendliche tötete damit im März 2009 bei seinem Amoklauf 15 Menschen und anschließend sich selbst.

Bereits am Tag der Urteilsverkündung hatten die Verteidiger angekündigt, in Revision zu gehen. Dafür gibt es in jedem Verfahren eine Frist von einer Woche. Nun liegt laut „Focus“ die schriftliche Revisionsbegründung vor.

Die Anwälte bemängeln dem Bericht zufolge Verfahrensfehler, da zentrale Beweisanträge im Prozess nicht angenommen worden seien. Diese zielten darauf ab, eine Mitschuld der Ärzte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Weinsberg an der Amoktat nachzuweisen.

Im Prozess hatten die Verteidiger beantragt, den Abschlussbericht über Tims Behandlung in der Einrichtung verlesen zu lassen. Dies wurde jedoch von den Stuttgarter Richtern abgelehnt. Die Anwälte argumentieren laut „Focus“, dass aus dem Formulierungen in dem Abschlussbericht hervorgehe, dass weder Ärzte noch Therapeuten die von dem 17-Jährigen ausgehende Gefahr erkannt haben. Damit hätte auch Jörg K. als medizinischer Laie die Tat nicht voraussehen können.