Dominique Strauss-Kahn

Parteifreunde sehen bereits Comeback von DSK

Nach der spektakulären Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn (DSK) setzen viele französischen Sozialisten auf dessen Comeback.

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Einem Zeitungsbericht zufolge steht die Anklage gegen den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn vor dem Scheitern-

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Dramatische Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Die Anklage gegen den früheren IWF-Chef wegen versuchter Vergewaltigung könnte Kreisen zufolge schon bald wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Eine mit den Ermittlungen vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin werde mittlerweile stark angezweifelt. Strauss-Kahn hat die Vergewaltigungsvorwürfe der 32-Jährigen aus Guinea stets vehement bestritten.

Überraschend wurde eine Anhörung Strauss-Kahns noch am Freitagvormittag (Ortszeit/17.30 MESZ) anberaumt. Seinem Anwalt zufolge wollte der Franzose eine Lockerung seines Hausarrests beantragen.

Sollte die Anklage fallengelassen werden, könnte dies den Weg für ein politisches Comeback des 62-Jährigen ebnen. In Frankreich galt der dort DSK genannte Politiker bis zu seiner Festnahme im Mai als Hoffnungsträger der Sozialisten (PS) und aussichtsreichster Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy.

Parteifreunde Strauss-Kahns sehen bereits Chancen auf eine Rückkehr in die französische Politik. Der ehemalige sozialistische Premierminister Lionel Jospin bezeichnete die aufkommenden Zweifel an der Hauptbelastungszeugin als „Donnerschlag“. Sollte der frühere Währungsfonds-Chef völlig entlastet werden, sei es an ihm und der Partei, über die Zukunft zu entscheiden.

Der frühere Kulturminister Jack Lang erklärte: „Wenn sich die Neuigkeiten aus New York bestätigen, wäre das eine große Freude.“ Strauss-Kahns Anwesenheit wäre „entscheidend für unseren Erfolg bei der Präsidentschaftswahl“ im kommenden Jahr.

Es sei zu wünschen, dass Strauss-Kahn bald auf freien Fuß komme, dann werde er in den kommenden Monaten „im politischen Leben unverzichtbar“ sein, sagte der sozialistische Abgeordnete Jean-Marie Le Guen, ein Vertrauter Strauss-Kahns.

Die französische Sozialistenchefin Martine Aubry äußerte die Hoffnung, dass die US-Justiz „ab heute Abend die ganze Wahrheit etablieren“ werde, damit Strauss-Kahn aus „diesem Albtraum herauskommen“ könne.

Der 62-Jährige war bis zu seiner Verhaftung Mitte Mai einer der aussichtsreichsten möglichen Kandidaten der sozialdemokratischen PS für den französischen Präsidentschaftswahlkampf im kommenden Frühjahr. Es galt als nahezu sicher, dass er bei den Vorwahlen der Sozialistischen Partei nach US-amerikanischem Vorbild antreten würde.

Mit Michèle Sabban forderte am Freitag eine erste PS-Politikerin, die Vorbereitungen für die Abstimmung im Herbst zunächst auszusetzen. Strauss-Kahn müsse die Chance bekommen, sich zu den Entwicklungen zu äußern. Sabban hatte bereits nach der Verhaftung ihres Parteifreundes ein Komplott in Erwägung gezogen.

"Die Glaubwürdigkeit steht infrage“

Eine mit dem Fall Strauss-Kahn vertraute Person sagte mit Blick auf die Hotelangestellte: „Die Glaubwürdigkeit steht infrage.“

Ein anderer Eingeweihter erklärte, die Staatsanwaltschaft habe den Fall zur Anklage gebracht, ohne den Hintergrund der Belastungszeugin hinreichend zu überprüfen. „So ziemlich alles, was über diese Frau berichtet wurde, war von Anfang an falsch. Aber niemand hat nachgeforscht oder wollte etwas anderes glauben.“

Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf Justizkreise, gerichtsmedizinische Beweise belegten zwar sexuelle Kontakte zwischen Strauss-Kahn und der Putzfrau in dem Manhattaner Luxushotel. An ihrer Darstellung einer Vergewaltigung seien aber Zweifel aufgekommen.

Auch habe die Frau in der Vergangenheit wiederholt gelogen – unter anderem im Zusammenhang mit ihrem Asylantrag – und habe möglicherweise Verbindungen zur Kriminalität. So könnte sie in Zusammenhang zu Drogendelikten und Geldwäsche stehen.

Die Anwälte Strauss-Kahns und die Ankläger berieten nun darüber, ob die Verbrechens-Vorwürfe gegen den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) fallengelassen werden sollten.

Verräterisches Telefongespräch

Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf zwei hochrangige Justizvertreter zudem von einem aufgezeichneten Telefongespräch der Hotelangestellten, in dem sie die finanziellen Vorteile einer Anklage Strauss-Kahns erörtert haben soll.

Das Gespräch führte die Putzfrau demnach mit einem inhaftierten Mann binnen eines Tages, nachdem es nach ihren Angaben zu der Vergewaltigung gekommen sein soll. Der Mann soll wegen des Besitzes von knapp 200 Kilogramm Marihuana einsitzen.

Er soll zu einem Kreis von Personen gehören, die in den vergangenen zwei Jahren insgesamt rund 100.000 Dollar auf das Konto der Frau überwiesen haben. Sie soll zudem ausgesagt haben, dass sie eine frühere Vergewaltigung in ihrem Asylantrag schildert. Darin wurde aber keine solche Darstellung gefunden.

Strauss-Kahns Anwalt, Benjamin Brafman, sagte, sein Mandant werde am Freitag um 11:30 Uhr (17:30 MESZ) vor Gericht erscheinen. Die „New York Times“ berichtete, eine Entlassung aus dem Hausarrest sei möglich. Das deute darauf hin, dass ernsthafte Vorwürfe gegen ihn keinen Bestand hätten.

"Einvernehmliche sexuelle Kontakte"

Strauss-Kahn hatte auf nicht schuldig plädiert. Seine Anwälte räumen aber ein, dass es einvernehmlich sexuelle Kontakte zwischen dem Franzosen und der afrikanischen Immigrantin gegeben hat.

Ermittlungsnahen Kreisen zufolge wurde Sperma auf ihrer Kleidung gefunden. Die Affäre zwang Strauss-Kahn zum Rücktritt vom Chefposten des Währungsfonds, wo die ehemalige französische Finanzministerin Christine Lagarde am Dienstag die Nachfolge ihres Landsmanns antreten soll.

Strauss-Kahn war nach seiner Festnahme wie nach amerikanischem Recht üblich öffentlich vorgeführt worden. Diese von großem Medienrummel begleitete Prozedur wurde von vielen Europäern als entwürdigend empfunden und sorgte in Strauss-Kahns Heimat für einen Aufschrei der Entrüstung.

Einige Beobachter äußerten die Vermutung, dass der bei vielen Franzosen als Charmeur und Frauenheld geltende Strauss-Kahn von Gegnern in eine Falle gelockt worden sein könnte. Der Fall DSK hat in Frankreich eine weitreichende Debatte um die Stellung der Frau in der Gesellschaft und um bislang weithin tolerierte Freiheiten von Männern in Machtpositionen losgetreten.