Vergewaltigungsvorwurf

Strauss-Kahn - Zweifel an Aussage der Hauptzeugin

Geldwäsche, Drogenhandel, Lügen – die "New York Times" berichtet von Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau, die Dominique Strauss-Kahn versuchte Vergewaltigung vorwirft. Nun wurde für heute unerwartet eine gerichtliche Anhörung angesetzt.

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Einem Zeitungsbericht zufolge steht die Anklage gegen den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn vor dem Scheitern-

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Überraschende Entwicklung im Fall Dominique Strauss-Kahn: Die Staatsanwaltschaft in New York hegt inzwischen ernste Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau, die den früheren IWF-Chef der versuchten Vergewaltigung beschuldigt hat. Sie soll in mehreren Punkten gelogen haben, wie die Nachrichtenagentur AP aus Ermittlungskreisen erfuhr.

In einem ungewöhnlichen Schritt wolle die Staatsanwaltschaft am Freitag eine drastische Verringerung der millionenschweren Kautionssumme erreichen, die Strauss-Kahn hinterlegen musste, erklärte eine Gewährsperson.

Unter anderem soll die Beschuldigerin über einige ihrer Tätigkeiten in den Stunden um den mutmaßlichen Übergriff gelogen haben. Dies bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass die Staatsanwaltschaft auch ihre Schilderung des Vorfalls selbst infrage stellt. Der 62-jährige Strauss-Kahn hat die Vorwürfe zurückgewiesen, das 32-jährige Zimmermädchen Mitte Mai in New York sexuell angegriffen zu haben.

Die Beschuldigerin hat nach Vermutungen Staatsanwaltschaft auch über ihren Lebenslauf gelogen, wie eine der Gewährspersonen weiter sagte. Demnach soll das Zimmermädchen in seinem Asylantrag verschiedentlich die Unwahrheit gesagt haben. Dazu zähle, dass die Frau erklärt habe, sie sei in ihrem Heimatland Guinea vergewaltigt worden. „Sie hat die ganze Geschichte den Staatsanwälten noch einmal erzählt und dann später gesagt, dass sie nicht wahr sei“, verlautete aus Polizeikreisen. Nach Informationen der Zeitung „New York Times“, die als erste über die mögliche Wende in dem Fall berichtete, hat die Frau möglicherweise Verbindungen zu Straftätern, die in Drogengeschäfte und Geldwäsche verwickelt sind.

Für Freitagmittag (Ortszeit) wurde unerwartet eine gerichtliche Anhörung anberaumt, zu der Strauss-Kahn erwartet wurde. Dabei könnten die Bedingungen für Kaution und Hausarrest gelockert werden, verlautete aus informierten Kreisen. Ob auch die Anklage abgemildert werde, sei noch nicht entschieden. Die New Yorker Polizei, die in dem Fall ermittelt, lehnte eine Stellungnahme ab. Der Anwalt der Frau war zunächst nicht zu erreichen.

Gegen hohe Kaution unter Hausarrest

Die Staatsanwaltschaft hatte anfangs erklärt, die Beweise gegen den ehemaligen geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds seien erdrückend. Strauss-Kahn steht seit seiner Freilassung gegen Kaution in Höhe von einer Million Dollar (690.000 Euro) und einer Hinterlegung von Bürgschaften über fünf Millionen Dollar unter strengem Hausarrest.

Der französische Volkswirt und Diplomat wird in einem luxuriösen Stadthaus in Manhattan rund um die Uhr bewacht und muss eine elektronische Fußfessel tragen. Er darf das Stadthaus im trendigen Viertel Tribeca nur verlassen, um Gerichts-, Anwalts- oder Arzttermine wahrzunehmen und einmal wöchentlich an einem Gottesdienst teilzunehmen. Die Sicherheitsmaßnahmen, darunter auch Überwachungskameras, kosten ihn schätzungsweise 200.000 Dollar im Monat, die Miete beträgt 50.000 Dollar.