Mordfall Mary-Jane

Polizei sucht mit Phantombild nach einem Zeugen

Im Fall der getöteten Mary-Jane aus dem thüringischen Zella-Mehlis gibt es möglicherweise eine erste Spur. Mit einem Phantombild sucht die Polizei nach einem unbekannten Mann – zunächst nur als Zeugen.

Nach dem gewaltsamen Tod der siebenjährigen Mary-Jane aus dem thüringischen Zella-Mehlis sucht die Polizei mit einem Phantombild nach einem unbekannten Mann. Das Mädchen sei vor ihrem Verschwinden in Begleitung des Mannes gesehen worden, der damit „ein wichtiger Zeuge“ sei, erklärte ein Sprecher der Polizeidirektion Suhl am Montag. Der per Phantombild Gesuchte soll einer Zeugenaussage zufolge zumindest am späten Freitagnachmittag in Zella-Mehlis ein „zeitweiliger Begleiter“ der Erstklässlerin gewesen sein.

Er soll etwa 40 Jahre alt sein, eine schlanke Statur und einen Drei-Tage-Bart haben. Auffällig sei seine graues Baseball-Kappe gewesen, hieß es. Aus der Bevölkerung seien insgesamt weit mehr als 100 Hinweise eingegangen, die jetzt nach und nach überprüft würden.

Die Ermittler haben außerdem einen Schulranzen entdeckt. Dieser sei im knapp 20 Kilometer entfernten Geraberg gefunden worden und ähnele dem vermissten Tornister des getöteten Mädchens, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Noch sei aber unklar, ob es sich tatsächlich um den Ranzen des Kindes handele. Geraberg liegt mehr als zehn Kilometer von Zella-Mehlis entfernt. Beide Orte haben Anschlussstellen zur Autobahn 71 nördlich und südlich des Rennsteigtunnels.

An einem Wanderweg im Thüringer Wald hatten Spaziergänger am Samstagmorgen die Leiche des siebenjährigen Mädchens aus Zella-Mehlis entdeckt, das seit Freitag vermisst wurde. Mary-Jane lag in einem Bachlauf. Die zierliche Schülerin aus Zella-Mehlis in der Nähe von Suhl wurde nur etwa 1,5 Kilometer entfernt von der Wohnung ihrer Mutter gefunden. Sie war komplett bekleidet mit einer tarnfarbenen Jacke und einer bunten Jeans. Ihr roter Schulranzen fehlte aber.

Für die Ermittlungen im Fall Mary-Jane hat die Polizei eine Sonderkommission aus 50 Beamten eingerichtet. Diese geht zahlreichen Hinweisen von Zeugen nach. Auch das Geschehen rund um den Fundort der Leiche versuchen die Ermittler zu rekonstruieren. Dafür werden Personen und Fahrzeuge überprüft, die sich zum Tatzeitpunkt in der Nähe aufgehalten haben sollen.

Nach Angaben der Ermittler lebten Mary-Jane und ihre Mutter in geordneten Verhältnissen in einem Plattenbau. Das Mädchen besuchte die Grundschule in der Stadt. Dass so etwas im "verschlafenen“ Zella-Mehlis passieren könne, damit habe keiner gerechnet, sagte Haseney.

Das Kind mit den schulterlangen, hellbraunen Haaren war am Freitag gegen 16 Uhr nicht von der Schule nach Hause gekommen. Die alleinerziehende Mutter alarmierte deshalb gegen 19 Uhr die Polizei. Eine Suchaktion mit Hunden und einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera in der Nacht war erfolglos geblieben. Dutzende Beamte und Feuerwehrmänner waren im Einsatz.

Am Samstagmorgen hatte die Polizei ihre Suche fortgesetzt. Auch der Hubschrauber überflog wieder die Wälder um die Kleinstadt im Thüringer Wald. Zudem wurden Mitschüler und Angehörige des Mädchens befragt. Spaziergänger fanden die Siebenjährige schließlich in dem Bach, weit ab von ihrem Heimweg.

Vor sieben Jahren sorgte der Tod der kleinen Jessica in Südthüringen für Entsetzen. Die Sechsjährige war am 22. Juni 2004 nahe ihres Wohnorts Metzels (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) von einem vorbestraften Sexualtäter missbraucht und mit einem Schraubenzieher erstochen worden.