Falschaussage

Pokerräuber gibt Lüge vor Gericht zu

Ein verurteilter Räuber-Kronzeuge hat im zweiten Pokerraub-Prozess eingeräumt, über die "Abläufe und beteiligten Personen" gelogen zu haben.

Im zweiten Prozess um den spektakulären Überfall auf ein internationales Pokerturnier in Berlin ist ein bereits verurteilter Räuber-Kronzeuge von früheren Aussagen abgerückt. Er habe bezüglich der „Abläufe und beteiligten Personen“ möglicherweise „nicht immer die Wahrheit gesagt“, verlas der Anwalt des 20-Jährigen die Erklärung.

Der Räuber hatte im ersten Prozess als erster den jetzt 29-jährigen Angeklagten als mutmaßlichen Hintermann benannt, was ihm das Gericht als dickes Plus anrechnete.

Im ersten Pokerraub-Prozess waren vier Räuber zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Jetzt müssen sich zwei mutmaßliche Drahtzieher des Raubzugs in einem Luxushotel am Potsdamer Platz verantworten. Die Anklage wirft neben dem 29-Jährigen einem 31 Jahre alten Mann vor, den Überfall am 6. März organisiert zu haben. Beide hatten zum Prozessauftakt geschwiegen. Der Großteil der Beute von knapp 242.000 Euro ist bis heute verschwunden. Zu dem 31-Jährigen gibt es nach Angaben seines Anwalts keine Zeugen.

Zu dem Überfall selbst äußerte sich keiner der vier Verurteilten, die als Zeugen aus dem Gefängnis in das Landgericht gebracht wurden. Drei beriefen sich auf ihr Auskunfts- Verweigerungsrecht, da sie Revision beim Bundesgerichtshof gegen ihre Verurteilung eingelegt haben. Auch der vierte Räuber, dessen Urteil rechtskräftig ist, schwieg.

Er möchte noch keine Stellungnahme abgeben, da er bislang nicht mit einem Anwalt geredet habe, sagte der Räuber. Das Gericht rügte zwar, dass er das nicht früher mitgeteilt habe. Doch Sanktionen wie Beugehaft könnten nicht verhängt werden, da er ohnehin in Haft sitze, so das Gericht.

Der Mann hat nun fünf Tage Zeit, einen Anwalt zu benennen. Auch am zweiten Tag des neuen Prozesses patrouillierten bewaffnete Polizisten mit schusssicheren Westen im Gericht. Wegen befürchteter Befreiungsversuche aus den Reihen der Zuschauer waren massive Sicherheitsvorkehrungen angeordnet worden. Die vier jugendlichen Räuber waren am 6. März maskiert und schreiend in das Hotel Grand Hyatt auf den gerade offenen Tresor zugestürmt. Im Handgemenge mit Sicherheitsleuten mussten sie einen Großteil der erhofften Summe zurücklassen. Die Idee zu dem Überfall soll von dem 31 Jahre alten Angeklagten stammen. Er soll aus dem Hotel per Handy das Signal zum Losschlagen gegeben haben. Der andere Angeklagte soll die jungen Räuber angeheuert und sie vor dem Überfall in einem Schnellimbiss instruiert haben.