Indien

TV-Guru will Gier und Homosexualität abschaffen

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Haridwar – Er hat Millionen Fans und will die größte Demokratie der Welt „reinigen“ – wenn das kein Grundstein für eine strahlende politische Karriere ist, denkt Indiens berühmtester TV-Guru Swami Ramdev.

Und so will der Yoga-Meister von den Füßen des Himalaja einen neuen Karrierepfad einschlagen: Als Politiker verspricht der Swami Hilfe für die Armen und Strafe für die Korrupten. Bei der nächsten Wahl in vier Jahren will er eine eigene Partei ins Rennen schicken.

Der Guru in der ewig orangefarbenen Robe und den Holzsandalen hat ein Händchen fürs Geschäft. Schon jetzt herrscht er von seinem Aschram am Ufer des Ganges aus über ein millionenschweres Gesundheits-Imperium und besitzt eine Insel in Schottland.

Er lacht viel, rülpst regelmäßig und lebt von nichts als Milch, grünem Gemüse und Früchten der Saison. Sein Markenzeichen: eine Art Bauchtanz unter den Rippen. Allerdings ist der Swami nicht nur für akrobatische Tricks berühmt. Er behauptet von sich, den Krebs heilen zu können. Ebenso die Homosexualität, die er öffentlich als „Krankheit“ bezeichnet.

Trotz oder gerade wegen dieser streng-konservativen Ansichten ist er besonders bei traditionellen Hindus sehr populär. Angeblich hat er in jedem einzelnen indischen Haushalt mindestens einen Anhänger. Immerhin schauen sich jeden Tag rund 30 Millionen Zuschauer seine tägliche Yogastunde im Fernsehen an.

Seinen persönlichen Wahlkampf hat er schon mit großspurigen Versprechen begonnen: Swami Ramdev will die Gier besiegen und ausländische Einflüsse aus seiner Heimat „auswaschen“ – das kommt bei streng nationalistischen Hindus gefährlich gut an.

Er weiß auch schon, wie er sein Land von allem Übel befreien will: der Guru will eine neue Währung einführen, ausländische Unternehmen boykottieren und Yoga im ganzen Land verbreiten.

Sophie Mühlmann