"Bauer sucht Frau"

Bio-Bauer Johannes und das Liebes-Wirrwarr im Stall

Es ist verworren: Johannes lässt für Anja seine schwangere Freundin sitzen. Anja kriegt ein Baby von einem anderen. Und es gibt noch eine Ehefrau.

Es sind moderne Märchen, fernab der Großstadt in der "heilen Welt" der grünen Wiesen und Auen: Ein rechtschaffener Bauer sucht eine holde Maid, die bereit ist, mit ihm Haus und Hof zu teilen. Das ist im Grunde das Sendekonzept des RTL-Erfolgsformates " Bauer sucht Frau ". In diesem Jahr war aber statt Romantik eher Liebes-Wirrwarr angesagt. " RTL-Bauer lässt schwangere Freundin sitzen " titelte die "Bild"-Zeitung und spielt damit auf das Schicksal von Biobauer Johannes an.

Der sensationellen Quote macht das aber nichts. Auch im sechsten Jahr fährt die Doku-Soap immer wieder neue Rekorde an Zuschauerzahlen ein. Das Finale am vergangenen Montag schauten rund acht Millionen Menschen. Fast 25 Prozent davon gehörten zu der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen.Über den Erfolg des Formats ist in den Feuilletons der deutschen Zeitungslandschaft ausgiebig gerätselt worden.

Was treibt so viele Menschen dazu, diesen nicht unbedingt attraktivsten Menschen bei Partnersuche und Balz zuzuschauen? Süße Lämmchen oder Moderatorin Inka Bause können es nicht sein, soviel steht fest. Auch der Reiz, dabei zuzusehen, wie Schafsböcken die Hoden rasiert werden, dürfte sich recht schnell abnutzen. Von Eskapismus ist da die Rede, der Suche des Städters nach einer heilen Welt.

Und dann das: Enthüllung über Enthüllung. Der eine Bauer ist gar keiner, der andere soll homosexuell sein. Den Vogel schießt aber eben Bio-Bauer Johannes ab: Er lernt in der Sendung Anja (28) kennen. Die, jetzt wird es kompliziert, ist schwanger. Aber nicht von Johannes. Kein Problem, erklärt der Mann. Er müsse ebenfalls noch etwas erklären. Auch bei ihm sei ein Kind unterwegs, mit einer anderen. Bärbel (40) ist im sechsten Monat und hat nicht nur Probleme mit Ex-Freund Johannes, sondern auch mit dem Partner davor. Das erklärt sie in einem exklusiven Interview. Und außerdem habe der Johannes ja bloß ins Fernsehen gewollt.

Warum Bauer Johannes die Schwangere sitzen ließ, erklärt er in der „Bild“-Zeitung so: „Wir waren noch nicht richtig zusammen. Sie sagte mir, dass sie noch Zeit bräuchte. Hätte sie sich damals zu mir bekannt, wäre ich bei ihr geblieben, nicht zum Fernsehen gegangen.“

Von Verantwortungslosigkeit gegenüber der Schwangeren und seinem Baby wollte er nicht sprechen. „Ich wusste, ich verliere auf alle Fälle. Ist doch klar: Entscheide ich mich für meine Ex-Freundin, verliere ich Anja, die ich liebe. Entscheide ich mich für Anja, bin ich Vater eines fremden Kindes. Glauben Sie mir: keine einfache Entscheidung.“ Die Aussagen seiner Ex-Freundin nehme er ihr nicht übel, sie sei schließlich schwanger. Er wünsche sich, dass die beiden Kinder als Geschwister aufwachsen. Heiraten wolle er Anja auf jeden Fall, aber er sei ja noch verheiratet. Die Scheidung liefe aber.

„Ideal ist das alles nicht“, gab er zu. Drama über Drama also! "Es isch halt so, für's Lebe gibt's kai Drehbuch", resümierte Johannes fast weise. Wer redet hier noch von Eskapismus. Vielmehr muss es heißen: Willkommen in der Realität.