Lebenslange Haftstrafe

Ex-Frau mit 56 Messerstichen hingerichtet

Das Landgericht in Wiesbaden hat einen Lkw-Fahrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Die elf und 13 Jahre alten Mädchen fanden ihre Mutter tot im Kinderzimmer.

Er wollte sie nicht gehen lassen, deshalb stach er zu: Mit 56 Messerstichen hat ein 40-Jähriger seine Ex-Frau vor fast eineinhalb Jahren in Wiesbaden ermordet, das Landgericht verurteilte ihn deshalb zu lebenslanger Haft.

Schuldig gesprochen wurde der wegen Gewalt in der Ehe Vorbestrafte auch wegen Vergewaltigung der 31-Jährigen.

Richter Rolf Vogel zeichnete in seiner Urteilsbegründung das Bild eines gewalttätigen Mannes, der seine Frau und die beiden Stieftöchter misshandelte und systematisch unterdrückte. Der Angeklagte bestritt die Tat bis zuletzt.

Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Die Staatsanwaltschaft musste sich hauptsächlich auf eine Blutspur an der Uhr des 40-Jährigen verlassen. Sie forderte lebenslange Haft wegen Mordes und Vergewaltigung, zudem sollte die besondere Schwere der Schuld festgestellt und damit eine vorzeitige Entlassung ausgeschlossen werden.

Staatsanwalt Wolf Emmerich hatte dem Lkw-Fahrer eine „besonders verachtenswerte Gesinnung“ vorgeworfen. Der Angeklagte, der das Urteil äußerlich unbeeindruckt aufnahm, präsentierte zwar in dem Verfahren eine Erklärung: Das Blut sei bei einvernehmlichen Sex mit seiner Ex-Frau an die Uhr gelangt, sie habe ihre Tage gehabt. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Doch das Gericht glaubte ihm nicht, ein Gutachten hatte seine Aussage zuletzt auch widerlegt.

Insgesamt dauerte der Indizienprozess etwa neun Monate. Vogel sagte, es gebe „keinerlei“ Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Nach und nach zeigte sich in dem Verfahren der Alltag der Frau und ihrer kleinen Töchter, die sie mit in die arrangierte Ehe brachte. Der Angeklagte misshandelte die Kinder und die Frau. „Wegen Nichtigkeiten“ habe er aus der Haut fahren können, sagte Vogel. Bei den Kindern habe als Auslöser gereicht, wenn sie es nicht rechtzeitig schafften, ihre Schuhe zu binden.

Zwei Mal flüchtete die Frau ins Frauenhaus, suchte schließlich eine eigene Wohnung, wurde unabhängig, beantragte die Scheidung – ganz zum Missfallen ihres Mannes. Schon gegen seine erste Frau sei er gewalttätig gewesen. Am Morgen der Tat Ende September 2009 fuhr er laut dem Urteil zu seiner Ex-Frau, die ihn angerufen und um ein Gespräch gebeten hatte. Sie habe ihm klar machen wollen, dass sie keine neue Beziehung mit ihm wollte, sagte Vogel.

Das habe er nicht akzeptieren wollen, sei in wut geraten und habe sie vergewaltigt. Anschließend sei ihm klar geworden, dass sie ihm das nicht verzeihen würde, so dass er eine Freiheitsstrafe fürchten musste. „Er erkannte, dass er zu weit gegangen war“, sagte Vogel.

Er folgte ihr demnach ins Kinderzimmer, in das sie sich zurückgezogen hatte, und stach auf sie ein - insgesamt 58 Mal, 56 Mal traf er. Das Opfer verblutete binnen weniger Minuten. Das Herz, der Hals und die Lunge waren getroffen. Die elf und 13 Jahre alten Mädchen fanden die Leiche ihrer Mutter. Ihre Schwester war Nebenklägerin in dem Prozess, sie brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Anschließend kam es zu tumultartigen Szenen auf dem Gang, Angehörige beider Parteien schrien sich an. Verteidiger Manfred Döring kündigte Berufung gegen das Urteil an.