"Bauer sucht Frau"

Wo Fleischwurstherzen "Ich liebe Dich" sagen

Bei der Doku-Soap "Bauer sucht Frau" ging die Hofwoche zu Ende: Tränen, Liebesschwüre und ganz viel Romantik waren die Folge. Auch wenn die manchmal sehr speziell war.

Melancholische Töne bei Bauer sucht Frau: Der Abschied steht an – auch für uns Zuschauer. Schon jetzt war es der vorletzte Besuch auf den romantischen Höfen. Dabei haben wir uns doch gerade erst wieder eingelebt, in dem schnuckeligen Landleben, dort wo man „Ich liebe dich“ noch mit Fleischwurstherzen sagen kann.

Nachdem sie erst den dreckigen Stall und den faulen Bauern bemäkelte, hat es die reinliche Rheinländerin Rosi nun doch erwischt: Sie ist verliebt und gesteht das dem linkischen Bauern auch offen – bei einer liebevoll dekorierten Wurstplatte machen sich die beiden einen letzten romantischen Abend.

Sein schönstes weißes Hemd hat sich ihr Willi für diesen Abend angezogen – auch er hat sich verliebt, gesteht er schüchtern. Wie gut, dass die Kinderfrage bereits nachmittags bei Kaffee und Kuchen abgeräumt wurde – Rosi ist zu alt für Nachwuchs. „Schade“, sagt der Bauer im gleichen Tonfall, wie er später „ich hab mich verliebt“ sagen wird – das Temperament seiner Zukünftigen teilt er nicht.

Eher gleich klingend – wenn auch ungleichgewichtig – geht es dagegen in Schwaben zu: Da hat der schüchterne Bauer Martin sein Herz an die schüchterne Jenny verloren, sie ist seine erste, daher auch „große“ Liebe und auch sie klären natürlich sofort die Kinderfrage: Man muss ja wissen, wo man dran ist. Bauer Johannes weiß das inzwischen ja auch: ihm sind gleich Frau und Kind zugeflogen, was der Biobauer äußerst sportlich nimmt: Das nächste macht er selbst, auch das Fremde wird gewickelt.

Es ist schon erstaunlich, wie erfolgreich RTL seine Bauern auch in diesem Jahr unter die Haube gebracht hat: Neun von zehn Bauern haben sich in dieser Staffel verliebt – die meisten innerhalb weniger Minuten. Schon vorm Scheunenfest sind da die ersten Herzen verloren, die ersten scheuen Blicke ausgetauscht worden. Und darauf folgt soviel Kitsch, dass die Kuschelrock-Editionen 1 bis 12 in Dauerschleife laufen – auch das ist ein Genuss für sich.

„Wenn ich sie sehe, dann drehen die Schmetterlinge Achterbahn“, schwärmt der Ostfriese Volker über seine blonde Eroberung, mit der er sich Schlammschlachten im Watt liefert. Ganz ehrlich: Kann man Zuneigung schöner ausdrücken? Schluss mit den angestaubten Redewendungen – jetzt wird neu gemischt!

Ja, auf dem Land ist der Frühling angebrochen – für uns, die derzeit fröstelnd vor der Heizung auf dem Sofa sitzen, eine wärmende Wohltat. Da wird gepicknickt und geplanscht, Fahrrad und Kutsche gefahren, da bespritzt man sich mit Schlamm oder Spüli – das Leben in blühender Pracht. Zwischendurch immer mal ein Küsschen, ein bisschen Fummelei, ein paar linkische Komplimente, bei denen wir uns auf dem Sofa winden vor Fremdscham.

Wenn das bisher ungeküsste Pärchen in Schwaben sich morgens Nasenküsse unter der Bettdecke gibt oder der Ostfriese seiner Perle für eine ölige Massage gleich mal den BH ablegt: So nah wollten wir an dem Liebesglück dann ja auch nicht teilhaben...

Weniger Schamgefühl zeigt da ja in der Regel die Bauernfamilie. Fröhlich sitzen die stets morgens am Frühstückstisch, und kommt das Mädchen dann dazu, wird auch gleich mal gehakt: Ob sie denn auch kochen könnte? Ja? Oha. Und backen auch? Ach, der Sohn liebt ja Kuchen, verrät die Bäuerin – wäre man bei dem zierlichen Kerl gar nicht selbst drauf gekommen.

Später ist der Sohnemann beruhigt: Mutti hat versucht zu kuppeln, scheint also angetan vom Gast zu sein. Das zeigt sich dann auch spätestens, wenn die Mädchen die Höfe wieder verlassen: Statt dem Sohn ein bisschen Zweisamkeit zu gönnen, wird da fleißig mitgebusserlt und gewinkt: „Komm gut nach Hause!“, „Meld dich!“, „Komm uns mal wieder besuchen!“

Diese Aussicht haben immerhin fast alle Bauern: Ihre Frauen – das zumindest versprechen sie vor den RTL-Kameras – wollen wiederkommen. Immerhin hat die Hofwoche in vielen Fällen schon gereicht, ein ganzes Leben miteinander zu planen.

Zu hoffen ist, dass sie dieses Glück wirklich finden werden. Ganz ohne Steckmikrofone und Zwischenstand-Interviews, ohne arrangierte Überraschungen und Geständnisse, ohne beim Knutschen zwischendurch immer wieder sehnsüchtig in die Ferne schauen zu müssen.

Nein, man gönnt diesen Menschen, denen man ein paar Wochen lang viel zu nah gekommen ist, jetzt endlich ein bisschen Abgeschiedenheit. Auf das sie wirklich eine Zukunft zu zweit haben und die auch genießen können. Natürlich ist vieles in dieser Show vieles künstlich aufgeladen, mit kitschiger Musik unterlegt und mit kitschigen Texten überladen. Eine Erfolgsquote von 90 Prozent glücklichen Herzen wäre sensationell, aber unrealistisch.

Schon ein dauerhaft glückliches Paar dagegen ehrlicher, schöner Erfolg.