Bauer sucht Frau

Traktoren, Tragik und Turteln nach Textvorlage

Fremdschämen und fremdfreuen mit Inka Bause – "Bauer sucht Frau" bot wieder eine blumige Mischung aus Trachten, Tragik und vorgetexteten Turteleien.

Nein, was war das wieder schön! Ein Herz aus Rosenblättern, ein paar rote Luftballons und ein „Puh-der-Bär“-Handtuch, schon war es um die kecke Krankenkassenangestellte Stina geschehen. Da hatte der Rinderwirt aber auch alles gegeben, um das spießige Sauerland in eine kitschig romantische Kulisse zu verwandeln. „Besondere Menschen verdienen besondere Momente“: Sagt’s und wird belohnt – ein scheuer Kuss, dann noch einer. Sie sind verliebt, die zwei Kuppel-Kandidaten und wir schauen ihnen begeistert dabei zu.

Landwirt sucht Liebe, hieße das findige Format, wenn Inka Bause es getextet hätte - die muntere Moderatorin hat einen Hang zu blumigen Bildern und leiernden Liedern, die im Hintergrund schon von Liebe säuseln, wenn auf den bäuerlichen Feldern noch der Mist gemistet wird. Es muss schnell gehen mit den großen Gefühlen, schließlich gilt es neun sehnsüchtige Seelen zu verkuppeln.

Rasante Romanzen produziert der patente Privatsender zurzeit wieder im ländlichen Leben – kaum sind die willigen Weiber auf den heimeligen Höfen, erobern sie auch schon die Herzen der Hirten – und Schweinebauern, aber das passt nicht in die alberne Alliterationskette, die dem lyrischen Charakter der Show nur all zu angemessen scheint.

„Promis inside“ fragt sich schon, ob die muntere Moni wohl echte Gefühle für den Hirten Lämmes hat, bei der rüstigen Rosi scheinen so gar keine goldigen Gefühle aufkommen zu wollen – wie auch, wenn der Bauer gegenüber laut schmatzt und die Kühe nicht ordentlich sauber hält.

Traktoren, Turteltäubchen und eine bisschen Tragik

Ganz anders da beim heiteren Harald und seiner Kubanerin, die sich gegenseitig so herrlich unbeholfen anflirten, dass man den Kameramann auch gleich mitten ins Bild hätte stellen können – schlechter kann man die vorgetexteten Turtelszenen wohl nicht umsetzen: „Das war ein ganz besonderer Moment. Ich habe noch nie mit einer Frau gefrühstückt!“, freut sich der Landwirt bei Kuchen und Kakao mit seiner Kubanerin – auch wenn die sein „reichhaltiges Frühstück“ verweigert und ihn stattdessen lieber mit ihrem südamerikanischen Charme irritiert.

Da steht das Mädchen mit den kecken Zöpfen trotzig vorm Traktor und schmollt, wartet auf ihr Stichwort und springt dann schnell auf den Beifahrersitz, um sich die vorgeschrieben zwei Minuten noch zu zieren und dann vom hilflosen Harald tätscheln zu lassen – man möchte nicht tauschen mit ihr in diesem Moment.

Und dennoch: Wir schmelzen dahin. Nicht unbedingt, wenn der greise Gerhard sich über das elende Essen seiner brummigen Barbara freut und in untergetiteltem Dialekt einen fürchterlich nüchternen Satz dazu nuschelt. Auch nicht, wenn die resolute Rosi ihrem gehemmten Willy schon an Tag zwei die Abreise androht: „Mir gefällt Vieles nicht an dir.“

Nein, das gefällt uns auch nicht – gehört aber zu der Land-Soap, wie das schunkelnde Scheunenfest und die scheußliche Sofagarnitur in der Bauernstube: Landromantik, wie wir sie uns von der Großstadtcouch aus vorstellen und aus dieser Entfernung auch wirklich genießen können.

Das einfache Landleben in gängigen Klischees – kaum eine Doku-Soap ist so erfolgreich wie das RTL-Format. Weil es Sehnsucht und Schadenfreude in gleichen Teilen bedient, weil wir uns fremd schämen und fremd freuen, weil wir auch so gern mal ein Kälbchen zur Welt holen oder mit einem Traktor durch Felder gefahren würden. Weil wir Tränen sehen, Landluft riechen, oder einfach mal wieder einen Roxette-Hit von 1987 hören wollen...

Inka Bause gibt mit Objektiven und Adjektiven nochmal alles

In mitten all dem ländlichen Liebesreigen steht stets die Trachten tragende Inka Bause mit ihrem verfluchten Optimismus und der Überdosis Adjektive, die sie mit großer Geste in ihre Sätze streut.

Wäre es, fragt man sich, auf dem Land auch nur halb so romantisch, wenn man die Schweinezüchter und Hühnerwirte nicht immer so blumig beschreiben würde, ihnen nicht ständig „Herzklopfen“, „große Gefühle“ und „Leidenschaft“ auf die Stirn schriebe und in den Mund legte?

Natürlich nicht. Übrig blieben dann schließlich ein paar tumbe Typen mit einem lahmen Landleben – rühren könnten einen gerade noch die niedlichen Ferkel oder Lämmer, und die kann man sich besser in einer 3Sat-Doku als am RTL-Abendprogramm anschauen.

Nein, „Bauer sucht Frau“ ist und bleibt ein gruseliges Gesamtkunstwerk – albernen Alliterationen scheinen da das probate Mittel, das noch mal zu unterstreichen.

"Bauer sucht Frau" – montags, 21.15 Uhr auf RTL