RTL-Kuppelshow

Die schlimmsten Momente bei "Bauer sucht Frau"

Warum ist auch die sechste Staffel der Bauernsuche auf RTL ein solcher Erfolg? Fünf Punkte, an denen es nicht liegen kann.

Nach einer Sendung „ Bauer sucht Frau “ kann man sich so ähnlich fühlen wie nach dem Zahnarztbesuch: „War ja gar nicht so schlimm“, erleichterter Seufzer. Die schlimmpeinlichen Fremdschäm-Momente ließen sich in der letzten Sendung tatsächlich an einer Hand abzählen. Aber die romantischen mit Stallduft ebenso. Wieso bloß ist die Sendung jetzt schon in der sechsten Staffel so ein Knaller-Erfolg? Fünf Punkte, an denen es bestimmt nicht lag.

1. Die penetranten Phrasen

Jeder platte Spruch kostet einen Euro: Wenn sich einer der Bauern statt Hühnern oder Schafen ein Phrasenschwein auf seinen Hof holen würde, hätte er schon nach wenigen Minuten seinen Jahresetat verdient. Und zwar nicht bloß mit den vorformulierten Texten, die die Hauptdarsteller in jeder Sendung abspulen. Sondern von Inka Bause persönlich. Die lässt in ihren Ansagertexten kein Klischee aus: Da müssen neue Besen gut kehren, andere Geschütze aufgefahren werden und Herzen verloren, erobert oder entflammt sein. Oder sogar „dem süßen Nichtstun gefrönt“ werden. Allen Ernstes. Sehr anstrengend wird das vor allem dann, wenn RTL sich selbst überfordert und die Redensarten nicht richtig hinbekommt: „Willi wird von Rosi ins Gebetbuch genommen“.

2. Die peinlichen Popsongs

Natürlich wird auch die Musik entsprechend angepasst. Büro-Azubi Stina darf zum ersten Mal Trecker fahren? Dann knallt im Hintergrund David Hasselhoffs „Looking For Freedom“ los. Hühnerwirt Gerhard hat ganz gegen seine Art hübsch den Tisch gedeckt und das Bad geputzt? Natürlich schnulzt dazu Bryan Adams „Everything I do, I do it for you”. Standardschlager wie „Wind of Change“ und „Super Trooper“ müssen sowieso dabei sein.

Und als sich der jüngste Kandidat Lukas von seiner Probefrau verabschiedet, säuselt Patrick Swayze wie damals bei Dirty Dancing im Hintergrund: “She’s like the wind“. Dafür allerdings gab es Haue von den twitternden Bauer-sucht-Frau-Fans: „Jetzt wird der Mädel-Traum-Film ruiniert. Die Musik kann nix dafür! Lasst sie aus dem Spiel!“

3. Die pausenlose Putzerei

Fast sah es so aus, als ob die letzte Folge von Meister Proper oder "Schöner Wohnen" gesponsert würde: Kubanerin Janet wollte beim Schweinebauern Harald gleich „Tapete, Boden, alles neu verändern“, Willi und Rosi nahmen sich erst einmal den versifften Kuhstall vor. Der knorrige Hühnerwirt Gerhard rückte bei seiner verkalkten Badewanne gleich mit dem Hochdruckreiniger an – und vergoss außerdem heiße Tränen, weil seine Barbara ihm die jahrzehntealten Teppiche aus dem Wohnzimmer unter den Füßen wegziehen wollte. Aber: Bauernhöfe sind nun mal dreckig, und es wirkt ziemlich lächerlich, sich in einem Kuhstall über die herumliegenden Fladen zu beschweren. Oder auf der angeblichen Suche nach der großen Liebe als erstes die Tapeten von der Wand und die Läufer vom Boden zu reißen.

4. Die hemmungslose Halbwahrheit

In der Vorgänger-Staffel war offenbar einiges getürkt: angebliche Bauern, die keinen eigenen Hof besaßen; angebliche Singles, die in festen Händen waren; angebliche Kosmetikerinnen, die eher im horizontalen als im schminkenden Gewerbe ihr Geld verdienten. Auch diesmal läuft bestimmt nicht alles so spontan ab, wie RTL es seinen Zuschauern weismachen will. Manche Dialoge sind ganz offensichtlich auswendig gelernt: „Im Herzen nehme ich dich mit.“ – „Ich will dich nicht verlieren.“ – „Wir schaffen das schon.“

Das sind nicht die schlimmen Momente. Denn sobald klar wird, dass hier jemand nur eine vorgeschriebene Rolle durchzieht, kann man ihn einschätzen. Schließlich weiß fast jeder: Im Fernsehen ist nicht alles echt, was wie eine Träne oder ein Kuss aussieht. Besonders dann nicht, wenn es in Zeitlupe gezeigt wird.

Bloß geht das auf Kosten der tatsächlich echten Küsse und Tränen, die bei „Bauer sucht Frau“ möglicherweise ja auch mal vorkommen. Ernstnehmen kann man sie trotzdem nicht. Denn wer weiß schon sicher, was an der Sendung nun wahr ist und was nicht? „Stina und Lukas haben sich unsterblich verliebt“, sagt die Stimme aus dem Off, und der Zuschauer denkt: „Aber sicher, da warten wir doch erst einmal das Finale ab.“

5. Der unfreiwillige Ulk

Was meint Rosi, wenn sie nach dem Ausmisten des Kuhstalls verkündet: „Ich hab mich richtig reingekniet?“ Sind die Aussagen „Komm bitte, ich bring dich bei“ und „Du bist bei mir drin“ tatsächlich so zweideutig gemeint, wie viele Fans behaupten? Man weiß es nicht.

Sicher ist aber, dass die Bauern und ihre Frauen viel sympathischer wirken, wenn sie ernsthaft versuchen witzig zu werden: „Salsa?!“ fragt zum Beispiel der tanzunwillige Harald, „ich kann ja nicht mal Walzer!“ Oder wenn die potenzielle Schwiegermama beim Spätzlekochen zuschaut und dabei anerkennend murmelt: „Man wird so alt wie eine Kuh und lernt doch immer noch dazu.“ Solche Momente könnte „Bauer sucht Frau“ öfter gebrauchen.