Keim-Quelle

Sprossen stehen unter EHEC-Verdacht

In Niedersachsen gibt es eine heiße Spur in der EHEC-Krise. Nach Gurken, Tomaten und Salat rücken nun Sprossen in den Fokus der Bakterien-Detektive. Sie stammen aus einem Gartenbaubetrieb im Kreis Uelzen.

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Die niedersächsischen Behörden haben Sprossen als Auslöser der lebensgefährlichen Darmerkrankung im Verdacht. Niedersachsens Agrarminister Lindemann sprach von einer sehr deutlichen Spur für die Infektionsquelle.

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Sprossen aus Niedersachsen könnten eine Ursache für den Ausbruch der schweren EHEC-Epidemie in Norddeutschland sein. Das sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) am Sonntag. Ein definitiver Labornachweis dafür fehlt aber bisher. Die Indizienlage sei jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten. Es sei eine „ziemlich heiße Spur“, heißt es. Sprossen waren vor Jahren in Asien Ursache für eine schwere EHEC-Epidemie.

Eine Firma in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, ein Gartenbaubetrieb, ist nach Angaben der niedersächsischen Behörden eine Quelle für die Darminfektionen. Die Firma vertreibe Sprossensorten. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem EHEC-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde“, hieß es aus dem Ministerium. Lindemann sagte, eine Mitarbeiterin aus dem betroffenen Betrieb sei nachweislich an EHEC erkrankt. „Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache“, sagte der Minister. Der Betrieb ist vorerst gesperrt. Die Sprossen seien zurückgerufen worden.

Bei den betroffenen Sprossen handelt es sich um solche, die aus verschiedenen Saatgutmischungen hergestellt wurden. Betroffen sind 18 Mischungen. Unter anderem handelt es sich um Bohnenkeimlinge, Brokkolisprossen, Erbsen- und Kichererbsensprossen, Knoblauchsprossen, Linsensprossen, Mungobohnenkeimlinge, Radieschen- und Rettichsprossen. Einige Sprossenmischungen, die als EHEC-Quelle im Verdacht stehen, kommen auch aus dem Ausland, so Lindemann. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, sagte er nicht.

„Die Sprossen wurden direkt oder über Zwischenhändler an Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert“, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Konkret ist unter anderem von einem Gasthof in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), von Lübeck, von einem Hotel im Kreis Lüneburg und von einer Kantine in Bochum die Rede.

Kliniken in Norddeutschland arbeiten angesichts der EHEC-Fälle am Rande ihrer Möglichkeiten. Das sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der „Bild am Sonntag“. In der Krankenversorgung gebe es Engpässe. Fehlende Kapazitäten etwa in den Städten Hamburg und Bremen könnten bisher aber durch umliegende Krankenhäuser ausgeglichen werden.

In Lübeck könnten sich bis zu 17 Patienten in einem Restaurant angesteckt haben. Der Wirt erwartet an diesem Montag noch ausstehende Befunde. Joachim Berger sagte, er habe Stuhlproben seiner Mitarbeiter, die in der Küche arbeiten, testen lassen. Dem ZDF hatte er erklärt, bei Untersuchungen seiner Gaststätte sei nichts gefunden worden. Offizielle Angaben etwa vom zuständigen Robert Koch-Institut gab es zunächst nicht.

Berger schloss im ZDF nicht aus, dass er eine verseuchte Lieferung Lebensmittel erhalten habe. Seine Ware komme über Zwischenhändler vom Großhandel in Hamburg. Seinem Lieferanten vertraue er. „Er hat uns auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gegeben.“

In der kommenden Woche wollen sich Bahr und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mit den Ministern der Länder beraten, wo inzwischen bei rund 2500 Patienten eine EHEC-Infektion nachgewiesen ist oder vermutet wird.

Bundesweit stieg die Zahl der EHEC-Infektionen am Wochenende weiter – allerdings etwas langsamer als zuvor, wie etwa die Behörden der schwer betroffenen Länder Hamburg und Niedersachsen mitteilten. Nicht alle Bundesländer gaben über das Wochenende aktualisierte Zahlen bekannt. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es außerhalb Deutschlands bereits mehr als 100 EHEC- und HUS-Fälle.

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