1000 Infektionen, 9 Todesopfer

"Höhepunkt der EHEC-Welle noch nicht erreicht"

Die EHEC-Welle rollt unvermindert durch Deutschland. In Schleswig-Holstein starb am Samstag das neunte Todesopfer. Bundesweit schweben Menschen weiter in Lebensgefahr. Mittlerweile werden neben den spanischen Gurken noch weitere Infektionsquellen vermutet.

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Der gefährliche Ehec-Erreger gibt den Behörden weiter Rätsel auf, die daher keinen Grund zur Entwarnung sehen.

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Drei weitere Menschen sind in Norddeutschland dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC erlegen. In der Nacht zum Samstag starb eine 87-Jährige an den Folgen der Erkrankung, wie eine Sprecherin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) am Samstag sagte. In einem Krankenhaus im Kreis Herzogtum-Lauenburg in Schleswig-Holstein starb am Samstag laut dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium eine 84-Jährige an den Folgen einer schweren Darminfektion, dem sogenannten Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit EHEC erhöhte sich damit bundesweit auf neun.

Unterdessen setzen die Ärzte in Hamburg auf ein neues Medikament. Im UKE bekommen einige Patienten mit schwerstem Krankheitsverlauf seit Freitag einen Antikörper verabreicht. Er soll gegen das akute Nierenversagen wirken. Der Antikörper sei zuvor in einer Studie bereits erfolgreich bei drei Kleinkindern zum Einsatz gekommen, sagte die Sprecherin. Derweil ließ das UKE einige Patienten mit leichteren Verläufen bereits in andere Krankenhäuser verlegen. Es sei zu erwarten, dass weitere Patienten mit HUS eingeliefert werden.

Frau stirbt Donnerstagabend in Kieler Krankenhaus

Bereits am Donnerstag war in Kiel eine 38-Jährige an den Folgen einer schweren Darminfektion gestorben. Die Frau aus Osdorf (Kreis Rensdsburg-Eckernförde) war aus einem anderen Krankenhaus am 20. Mai ins Städtische Krankenhaus nach Kiel verlegt worden. „Sie hatte keine Vorerkrankungen“, sagte eine Sprecherin des Städtischen Krankenhauses am Samstag auf dapd-Anfrage. Ihr Zustand sei bereits bei der Einlieferung in Kiel kritisch gewesen.

Zahl der EHEC-Erkrankungen steigt weiter

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den neun Toten waren acht Opfer Frauen. Bislang stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland.

Allein in Niedersachsen wurden bis Samstag 141 bestätigte Erkrankungen, 48 EHEC-Verdachtsfälle und 42 HUS-Fälle registriert. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch weiter steigt“, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Wegen Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit nach Niedersachsen. In Hamburg liegt die Zahl bei etwa 400 Patienten.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich weitere EHEC-Patienten in Behandlung begeben. Bei einer 58-jährigen EHEC-Patientin im Karlsruher Klinikum bestand keine akute Lebensgefahr mehr. „Aber die Patientin wird nach wie vor beatmet“, sagte eine Kliniksprecherin. Sie hatte zuvor nach Angaben der Klinik viel Rohkost gegessen. Aus Nordrhein-Westfalen wurden am Samstag keine neuen EHEC-Fälle gemeldet, hier erkrankten 48 Menschen.

Am Hamburger UKE setzen die Mediziner inzwischen auf eine neue Behandlung. Sechs EHEC-Infizierte mit Komplikationen bekämen einen speziellen Antikörper, sagte Prof. Rolf Stahl am Samstag. Der Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei HUS wirken, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete. Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor.

Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist der Höhepunkt der Krankheitswelle noch nicht erreicht. Denn zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit könnten bis zu zehn Tage liegen. Er gehe außerdem davon aus, dass es außer den identifizierten spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt noch weitere Ansteckungsquellen geben müsse.

Unterdessen läuft die Suche nach der Herkunft des gefährlichen Durchfallerregers weiter auf Hochtouren. Ob die an Salatgurken in Hamburg gefundenen Erreger mit denen der infizierten Menschen übereinstimmten, ist weiter unklar. Am Donnerstag war an vier Salatgurken aus dem Großmarkt der Hansestadt konnte das Bakterium nachgewiesen werden. Drei der Gurken stammten aus Spanien, die vierte Gurke wurde wohl aus den Niederlanden geliefert.

Infos zum Erreger: >>> So schützen Sie sich vor EHEC

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