Nur ein armer Trittbrettfahrer

Angeblicher "Isharegossip"-Betreiber wieder frei

Der nach einem TV-Bericht festgenommene angebliche Betreiber der Mobbing-Seite "Isharegossip" ist wieder auf freiem Fuß. Offenbar ist der Sonderschüler Manuel T. nur ein Angeber und brauchte Geld. Derweil haben sich die wirklichen Betreiber von "Isharegossip" geäußert.

Foto: Sat1

Der als mutmaßlicher Betreiber der Mobbing-Site isharegossip.com gefasste Täter war nur ein Trittbrettfahrer. Der 25 Jahre alte Lübecker habe aus finanziellen Gründen behauptet, der Betreiber der Internetseite zu sein, sagte Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag über den Stand der Ermittlungen. Er habe das massive Interesse für sich nutzen wollen und gehofft, die Story an die Medien verkaufen zu können.

Er sei arbeitslos und „steht finanziell nicht so gut dar. Das war wohl seine Motivation“, sagte Badle. Die Internetseite war mit öffentlichen Hetzbeiträgen ihrer meist jungen Nutzer mit derben Beleidigungen in die Schlagzeilen geraten.

Der 25-Jährige war am Donnerstag in Lübeck festgenommen worden, seine Wohnung wurde durchsucht. Als sich bei der Vernehmung in der Nacht herausstellte, dass der Mann nichts mit der Mobbing-Site zu tun habe, sei er am Freitagmorgen wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Auslöser für die Festnahme war ein Fernsehbericht der Sat.1-Sendung "Akte2011" , in dem sich der ehemalige Sonderschüler als Betreiber von „Isharegossip“ bezeichnet hatte und behauptete und er habe damit Millionen Euro verdient. Die daraufhin aufgenommenen Ermittlungen hätten nach Lübeck geführt. Daraufhin hatte die Generalstaatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen des Verdachts der Volksverhetzung erwirkt.

Auf dem Blog von Isharegossip meldeten sich nach dem Bericht die Betreiber der Seite zu Wort. Demnach war Manuel T. zwar eines der ersten Mitglieder im Team, hatte aber "nie Zugriff auf Server, Bank- und Affiliate Konten" sondern war offenbar lediglich als Leiter der Forenmoderierung aktiv. "Das er nun als Geschäftsführer, Gründer, Administrator, Programmierer, Supporter, Moderator und Pressesprecher auftritt ist bizarr", heißt es in dem Blog-Eintrag. Als Konsequenz auf das Interview mit Akte2011 haben die Betreiber offenbar beschlossen, den Kontakt zu Manuel T. einzustellen und ihn "von all seinen Rechten und Pflichten bei Isharegossip" zu entbinden.

Die Gerüchte-Site war mit öffentlichen Hetzbeiträgen und derben Beleidigungen gegen Jugendliche in die Schlagzeilen geraten. Im März war die Mobbing-Plattform auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gekommen.

Das Internetportal hatte unter dem Motto „100 Prozent anonym an deiner Schule, Universität oder Arbeitsplatz lästern“ dazu aufgerufen, Gruppen zum Beispiel für Schulen oder Ausbildungszentren zu gründen und darin anonym Gerüchte zu verbreiten. 60 Mobbing-Opfer hatten bereits Strafanzeige gegen die Betreiber erstattet. Im März war das Portal als jugendgefährdend auf den Index gesetzt worden.

Dennoch muss sich Manuel T. mit rechtlichen Konsequenzen auseinandersetzen. Nach Informationen der "Lübecker Nachrichten" muss er sich womöglich "wegen Vortäuschen einer Straftat vor Gericht verantworten und überdies für die Kosten der Polizeieinsätze aufkommen“, zitiert die Zeitung einen Polizeisprecher.