Grimsvötn-Ausbruch

Flugverbot am Mittwochmorgen über Norddeutschland

| Lesedauer: 4 Minuten

Aschewolke erreicht Großbritannien

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Wegen der isländischen Vulkanasche haben Fluggesellschaften, darunter British Airways, easyjet, KLM und Aer Lingus erste Flüge gestrichen. US-Präsident Obama flog früher als geplant nach Großbritannien, um der Aschewolke auszuweichen.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Die Vulkanasche aus Island ist unaufhaltsam unterwegs in Richtung Deutschland. Gegen 2 Uhr wird sie voraussichtlich den Norden erreichen und zieht dann weiter nach Hessen und Brandenburg. Experten befürchten ein schlimmeres Chaos als 2010. Die Flugsicherung berät über Flugverbote auch für Berlin.

Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn macht eine Luftraumsperrung über Norddeutschland am Mittwochmorgen sehr wahrscheinlich. Das sagte Markus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Dienstag. Der Beschluss liege jedoch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). Dort sollte noch am Abend eine Entscheidung bekanntgegeben werden.

Beyer sagte, es gebe Vorhersagen, dass gegen 8 Uhr am Morgen der Wert der Aschekonzentration in der Luft über Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie dem Norden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts so hoch werde, dass ein Flugverbot nötig sein könnte. Betroffen wären dann auch die Berliner Flughäfen. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes zieht die Wolke in den kommenden Tagen voraussichtlich wieder Richtung Norden ab.

Eine Sprecherin der Flugsicherung im hessischen Langen sagte, die Experten kämen um 18 Uhr zu einer Sitzung zusammen, um Daten auszuwerten. „Dann werden wir sehen, was den Lufträumen bevorsteht, wo welche Bedingungen herrschen und wie hoch die Aschekonzentrationen sind.“ Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der jedoch keine Entscheidungsgewalt hat, teilte bereits mit, eine Luftraumsperrung über Norddeutschland ab Mittwochmorgen sei sehr wahrscheinlich.

Bereits ab 2 Uhr in der Nacht könne der Wert bis zum südlichen Brandenburg und dem nördlichen Hessen in dem Bereich liegen, bei dem nur noch unter Auflagen geflogen werden kann.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte am Montag eine sogenannte Allgemeinverfügung in Kraft gesetzt, nach der ein Messwert von zwei Milligramm oder mehr zu einem grundsätzlichen Flugverbot führt, da Schäden an den Flugzeugen, insbesondere an den Triebwerken, nicht ausgeschlossen werden können.

Erste Flüge gestrichen

Laut dem Volcanic Ash Advisory Centre in London breitete sich die Aschewolke bis zum Dienstagabend in Dänemark, Südnorwegen sowie Schottland, Wales und Irland und England aus. Der Flugverkehr war dort bereits beeinträchtigt. Wie groß die Auswirkungen letztlich wirklich sein werden, hängt nach Expertenmeinung vor allem von der Windrichtung in den kommenden Tagen ab.

Am Dienstag wurden auch einige wenige Flüge in Deutschland gestrichen. Die Lufthansa annullierte zwei Flüge von Frankfurt am Main beziehungsweise Düsseldorf nach Edinburgh in Schottland. Auch ein Flug von Frankfurt/Hahn nach Edinburgh fand nicht statt.

Erinnerungen an den Eyjafjallajökull-Ausbruch

Der Grimsvötn stieß unterdessen weiter Asche aus, aber weniger stark als in den vergangenen Tagen. Er ist der aktivste Vulkan Islands und liegt unter dem Vatnajökull-Gletscher. Seine vergangenen Ausbrüche – der letzte ereignete sich 2004 – hatten keinen großen Einfluss auf den Flugverkehr gehabt.

Vor gut einem Jahr hatten nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull über Europa treibende Aschewolken tagelang zu Sperrungen des Luftraums geführt und für ein Chaos im internationalen Flugverkehr gesorgt. Schätzungen zufolge waren damals weltweit etwa zehn Millionen Passagiere betroffen.

Ob es dieses Mal wieder so kommt, lässt sich noch nicht sagen. Der Geophysiker Bernd Zimanowski von der Universität Würzburg sieht die Möglichkeit durchaus. Die Menge der Asche, die der Grimsvötn derzeit ausspucke, sei größer als damals, sagte er.

Allerdings sei der Ausbruch nicht nur heftiger als der 2010, sondern – weil er in der Umgebung eines großen Gletschersees stattgefunden habe – auch nasser und die Asche dadurch klumpiger. Das könne dazu führen, dass weniger feiner Staub in die höheren Luftschichten gelange, wo er den Luftverkehr behindern könnte. Außerdem regne die Asche womöglich früher ab, sodass sich die Wolke nicht so schnell ausbreiten könne.

Ob dieser Effekt am Ende für eine geringere Beeinträchtigung des Luftverkehrs sorgt, bleibe abzuwarten. Das hänge auch von der Windrichtung ab. Auch wie lange der Vulkanausbruch noch dauern werde, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, sagte Zimanowski.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos
Beschreibung anzeigen