Vulkanausbruch

Aschewolke aus Island beeinträchtigt Flugverkehr

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Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grimsvötn breitet sich immer weiter über Europa aus. Es kommt zu ersten Beeinträchtigungen im Flugverkehr.

Der isländische Vulkan Grimsvötn spuckt und sorgt auf der Insel für Probleme im Luftverkehr. Seine Aschewolke erreichte nach Schätzungen von Meteorologen eine Höhe von mindestens 17 Kilometern. Erst vor 14 Monaten hatte der Ausbruch des Eyjafjallajökull wochenlang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) rechnet vorerst nicht mit massiven Beeinträchtigungen im Luftbetrieb. Er hat inzwischen aber Grenzwerte für mögliche Beschränkungen erlassen. „Ich glaube, dass wir mit diesen Maßnahmen in Deutschland gut gerüstet sind – und dass wir die notwendigen Vorkehrungen getroffen haben“, sagte Ramsauer am Montag.

Keinerlei Beschränkungen sind danach vorgesehen bei „Kontaminationen“ bis zu 0,2 Milligramm Aschebelastung pro Kubikmeter Luft. Eingeschränkt geflogen werden darf noch zwischen 0,2 und 2 Milligramm Aschebelastung. Dann sind nach Ramsauers Worten besondere Vorkehrungen wie Meldepflichten, verstärkte Wartung und Überprüfung der Maschinen zu beachten. Dies sei „regulärer Flugverkehr, aber mit gewissen Auflagen“.

Bei über 2 Milligramm Aschebelastung pro Kubikmeter Luft darf dann grundsätzlich nicht mehr geflogen werden – es sei denn, Triebwerk- und Flugzeughersteller hätten dafür ausdrücklich grünes Licht gegeben, sagte Ramsauer. Asche in der Luft kann für Flugzeug-Triebwerke gefährlich werden.

EU-Kommission erwartet kein Chaos

Auch die EU-Kommission geht davon aus, dass in den kommenden Tagen kein Flugchaos in Europa herrschen wird. Das britische Wetteramt erwartet jedoch Störungen des Luftverkehrs bereits in der Nacht zum Dienstag in Schottland. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol hatte erklärt, wenn die Intensität des Ausbruchs des Grimsvötn anhalte, könnte die Aschewolke am Donnerstag dann auch Westfrankreich und Nordspanien erreichen.

Die Staaten müssten aber nicht wie im vergangenen Jahr großräumig Lufträume sperren. „Es gibt wesentliche Unterschiede“, sagte die Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Montag. „Es weht weniger Wind, die Aschepartikel sind dicker und fallen schneller zu Boden und wir haben ein besseres Krisenmanagement.“

Am Vormittag tagten Experten der EU-Kommission, der Europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol sowie Vertreter von Flughäfen und Airlines, um im Notfall schnelle Empfehlungen an die Mitgliedsstaaten zu geben. Jeder Staat entscheidet selbst darüber, ob er seinen Luftraum schließt.

Im Frühling 2010 hatte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull mit seiner Asche wochenlang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt. 100.000 Flüge fielen laut EU-Behörde in Europa aus, mehr als 10 Millionen Passagiere konnten nicht reisen. Damals fehlten Grenzwerte für die Aschekonzentrationen in der Atmosphäre. Da nun das Fliegen in Arealen mit geringer Aschekonzentration erlaubt ist, würde bei einer ähnlichen Lage wie 2010 nach Expertenschätzung nur noch 60 Prozent des damaligen Gebiets für den Flugverkehr gesperrt.

Allerdings monieren Fluggesellschaften, dass es nach wie vor keinen einheitlichen, absoluten Grenzwert gibt, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen. „Diesen Universalwert kann es nicht geben, weil die Beschaffenheit von Asche unterschiedlich ist und jede Aschewolkenkrise anders verläuft“, widersprach die Sprecherin. Die Vereinigung der Europäischen Fluggesellschaften (AEA) kritisiert zudem, dass von den Flugzeug-Herstellern genauere Angaben fehlen, welche Schäden Asche bei Motoren anrichtet.

Flüge zwischen dem norwegischen Festland und der Inselkette Spitzbergen in der Arktis mussten am Montag wegen der Asche des Grimsvötn gestrichen werden, teilte der norwegische Flughafenbetreiber Avinor in Olso mit. Dies betreffe vorerst allerdings nur zwei Flüge, sagte Unternehmenssprecher Ove Narvesen. Zu möglichen Ausfällen am Dienstag könne er noch nichts sagen. Es gebe „ein gewisses Risiko, dass der Westen Norwegens betroffen sein könnte, aber es ist zu früh, dies mit Sicherheit zu sagen“.

Wegen des Vulkanausbruchs wurden zudem Teile des Luftraums über Grönland gesperrt, teilte die dänische Flugsicherungsbehörde Naviair mit.

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