Prozess

Kachelmann-Anwalt holt Staatsanwalt in Zeugenstand

Im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann haben die Ankläger als Zeugen ausgesagt. Sie wehrten sich gegen Vorwürfe von Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn.

Am 36. Verhandlungstag im Fall Kachelmann ging es vor allem um die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers und um die angebliche Voreingenommenheit der Staatsanwaltschaft. So musste Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge vor dem Landgericht Mannheim Rede und Antwort stehen.

Dabei bekräftigte der 36 Jahre alte Ankläger, er habe das mutmaßliche Opfer nicht zu belastenden Aussagen gegen den Moderator ermuntert. Die ehemalige Geliebte beschuldigt Kachelmann der Vergewaltigung. Der wiederum bestreitet die Tat und äußert sich nicht in der Sache.

Um zu klären, ob die Staatsanwaltschaft gewissenhaft ihrer Aufgabe nachgekommen ist, hatte Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn die Zeugenbefragung der beiden Ankläger Oltrogge und Gattner beantragt. Außerdem hält Schwenn es für möglich, dass die beiden unzutreffende Protokollnotizen vorgelegt haben und Informationen an die Presse weitergegeben haben.

Staatsanwalt wies Vorwürfe von sich

Allen Punkten widersprach Staatsanwalt Oltrogge mit Nachdruck. Er musste sich etwa zwei Stunden lang im Zeugenstand zur Sache äußern. Er betonte, er habe das angebliche Vergewaltigungsopfer nicht im Sinne der Anklage beeinflusst. Im Gegenteil habe er die 38 Jahre alte Radiomoderatorin eindringlich darauf hingewiesen, dass sie bei Falschaussagen „in Teufels Küche“ kommen könne, also dass ernste juristische Konsequenzen drohten.

Diese Bemerkung sei indes nicht grundlos gefallen, berichtete der Staatsanwalt. So habe das mutmaßliche Opfer während des Gesprächs bestätigt, dass ein angeblich anonym verfasster Brief in Wirklichkeit von ihr selbst gestammt habe. In diesem Brief, den die Geliebte bei geeigneter Gelegenheit dem Moderator präsentieren wollte, seien Hinweise auf dessen Untreue niedergeschrieben gewesen.

Allerdings hatte das Opfer diese Angaben selbst recherchiert und auch selbst zu Papier gebracht. Das, so Oltrogge, hätte die Untersuchung des Dokuments ergeben.

Schwenn sieht Glaubwürdigkeit der Zeugin "erschüttert"

Dass die Radiomoderatorin dies im Gespräch mit dem Staatsanwalt nach einer Pause auch bestätigt hatte, sieht Kachelmann-Anwalt Schwenn als Indiz dafür, dass die gesamte Aussage des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers „in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert ist“.

Zwar soll die Frau nach Angaben des Staatsanwalts glaubhaft versichert haben, dies sei die einzige Lüge gewesen, aber daran will Schwenn nicht glauben. So habe es sich bei der „Brieflüge“ eben nicht nur um eine Lüge gehandelt, „sondern um einen erheblichen manipulativen Vorgang“, betonte er. Das gebe Aufschluss über die Radiomoderatorin.

Dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Jörg Kachelmann im vergangenen Jahr eröffnet hat, „obwohl das alles schon aktenkundig gewesen ist“, sei ein Fehler gewesen. Er sieht diesen Umstand als „wesentliche Schwächung“ der Anklage.

Staatsanwalt Oltrogge hingegen erachtet die sogenannte „Brieflüge“ indes nicht als ausschlaggebenden Grund, an der Darstellung einer Vergewaltigung zu zweifeln. So habe das mutmaßliche Opfer während der Vernehmung beispielsweise geweint und gezittert.

Es sei auch ansonsten glaubwürdig gewesen. Die Beweisauswertung, die Spurensicherung sowie die medizinische Untersuchung hätten die Aussagen der Frau gestützt. Oltrogges Kollege, der Oberstaatsanwalt Oskar Gattner, soll auch noch als Zeuge vor dem Mannheimer Landgericht aussagen. Ob dies am Donnerstag noch geschieht ist bislang aber noch unklar.