"Respektlosigkeit"

Richter rügen Medienauftritte von Kachelmanns Ex

Erfolg für die Verteidigung: Im Kachelmann-Prozess soll eine Ex-Geliebte öffentlich zu Medienauftritten befragt werden. Die Richter kritisierten bezahlte Interviews.

Foto: AFP

Das Landgericht Mannheim hat die bezahlten Presseauftritte von Ex-Geliebten des Wettermoderators Jörg Kachelmann erstmals öffentlich kritisiert. Richter Joachim Bock sprach von einer "Respektlosigkeit gegenüber dem Gericht“. Es sei der Rolle eines Zeugen "nicht angemessen“, sich zunächst in der Presse zu äußern.

Seit 6. September 2010 wird vor dem Landgericht Mannheim gegen Kachelmann verhandelt, weil er seine langjährige Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine Ex-Geliebte Kachelmanns 50.000 Euro für eine Titelgeschichte erhalten hatte. Das Interview war noch vor Beginn des Prozesses erschienen, wo auch die Ex-Freundin als Zeugin geladen war. Auch zwei andere Zeuginnen hatten sich nachweislich gegen Geld in den Medien geäußert.

Nach Vertragsschluss über 50.000 Euro mit der Illustrierten „Bunte“ hatte die Zeugin dann im Oktober erstmals vor dem Landgericht Mannheim ausgesagt. Dabei wurde die Öffentlichkeit zum Schutz ihrer und der Intimsphäre des Angeklagten ausgeschlossen. Jetzt wurde nun die Vernehmung der Frau fortgesetzt.

Verteidiger Johann Schwenn beantragte, die Öffentlichkeit angesichts des bezahlten Interviews der Zeugin dieses Mal zuzulassen. Sie habe ihr Recht auf Persönlichkeitsschutz verwirkt. Richter Bock nahm das zum Anlass, das Verhalten dieser und anderer Zeuginnen öffentlich zu kritisieren, die gegen Geld über ihre frühere Beziehung zu Kachelmann in den Medien gesprochen hatten. Die Strafkammer wolle sich „nicht im Nasenring durch die Manege führen lassen“.

Gleichzeitig wies Richter Bock darauf hin, dass die in der Illustrierten erörterten Fragen nicht die Fragen des Gerichts seien. "Hier sind Sachen erörtert worden, die gar nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben“, so Bock. Deshalb gebe es gute Gründe für den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Kammer stehe nun vor dem Problem, die Zeuginnen trotz ihrer Medienauftritte nicht-öffentlich zu hören.

Staatsanwalt Lars Torben Oltrogge befürwortete ein Splitten der Zeugenbefragung der Ex-Geliebten. Zur Beziehung zu Kachelmann und dessen Kindern solle die Frau hinter verschlossenen Türen befragt werden. Fragen der Verteidigung zu ihrer "Medienstrategie“ soll die Ex-Geliebte dann öffentlich beantworten. Auf den Vorschlag des Vorsitzenden Michael Seidling stimmte die Verteidigung dann dieser Aufteilung der Befragung zu.

Keine Klarheit gab es zu Medienberichten über Kachelmanns angeblicher Heirat. Verteidiger Schwenn sagte dazu nichts. Auch die Frage des Vorsitzenden nach seinem Ring, den der Angeklagte seit einiger Zeit trägt, hatte Kachelmann in der vergangene Woche nicht beantwortet. Laut Staatsanwaltschaft ist er als Angeklagter nicht verpflichtet, Angaben zu seinem Familienstand zu beantworten.

Laut „Bild“-Zeitung soll Kachelmann eine 25-jährige Studentin geheiratet haben . Es soll die Frau sein, die bei seiner Verhaftung im Flughafen Frankfurt am Main am 20. März 2010 dabei war. Auch sie war am 15. September 2010 als Zeugin gehört worden. Damals gab sie an, nicht mit Kachelmann verlobt zu sein. Auch im Falle einer zwischenzeitlichen Heirat ist ihre Aussage von damals verwertbar, weil sie kein Aussageverweigerungsrecht beanspruchen konnte.