Schweizer Zeugin

Kachelmanns Ex erhielt 50.000 Euro für Interview

50.000 Euro hat sich das Magazin "Bunte" ein Interview mit einer Ex-Geliebten von Jörg Kachelmann kosten lassen. Die Schweizerin legte die Vereinbarung dem Gericht vor.

Im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann ist bekannt geworden, dass einer Ex-Freundin für ein Medieninterview Geld gezahlt wurde. Danach erhielt eine frühere Freundin des Angeklagten 50.000 Euro von der Illustrierten "Bunte", wie Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn mitteilte. Er sprach von einer "Rekordsumme" und warf die Frage auf, welche Gegenleistungen die Zeugin neben dem Interview noch erbracht habe.

Die Burda-Zeitschrift hatte bereits vor Beginn des Prozesses am Landgericht Mannheim eine Titelgeschichte mit der Ex-Freundin Kachelmanns veröffentlicht, in der sie ausführlich über ihre frühere Beziehung zu dem Schweizer sprach.

Laut Interview war sie bis zur Verhaftung des prominenten Wetterexperten davon ausgegangen, dass sie seine einzige Partnerin sei. Erst nach Erscheinen der Titelgeschichte sagte sie als Zeugin vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. In ihrer Aussage ging es auch um Details aus dem Intimleben.

Schwenn hatte beantragt, dass sie die Honorarvereinbarung vorlegt. Dem kam die Zeugin nach. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling verteilte den Vertrag am 33. Verhandlungstag an die Prozessbeteiligten.

Der Burda-Verlag erklärte dazu, dass die „exklusive Vereinbarung“ zwischen der „Bunten“ und der Zeugin ein Interview und eine Fotoproduktion umfasste. „Darüber hinaus äußert sich Bunte nicht zu Honoraren.“ Das Gespräch enthalte keine Aussagen, „die nicht auch schon zuvor von der Polizei zu Protokoll genommen wurden. Es enthält ebenfalls keinerlei Aussagen, die den Angeklagten juristisch belasten“, teilte der Verlag mit.

Zudem wurde am 33. Verhandlungstag der Kriminalkommissar vernommen, der bei der Verhaftung Kachelmanns am 20. März 2010 in Frankfurt am Main dabei war. Bei dem Einsatz war auch seine Tochter anwesend, die eine Polizeiausbildung absolviert. Schwenn kritisierte das erneut. Der Beamte habe eine Angehörige zu einem Event mitgenommen.

Die von Schwenn beantragte Vernehmung des Anwalts des mutmaßlichen Opfers blieb ohne Ergebnis. Rechtsanwalt Thomas Franz verweigerte die Aussage zu einem Telefonat mit dem umstrittenen Trauma-Experten Günter Seidler. Schwenn bezweifelt, dass der Anwalt dem Psychotherapeuten tatsächlich von Sorgen des Oberlandesgerichts Karlsruhe um die Ex-Geliebte berichtete, nachdem das Gericht am 29. Juli den Haftbefehl gegen Kachelmann aufgehoben hatte.

Schwenn wirft Seidler, der das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer als Therapeut betreut, „Wahrnehmungsverzerrung“ vor. Seidler vertritt die These, Erinnerungslücken der 38-Jährigen seien auf eine Traumatisierung zurückzuführen. Diese Erklärung für die lückenhaften Angaben der Frau ist zwischen Verteidigung und Anklage heftig umstritten.

Für eine Nachfrage des Gerichts sorgte ein schmaler Ring an Kachelmanns linker Hand, den er bisher nicht getragen hatte. Der 52-Jährige wollte sich dazu nicht äußern.

Am Freitag (25. März) soll das angebliche Vergewaltigungsopfer zum zweiten Mal vernommen werden. Die 38-jährige Radiomoderatorin gibt an, von Kachelmann mit einem Messer bedroht und vergewaltigt worden zu sein. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Es wird erwartet, dass die Öffentlichkeit auch bei der zweiten Vernehmung des mutmaßlichen Opfers ausgeschlossen wird.

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