Massenpanik

Polizeigewerkschaft widerspricht Loveparade-Bericht

Das Magazin "Der Spiegel" berichtet, bei der Loveparade in Duisburg habe es schwere Fehler bei der Polizei gegeben - in Form eines unvorhergesehenen Schichtwechsels. Die Deutsche Polizeigewerkschaft widerspricht.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat Berichten widersprochen, bei der Tragödie bei der Duisburger Loveparade mit 21 Toten und rund 500 Verletzten habe es offenbar schwerwiegende Fehler bei der Einteilung der Polizeikräfte gegeben. Ein Schichtwechsel von Polizeikäften am engen Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände habe „nicht ursächlich zu dieser Katastrophe beigetragen“, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt am Montag im TV-Sender n-tv. Wendt reagierte damit auf einen „Spiegel“-Bericht, wonach laut Duisburger Staatsanwaltschaft der Schichtwechsel wegen der Dienstzeitbegrenzung der eingesetzten Beamten auf maximal zwölf Stunden notwendig geworden war.

Laut „Spiegel“ hatte das Düsseldorfer Innenministerium wenige Wochen vor der Loveparade vom 24. Juli 2010 per Erlass bestimmt, die Dienstzeit der Beamten auf höchstens zwölf Stunden zu begrenzen. Die entsprechende Änderung des Einsatzbefehls bei der Loveparade habe polizeiintern scharfe Kritik hervorgerufen, berichtete das Magazin. Die geplante Ablösezeit am Nachmittag falle in die „kritische Einsatzphase“ der Technoparade, in der man dann nur „eingeschränkt handlungsfähig“ wäre. Die Kräfte könnten in dem Gedränge nur unter großen Schwierigkeiten ihren Einsatzort erreichen. Für zwei Stunden könne nicht garantiert werden, dass polizeiliche Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt würden.

Die tödliche Massenpanik am überfüllten Zugangstunnel zur Loveparade war am Nachmittag während der bereits laufenden Veranstaltung ausgebrochen. Wendt unterstrich, nach seinen Informationen sei der Schichtwechsel vor 16.00 Uhr erfolgt und könne daher nicht Ursache der Tragödie sein. Im übrigen werde ein Schichtwechsel vor Ort durch den Polizeiführer vor Ort angeordnet. „Das hat überhaupt nichts mit der Einteilung der Arbeitszeit zu tun. Das wird lageangepasst durch die Einsatzleitung gemacht.“

Zuvor hatte bereits die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Auffassung vertreten, dass der Schichtwechsel bei der Polizei nicht ursächlich für die Katastrophe gewesen sein könne. Nordrhein-Westfalens GdP-Chef Frank Richter verwies darauf, dass nach Informationen seiner Gewerkschaft die neuen Kräfte „zum Teil bereits mehr als zwei Stunden“ vor der Massenpanik „im Einsatzraum“ gewesen seien.