Einstellungsverfahren

UN stellen Bewerberinnen Fragen zu Pille und Periode

In vielen Ländern der Welt ist das verboten: Die Vereinten Nationen aber stellen Frauen Bewerbungsfragen zum Menstruationszyklus und zur Verhütung.

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/dpa

Frauen, die sich um einen Job bei den Vereinten Nationen bewerben, müssen intimste Details offenbaren. Wie das Hauptquartier der UN in New York der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte , müssen Bewerberinnen Fragen zur Regelmäßigkeit ihrer Periode, zum Datum der letzten Blutung und zur Verhütung beantworten.

Demnach füllt jede Bewerberin im Rahmen des Einstellungsverfahrens einen Fragebogen mit dem Namen "Medical clearance for employment" aus. Auf Deutsch heißt das: „Medizinische Freigabe für die Einstellung“. Diese Prozedur sei völlig unabhängig davon, auf welchen Posten sich eine Frau bewirbt. Diejenige, die gerne als Helferin in einem Flüchtlingslager arbeiten möchte, muss die Fragen genauso beantworten, wie angehende Sekretärinnen oder Köchinnen.

Auch Männer müssen für eine Einstellung bei den Vereinten Nationen Angaben zur Gesundheit machen. Jene Fragen zur Intimsphäre aber werden dem Bericht zufolge ausschließlich Frauen gestellt. Man wolle "sicherstellen, dass keine Mitarbeiterin in ein Gebiet geschickt wird, in dem ihre Gesundheit in Gefahr geraten könnte", sagte Farhan Haq, Sprecher des UN-Generalsekretärs, der „Süddeutschen“.

In vielen Ländern der Welt sind solche Bewerbungsfragen verboten. Die Europäische Datenschutzrichtlinie erlaubt Fragen zum Sexualleben genauso wenig wie das deutsche Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Aufgrund der schweren Vereinbarkeit von Datenschutzgesetzen beschränkt sich der Datenschutz bei den Vereinten Nationen auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Immerhin: Ende Februar hat die internationale Organisation eine neue Sondereinheit für Frauenrechte und Gleichstellung bekommen. „UN Women“ werde sich für Chancengleichheit einsetzen und Diskriminierung bekämpfen“, hatte Generalsekretär Ban Ki Moon gesagt.

Um Bewerberinnen bei der UN das Gefühl zu geben, ob ihres Geschlechts nicht diskriminiert zu werden, muss aber wohl noch Einiges getan werden. „Nehmen sie die Pille? Wenn ja, seit wie vielen Jahren?" – "Die Fragen zielen eindeutig auf meine Familienplanung ab. Das geht niemanden was an", sagte eine Aspirantin. Statt Antworten reichte sie eine Beschwerde ein. Reaktion habe sie von der den Vereinten Nationen noch nicht bekommen. Den Job auch nicht.

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