Eurovision Song Contest

Aserbaidschan entthront Lena

Aserbaidschan hat den Eurovision Song Contest in Düsseldorf gewonnen. Bereits vor Ende der Abstimmung aller Nationen lag das Land uneinholbar vorn. Titelverteidigerin Lena erreichte die Top Ten.

Aserbaidschan ist der Gewinner des Eurovision Song Contests (ESC) 2011 in Düsseldorf. Mit einigem Vorsprung machte das Duo Ell/Nikki mit der Popballade „Running Scared“ am Samstagabend im Grand-Prix-Finale das Rennen gegen 24 Konkurrenten. Die deutsche Vorjahressiegerin Lena landete mit „Taken by a stranger“ auf dem zehnten Platz beim 56. Eurovision Song Contest.

Mit dem Titel „Satellite“ hatte Lena im vergangenen Jahr den Grand Prix in Oslo gewonnen. Der ESC fand damit nach 28 Jahren das erste Mal wieder in Deutschland statt.

Sänger Ell, alias Eldar Gasimov, sagte, er sei gerade der glücklichste Mensch der Welt, wohl ahnend, was dieser Erfolg für die neun Millionen Einwohner des Kaukasus-Staates bedeuten muss. Der Siegersong „Running Scared“ ist ein gefühlvolles Liebeslied. Der Song geht unter die Haut, nimmt aber deutliche Anleihen bei westlichen Pop-Balladen.

Hier der Auftritt des Duos bei Youtube:

Duo mit langer musikalischer Vorgeschichte

Die 1980 geborene Sängerin Nikki Jamal begann schon als Kind im Chor zu singen und sorgte später als Sängerin einer landesweit bekannten Band für Aufsehen. Nach einem Wirtschaftsstudium und einer Familienpause kehrte sie erst im vergangenen Jahr zur Musik zurück.

Auch Eldar Qasimov, genannt Ell, fand schon als Kind zur Musik. Der 1989 geborene Musiker studierte Klavier und kam im Rahmen eines Stipendiums auch mehrfach nach Deutschland. Hier studierte er Schauspiel und Gesang.

Hinter dem Siegertitel „Running Scared“ steht das Komponisten/Texter-Team Stefan Örn, Sandra Bjurman und Iain Farquharson. Alle drei haben einschlägige ESC-Erfahrung. Von ihnen stammt auch der aserbaidschanische Beitrag des vergangenen Jahres, der auf den fünften Platz kam.

Auf dem zweiten Platz landete mit einem Jazzsong überraschend Italien, das nach 14 Jahren Pause wieder beim ESC dabei war. Dritter wurde Schweden. Aserbaidschan und Schweden waren bei den britischen Buchmachern in den Top Ten. An der Spitze hatten dort der französische Opernsänger Amaury Vassili und das schrille irische Duo Jedward gelegen.

Lena Meyer-Landrut ist mit ihrem Abschneiden beim Eurovision Song Contest „super zufrieden“. Es sei ein „Riesenstein“ von ihr abgefallen und sie sei sehr froh, dass nun alles vorbei sei, sagte sie in der ARD. Sie habe auch auf den Sieger Aserbaidschan getippt.

Lena sagte, sie sei sehr stolz auf den Auftritt und „sehr fröhlich“. Der Song Contest sei eine große Party gewesen. Nun wolle sie ordentlich feiern. Und „jetzt geht es richtig los“, versprach die 19-Jährige ihren Fans.

Aufwendige Show in der Arena

Optisch wurde den Zuschauern in der Arena und vor den Fernsehbildschirmen eine tolle Show geboten. Besonderer Hingucker war die mehr als 1000 Quadratmeter große LED-Leinwand hinter der Bühne. Sie gestaltete das Bühnenbild mit bunten Animationen und visuellen Effekten entscheidend mit. Zudem gab es immer wieder Pyrotechnik, Feuerfontänen und Konfettiregen.

Betont schlicht war der Auftritt von Lena mit dem Song „Taken by a stranger“. Passend zu dem etwas mystischen Song war Lena rund um die Augen dunkel geschminkt und trug einen schwarzen Einteiler mit einem breiten schwarzen Gürtel. Die drei Tänzerinnen und zwei Sängerinnen im Hintergrund steckten hingegen in hautengen silbernen Ganzkörperanzügen. Von den Fans in der Arena wurde der Auftritt mit großem Jubel und vielen schwenkenden Deutschlandfahnen begleitet.

Anders als in den Jahren zuvor waren dieses Mal nur wenig folkloristisch geprägte Songs dabei. Österreich trat mit der stimmgewaltigen Nadine Beiler und ihrer Ballade „The Secret Is Love“ auf. Dänemark schickte hingegen die Indieband A Friend In London zum Grand Prix nach Düsseldorf. Ein Großteil der Songs waren konventionelle Popnummern wie die des Schweden Eric Saade oder der aus Estland stammenden Getter Jaani.

Die größte Unterhaltungsshow Europas wurde in 55 Länder übertragen, schätzungsweise rund 120 Millionen Fernsehzuschauer saßen vor den Bildschirmen. In der Arena jubelten etwa 36.000 Menschen den Sängern zu, viele schwenkten Fahnen und kamen kostümiert. Moderiert wurde die Show von Anke Engelke, Judith Rakers und von Lena-Mentor Stefan Raab.

Wie viele Punkte vergeben wurden, entschieden zu 50 Prozent das Fernsehpublikum und zu 50 Prozent eine nationale ESC-Jury. Für ihr eigenes Land konnten die Zuschauer nicht votieren.

Fans sehen ESC bei Public Viewing

In vielen Städten in Deutschland schauten ESC-Fans die Show bei Public-Viewing-Veranstaltungen. In der Düsseldorfer Innenstadt feierten die Fans ausgelassen und friedlich. Nachdem bereits den ganzen Tag über in- und ausländische Gäste die Stadt bevölkert hatten, versammelten sich am Abend mehrere tausend Menschen zum zentralen Public Viewing auf dem Apolloplatz.

In Lenas Heimatstadt Hannover verfolgten bis zu 12.000 Menschen das Finale. Im vergangenen Jahr hatten in Hannover etwa genauso viele Menschen vor dem Rathaus den Sieg der 19-Jährigen bejubelt. Nach Autokorsos in der Nacht war die Künstlerin am Tag nach ihrem Sieg von fast 40.000 Fans am Rathaus in Hannover empfangen worden.

Im Fritzclub am Berliner Ostbahnhof feierten rund 200 Lena-Fans. Viele kamen mit Lena-T-Shirts, die meisten konnten ihr Lied „Taken by a stranger“ mitsingen, noch mehr haben ausgelassen dazu getanzt. Favorit nach Lena, die einigen zu erotisch war: Irland oder Großbritannien. Im Pavillon des Beachclubs am Kanzleramt wurde der ESC auf Flatscreens gezeigt. 100 Menschen kamen, um wild zu feiern, vom zwischenzeitlich einsetzenden Regen hat sich niemand entmutigen lassen. Insgesamt haben auf mehreren Dutzend Lena-Partys in ganz Berlin Tausende den ESC im Public Viewing verfolgt.