Neue Hauptrolle

Warum Berlin für Hardy Krüger Heimat ist

| Lesedauer: 7 Minuten

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Nach 24 Jahren spielt Hardy Krüger wieder eine Hauptrolle in einem Fernsehfilm. Für den ZDF-Film „Das Familiengeheimnis" stand der 82-Jährige unter anderem in seiner Heimatstadt Berlin vor der Kamera. Warum er die Stadt nie wirklich verlassen hat.

Hardy Krüger ging früh nach Amerika, um in Hollywood Karriere zu machen. Zu seinen großen Filmerfolgen gehören „Hatari!“ an der Seite von John Wayne oder „Die Wildgänse kommen“ neben Richard Burton. Als „Weltenbummler“ begeisterte Krüger Ende der 80er-Jahre das ARD-Publikum mit Reisereportagen. Nun spielt er erstmals nach 24 Jahren wieder eine Hauptrolle, in dem ZDF-Film „Das Familiengeheimnis“ (9. Januar, 20.15 Uhr). Bis heute hat der Schauspieler und Autor eine Wohnung in Kalifornien, wohin er sich mit seiner amerikanischen Frau Anita vor allem zum Schreiben zurückzieht. Zudem hat Hardy Krüger noch ein Zuhause in Hamburg und in Berlin. Im Hotel Adlon empfängt er zu einem Interview in einer Suite, eine Etage über seinem Privat-Appartement.

Morgenpost Online: Herr Krüger, geht es Ihnen im Hotel Adlon nicht ein wenig zu turbulent zu?

Hardy Krüger: Nein, wir sind hier daran gewöhnt, dass mal der Dalai Lama da ist oder ein auswärtiger Gast der hohen Politik. Das spüren wir gar nicht so sehr. Ich fahre zum Beispiel immer an der Rückseite des Hotels in die Tiefgarage, wobei unser Wagen dieses Mal wegen eines prominenten Hotelgastes untersucht wurde. Dem Sicherheitsbeamten kam das voll gepackte Auto wohl etwas komisch vor und fragte, ob wir aus dem Auto leben würden. Wenn wir auf Tournee sind, haben wir immer sehr viel Gepäck dabei.

Morgenpost Online: Sie sind mit Ihrem neuen Roman „Tango africano“ gerade auf Lesereise. Fahren Sie noch selbst von Stadt zu Stadt?

Hardy Krüger: Ja, zusammen mit meiner Frau. Wir mögen den großen Tross nicht, sind also alleine unterwegs und wechseln uns beim Fahren ab. Neuerdings gibt es in den Autos die Navigationsgeräte, damit ist das überhaupt kein Problem mehr. Wenn man immer einen Fahrer dabei hat, dann muss ich den, wenn der zu Hause Ärger hat, wieder aufrichten – das brauche ich nicht.

Morgenpost Online: Ist Berlin wieder ein Stück Heimat für Sie?

Hardy Krüger: Heimat ist für mich Berlin. Ich bin in Wedding geboren, und als mein Vater in der großen Bankenkrise arbeitslos wurde, sind wir an den östlichen Rand der Stadt gezogen – nach Biesdorf, südlich von Marzahn. In Deutschland glauben viele, dass ich später weggegangen bin, doch ich bin nie weg gewesen – nur filmisch gesehen oder um am Broadway Theater zu spielen.

Morgenpost Online: Bei aller Heimatliebe, so sind Sie doch früh ins Ausland gegangen.

Hardy Krüger: Weil die Angebote in Deutschland immer seichter geworden waren. Aus meinem Verständnis von Berlin und Heimat habe ich nie große Worte gemacht, das ist etwas, das sitzt in mir drin. Doch ich habe aus Verbundenheit heraus einen Film hier in Berlin co-produziert und darin mitgespielt: „Zwei unter Millionen“. Eine Ost-West-Liebesgeschichte. Ich war schon ein Star in England und Frankreich und wollte meiner Stadt, bevor ich nach Hollywood gehe, eine Liebeserklärung abgeben. Das haben mir die Kommunistenverbrecher versaut, denn mitten während der Dreharbeiten kam der Mauerbau.

Morgenpost Online: Wollten Sie keinen weiteren Anlauf unternehmen?

Hardy Krüger: Habe ich ja. Vor fünf Jahren habe ich „Zarte Blume Hoffnung – Liebesbriefe aus einer geteilten Stadt“ als Briefroman und als Theaterstück veröffentlicht. Kein Theater in Berlin hat, zu meiner Enttäuschung, das Stück je angenommen. Ich habe es 44 Mal mit Judy Winter im Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg gespielt.

Morgenpost Online: Wie kam es zu Ihrer zweiten Karriere als Schriftsteller?

Hardy Krüger: Mein eigentliches Berufsziel war immer, Geschichtenerzähler zu werden. Das Wort Schriftsteller mag ich übrigens nicht sehr. Ich schreibe, seit ich 12 Jahre alt bin. Nach dem Krieg, ich war gerade 17, habe ich in Hamburg den legendären Buchhändler Felix Jud kennen gelernt. Ich kam aus dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager und er aus dem KZ Neuengamme. Er hat mich unter seine Fittiche genommen, gelesen, was ich geschrieben habe und gesagt: Begabt schon, aber so geht das noch nicht. Ich sollte schreiben und schreiben und es ihm immer zeigen. Er sagte: Wenn du gut genug bist, dann sage ich es dir. Das hat er leider erst getan, als ich 40 war.

Morgenpost Online: Sie hatten damals „Eine Farm in Afrika“ geschrieben.

Hardy Krüger: Ich war diesem Ostafrika hoffnungslos verfallen. Wir hatten im Tanganjika den Film „Hatari!“ gedreht und ich hatte die Farm aus dem Film gekauft. Ich wollte etwas auf Deutsch über diese Region lesen, doch es gab nichts Vernünftiges. Also habe eine Chronik über diese Farm geschrieben, anhand der ich Tansania beschreiben wollte. Ich bin mit dem Landrover und einem Zelt in den Busch raus und habe das Buch geschrieben. Da wusste ich: Jetzt sagt Felix „ja“. Somit wurde Afrika ein Lehrmeister für mich – und das nicht nur in Sachen innerlicher Ruhe.

Morgenpost Online: Fehlt Ihnen heute diese Ruhe Afrikas?

Hardy Krüger: Ja und nein. Afrika hat sich unglaublich verändert – und das nicht zum Besseren. Das schmerzt. Wenn ich da geblieben wäre, wäre ich wahrscheinlich zum Revolutionär geworden, gegen die schwarze Führungsschicht, die sich dort auf korrupte Weise ausbreitet.

Morgenpost Online: Sie sind noch heute ein Weltenbummler. Wie hat sich das mit Ihrem Familienleben vertragen? Sie waren noch sehr jung, als Sie das erste Mal Vater wurden.

Hardy Krüger: Das war noch meine Findungsphase. Das hatte in London und Paris begonnen und setzte sich in Afrika und Hollywood fort. Ich war ja ständig von dem, was Sie mit Recht eine Familie nennen, entfernt.

Morgenpost Online: Was Ihnen Ihre Tochter, die Schauspielerin Christiane Krüger, übel genommen hat.

Hardy Krüger: Sie hat sich irgendwann mal kritisch in Talkshows über mich geäußert und infrage gestellt, dass ich ein guter Vater bin. Doch ich glaube, dass ich ein besserer Vater bin, als sie geglaubt hat. Mit Sicherheit habe ich mich aber nicht so um sie gekümmert, wie ich mich hätte kümmern müssen. Wenn Sie eine solche Karriere machen wie ich – und ich wollte ja nur in guten Filmen spielen – dann verblasst alles andere um Sie herum.

Morgenpost Online: Ihre Kinder Malaika und Hardy Krüger junior sind in Afrika zur Welt gekommen. Hatten Sie da mehr Zeit für die Familie?

Hardy Krüger: Bevor sie zur Schule gingen, lebten sie auf der Farm. Aber auch da war ich immer unterwegs und habe in Filmen mitgespielt. Mein Leben war dennoch nie rastlos! Ich war stets auf der Suche nach etwas Neuem. Ein konservatives Leben wäre mir zu langweilig geworden. Was gestern war, ist nicht wichtig, sondern was morgen kommt, ist wichtig.

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