Eurovision

Stefan Raab tadelt Lena-Kritiker als Feiglinge

Für die Kritik an Lena Meyer-Landruts Grand-Prix-Titelverteidigung hat Stefan Raab nur Verachtung übrig. "Wir haben sehr, sehr gute Chancen", versichert der Entertainer.

In ungewöhnlicher Schärfe hat Stefan Raab seine Idee von Lenas Titelverteidigung beim Grand Prix verteidigt. „Wir haben sehr, sehr gute Chancen“, versicherte der 44-jährige Entertainer in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung“ . Dass Lenas Alleingang bei „Unser Song für Deutschland“ so niedergemacht werde, liege in erster Linie an den Journalisten: „Die drehen durch.“ Die Einwände gegen das Showkonzept ließ er an sich abprallen und echauffierte sich lautstark über seine Kritiker.

Insbesondere den Vorwurf, er habe Lenas Titelverteidigung der ARD und dem Publikum quasi diktatorisch aufgezwungen, ließ Raab nicht gelten. Vielmehr habe er eine bereits bestehende Grand-Prix-Diktatur abgeschafft: “ Nach 2004 gab es nur die Auswahl zwischen drei Künstlern. Sie hatten also die Wahl zwischen Pest und Cholera. In dem Jahr vor Lena hatten Sie nicht mal diese Wahl. Da wurde diktatorisch bestimmt: Alex swings, Oscar sings und Dita tanzt. Da haben Sie die Pest, die Cholera und die Syphilis frei Haus bekommen."

Raab habe dieses verkrustete System 2010 mit der Castingshow “Unser Star für Oslo“ in eine “Neo-Demokratie“ umgewandelt: “Wir haben nicht nur über den Künstler abstimmen lassen, sondern auch über den Song. Das System, das wir jetzt hier betreiben, ist nur die logische Konsequenz.“

Man solle außerdem nicht so tun, als handele es sich beim ESC um ernste Politik statt um bloße Unterhaltung: “Steht irgendwo im Grundgesetz, dass es ein Recht der Bevölkerung gibt zu entscheiden, wer zum ESC fährt? Das ist ja, als würde Jogi Löw per Tele-Voting entscheiden, wer in der Nationalmannschaft spielt.“

Lena halte er für eine “Super-Künstlerin“, der er jetzt die Chance gebe, sich als Künstlerin zu etablieren. In punkto Titelverteidigung habe er der 19-jährigen Hannoveranerin geraten: “Wenn das nicht der Höhepunkt deiner Karriere gewesen sein soll, dann müssen wir noch mal antreten und entweder den eigenen Erfolg durch eine haushohe Niederlage pulverisieren, oder wir gewinnen noch mal und pulverisieren den ersten Erfolg durch den zweiten.“

Mit Kopfschütteln reagierte Raab auf Einwände, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, da man sich sonst den eigenen Ruhm kaputt mache. Denn Ruhm bringe im Leben nichts: “Ruhm ist so kurzatmig, dass auf der Aftershowparty des Deutschen Fernsehpreises die Hälfte der Leute nicht mehr weiß, wer einen Preis bekommen hat.“

Statt zu versuchen, ihren Ruhm zu konservieren, müsse Lena Mut beweisen. Denn: "Es gibt nur eine Sünde: Feigheit.“

Bei Lena rechnet sich Raab sehr gute Chancen bei ihrer zweiten Eurovisions-Teilnahme aus. Schließlich sei Lena die erste Casting-Künstlerin, die es geschafft habe, mit einem zweiten Album in Folge auf Nummer eins der Charts zu landen.

Und wenn es am Ende doch zu einer Niederlage käme, sei das auch kein Problem. Denn eine Schlappe sei schnell vergessen, und alle würden sich irgendwann nur noch an den Sieg in Oslo von 2010 erinnern.

Im Finale von “Unser Song für Deutschland“ am Freitagabend wird Lena noch einmal die sechs Songs vortragen, die das Publikum im Halbfinale auswählte. Anschließend stimmen die Zuschauer ab, mit welchem Lied die Grand-Prix-Gewinnerin des Vorjahres am 14. Juni 2011 zur Titelverteidigung in Düsseldorf antreten wird.

Ob die ARD und Stefan Raab mit der Finalshow ein großes Publikum anlocken können, ist indes ungewiss. Denn viele Kritiker und TV-Zuschauer fanden den Lena-Marathon bisher ermüdend.