Lebenslange Haft für Dutroux

Unmittelbar vor dem Urteil hatte der belgische Kinderschänder und Mörder erneut seine Schuld in wesentlichen Anklagepunkten bestritten

Foto: dpa

Der Kinderschänder und Mörder Marc Dutroux muss für den Rest seines Lebens hinter Gitter: Acht Jahre nach seiner Festnahme verhängte das Schwurgericht im südbelgischen Arlon am Dienstag die Höchststrafe gegen den 47-Jährigen. Die drei Mitangeklagten, darunter auch Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin, erhielten fünf bis 30 Jahre Haft. Die Opfer nahmen das Urteil mit Genugtuung auf.




Mit dem Urteil gegen Dutroux folgte das Gericht dem Antrag der Anklage, die lebenslänglich gefordert hatte. Zwölf Geschworene hatten ihn am vergangenen Donnerstag für schuldig befunden, zwei Mädchen und einen Komplizen ermordet sowie insgesamt sechs Mädchen entführt und vergewaltigt zu haben. Dutroux zeigte bei der Verkündung des Strafmaßes keinerlei Regung.
Unmittelbar vor Verkündung des Strafmaßes hatte der Hauptangeklagte Marc Dutroux seine Schuld in wesentlichen Anklagepunkten erneut bestritten. „Ich habe nichts mehr zu gewinnen“, sagte Dutroux vor dem Schwurgericht in seinem Schlusswort. Er werde aber bis an sein Lebensende dafür kämpfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.


Von den drei Mitangeklagten wurde seine Ex-Frau Michelle Martin am härtesten bestraft: Sie muss 30 Jahre hinter Gitter, weil sie an den Entführungen teilnahm und zwei achtjährige Mädchen im Kellerverlies ihres Mannes verhungern ließ. Der Entführungshelfer Michel Lelièvre wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Überraschend niedrig fiel das Strafmaß für den 63-Jährigen Michel Nihoul aus, der nur fünf Jahre hinter Gitter muss.


Die Opfer zeigten sich über das Urteil erleichtert. Das überlebende Dutroux-Opfer Sabine Dardenne strahlte nach der Urteilsverkündung und umarmte die Vorsitzende der zwölf Geschworenen.


Das Strafmaß hatten die Laienrichter zuvor in einer rund zweistündigen Sitzung gemeinsam mit den drei Berufsrichtern ausgehandelt. Mit der Verkündung der Strafen geht der belgische Mammutprozess nach fast viermonatigen Verhandlungen zu Ende. In dem am 1. März eröffneten Verfahren hatte das Gericht insgesamt 569 Zeugen angehört. Bis Mittwoch wollte das Gericht noch eine mögliche Entschädigung der Opfer aus Mitteln eines staatlichen Fonds klären.


Gegen das Urteil kann keine Berufung eingelegt werden. Die Verurteilung Dutroux' und seiner Komplizen ist damit endgültig. Die Verteidigung kann höchstens versuchen, den gesamten Prozess mit Verweis auf schwere Verfahrensfehler neu aufrollen zu lassen.

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