Ankläger fordert lebenslange Haft für Dutroux

Die Ex-Frau des belgischen Mädchenmörders soll laut Strafantrag der Ankläger für 30 bis 35 Jahre hinter Gitter. Ihr Verteidiger bat hingegen lediglich um eine „nützliche Strafe“

Foto: dpa

Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux und seine Helfer sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft die höchst möglichen Strafen bekommen. Für Dutroux forderte Anklagevertreter Michel Bourlet am Montag lebenslange Haft. Das Schwurgericht von Arlon hatte den 47-Jährigen vergangene Woche als Haupttäter bei der Entführung von sechs jungen Mädchen schuldig gesprochen. Vier seiner Opfer starben qualvoll, ein Komplize wurde lebendig begraben. Ein Urteil zum Strafmaß wird für diesen Dienstag erwartet.

Dutrouxs Ex-Frau Michelle Martin soll laut Strafantrag der Ankläger für 30 bis 35 Jahre hinter Gitter. „Sie nahm teil an seinen Verbrechen und wusste genau, was sie tat“, sagte Bourlet. Martins Verteidiger Thierry Moreau bat hingegen um eine „nützliche Strafe, aber nicht mehr“. Martin werde unter den mittelalterlichen Haftbedingungen in den belgischen Gefängnissen leiden. Auch der Kontakt zu ihren drei Kindern werde erschwert: „Jeder weitere Tag ist eine zusätzliche Strafe für mahnte die Geschworenen, Gerechtigkeit nicht mit Rache zu verwechselndie Kinder“, sagte Moreau.

Für Michel Nihoul, den die Geschworenen als Chef einer Drogen- und Menschenhändlerbande verurteilt hatten, beantragte Staatsanwalt Bourlet mindestens 10 Jahre Gefängnis. Mangels mildernder Umstände könnten es auch 15 bis 20 Jahre sein. Sein Vorstrafenregister, die Schwere seiner Taten, sein jahrelanges Leugnen und sein Mangel an Reue sprächen gegen Nihoul. Für Dutrouxs Komplizen Michel Lelièvre, der anders als Nihoul bei den Entführungen half, forderte der Anklagevertreter 30 Jahre Haft.

Dutrouxs Hauptverteidiger Xavier Magnée wies in seinem Plädoyer auf ungeklärte Spuren in der Affäre hin. Er erwarte, dass ein Folgeprozess für Klarheit sorgen und weitere Verdächtige vor Gericht bringen werde. Dutroux sei laut Urteil kein perverser Einzeltäter, sondern in verschiedene Netzwerke verstrickt. Die Polizei habe ihn jahrelang in seinem kriminellen Tun gewähren lassen, betonte Magnée ohne sich konkret zum Strafmaß zu äußern. Für Dutrouxs Anwälte ist der 47-Jährige ein Psychopath, dem keine Therapie helfen kann.

„Dieser Mann ist ein Psychopath, Narzist, Manipulator, hat keinerlei Gewissensbisse und ist auch nicht im Stande, jemals welche zu haben“, sagte auch Staatsanwalt Bourlet. Eine frühere Verurteilung Dutrouxs zu 13,5 Jahren Gefängnis wegen Entführungen und Vergewaltigungen habe ihm nicht die Augen geöffnet. Dutroux kam wenige Jahre nach dem Urteil im Jahr 1989 frei. Das dürfte praktisch ausgeschlossen sein, falls er in dieser Woche wie allgemein erwartet zu lebenslanger Haft verurteilt wird.

Der Anwalt von Dutrouxs Ex-Frau Martin . Die 44-Jährige habe das Unrecht ihrer Taten eingesehen und stelle keine Gefahr für die Gesellschaft mehr dar. Von ihrem früheren Mann habe sie sich losgesagt: „Was Marc Dutroux auch sagt, sie liebt ihn nicht mehr“, erklärte Moreau. Bei einer Verurteilung zur Höchststrafe werde sie erst als 60-Jährige frei kommen.

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