Rentner erschiesst Räuber

Verfahren gegen 77-jährigen Schützen eingeleitet

Gegen den 77-jährigen Hausbesitzer, der einen Einbrecher mit einem Schuss in den Rücken getötet hat, wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Der bei einem Raubüberfall im niedersächsischen Sittensen am Montag getötete 16-Jährige ist durch einen Schuss in den Rücken gestorben. Das ergab die Obduktion, wie die Staatsanwaltschaft Stade am Mittwoch sagte. Gegen den 77-jährigen Hausbesitzer, der den Schuss abgab, wurde inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Es werde geprüft, ob der Jäger in Notwehr handelte und somit straffrei bleibe. Möglich sei aber auch, dass sich der Mann wegen Totschlags verantworten müsse.

Auch bei einem Schuss in den Rücken könne das Überfallopfer in Notwehr gehandelt habe, etwa wenn der Jugendliche sich gerade erst umgedreht habe, hieß es. Geprüft werde aber auch, ob der Schütze möglicherweise die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken überschritten habe. Auch dann würde der gehbehinderte Rentner straffrei ausgehen.

Für die Frage der Notwehr spielt den Angaben zufolge möglicherweise auch der gewaltsame Tod eines 51 Jahre alten Mannes im rund 50 Kilometer entfernten Oldendorf eine Rolle.

Er war am Wochenende bei einem Raubüberfall getötet worden. Wenn der 77-jährige Rentner in Sittensen von der Tat gehört habe, habe er bei dem Überfall vielleicht schneller zur Waffe gegriffen, als er es sonst getan hätte. Der Rentner wurde inzwischen vernommen. Einzelheiten der Aussage wollte die Staatsanwaltschaft aber nicht mitteilen.

Unterdessen fehlt von den vier Mittätern jede Spur. Es seien aber Teile von deren Maskierungen und eine Softairwaffe in einem Graben in Tatortnähe gefunden worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter in Panik mit ihrem Fahrzeug vom Tatort flüchteten und die Tüte mit den Sachen aus dem Wagen warfen, da sie mit einer Polizeikontrolle rechnen mussten. Die Fundstücke würden nun auf DNA und Fingerabdrücke untersucht.

Vermutlich handelt es sich bei der Softairwaffe um die Waffe, mit der die Täter den 77-Jährigen Hausbesitzer bedroht hatten. Nach Angaben des Raubopfers hatten die Maskierten eine Waffe von hinten an seinen Kopf gehalten.

Die Identität des getöteten 16-Jährigen steht unterdessen zweifelsfrei fest. Es handelt sich laut den Angaben wie bereits vermutet um einen Deutschen albanischer Abstammung. Der Jugendliche aus Neumünster war der Polizei als Intensivtäter bekannt, dem zahlreiche Eigentumsdelikte, gefährliche Körperverletzung und Raub zur Last gelegt wurden.

Die Räuber hatten den wohlhabenden Rentner auf dem Weg zu seinem Hundezwinger überfallen und ins Haus zurückgedrängt. Sie nahmen ihm die Geldbörse ab und durchsuchten das Haus. Als sie den Tresor fanden und öffneten, ging ein Alarm los.

Der Rentner, der als Jäger Schusswaffen besitzt, konnte eine Pistole ergreifen . Der Mann gab mehrere Schüsse ab, eine Kugel traf den 16-Jährigen, der in der Nähe der Terrasse zusammenbrach. Die vier anderen Täter flüchteten mit dem geraubten Geld.