Petra Schürmann ist tot

Ein Leben zwischen Schönheit und Schmerz

Die TV-Moderatorin Petra Schürmann ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Ihren Lebensmut verlor die frühere "Miss World" jedoch schon viel früher, nachdem ein Geisterfahrer ihre Tochter mit in den Tod gerissen hatte. Schürmann konnte danach nicht mehr sprechen – und starb einsam und verstummt.

Eine Nacht wie ein Jahr, so unendlich und quälend lang und doch irgendwann vorbei, einfach so, ganz banal – nur der Schmerz will nicht vergehen. So lebte Petra Schürmann die letzten Jahre ihres Lebens, still und zurückgezogen in ihrem Haus am Starnberger See. „Und eine Nacht vergeht wie ein Jahr“, so nannte sie ihr Buch, ein Tagebuch ihrer Trauer. In der Nacht zu Donnerstag ist Petra Schürmann in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Nach langer Krankheit, wie es heißt. Sie wurde 74 Jahre alt.

Doch das bunte, glückliche, aufregende Leben der schönsten Frau der Welt , der beliebten Moderatorin, der liebenden Mutter fand schon neun Jahre vor ihrem Tod ein Ende. Im Jahr 2001 kam ihre Tochter Alexandra mit 34 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Die lebenslustige Petra Schürmann zerbrach an dem unvorstellbaren Verlust. „Brüllendes Heimweh“ nach ihrer Tochter nannte sie das Gefühl in einem Interview. Sie selbst verstummte für immer – das Interview gab sie der „Bunten“ per SMS.

Es war gerade ihre sanfte Stimme, die sie beim Publikum so beliebt machte. Ihr sanftes Auftreten, das ihr zu einer Karriere als Ansagerin und später als Moderatorin verhalf. Alles fängt an in den prüden Fünfzigerjahren. Petra Schürmann, 1935 in eine streng katholische Familie in Mönchengladbach geboren, wagt zwei für damalige Vorstellungen unvereinbare Schritte. Zu einer Zeit, in der Frauen an Universitäten eine Seltenheit sind, beginnt sie ein Studium am Philosophischen Seminar in Bonn – und wenn sie nicht im Hörsaal sitzt, läuft sie im Bikini über den Laufsteg. Petra Schürmann nimmt an Misswahlen teil, und sie gewinnt.

Als Preis gibt es ein Cabriolet. 1956 dann die Sensation: Als erste Deutsche wird die 21-Jährige in London zur „Miss World“ gewählt. Der Wirbel um ihre Person lenkt die junge Frau vom Studium ab. Ihre Doktorarbeit über den „Begriff der Wahrhaftigkeit bei Nietzsche“ stellt sie nie fertig. Dafür lernt sie ihre große Liebe, den Internisten Gerhard Freund, kennen. Lange Zeit führt sie ein Leben als Geliebte, denn der zehn Jahre ältere Arzt ist zu dieser Zeit mit der Schauspielerin und späteren Ärztin Marianne Koch verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne, die Geliebte muss im Hintergrund bleiben.

Doch dann wird Petra Schürmann schwanger. 1967 arbeitet sie bereits als Ansagerin beim Bayerischen Rundfunk, als die gemeinsame Tochter Alexandra geboren wird. Selbst in den späten Sechzigern bringt ihr ein uneheliches Kind Häme ein. Vor allem aber hält sie den Vater des Mädchens geheim, um nicht auch noch als Ehebrecherin Schlagzeilen zu machen. Petra und Alexandra werden ein unzertrennliches Team, ihr Zusammenhalt ist grenzenlos.

Neben ihrer Tätigkeit als Ansagerin spielt Petra Schürmann in Filmen mit, vor allem aber macht sie Karriere beim Fernsehen. Auch privat nimmt ihr Schicksal schließlich eine glückliche Wendung: Gerhard Freund entscheidet sich für ein Leben mit Petra Schürmann, seine Ehe mit Marianne Koch wird 1973 geschieden.

Bis zum Jahr 2000 führt Petra Schürmann durch mehr als 600 Sendungen in der ARD und im ZDF, darunter Galas und beliebte Serien wie „Essen wie Gott in Deutschland“, die Prominentenshow „Schlüsselloch“, die Sendungen „Wir in Bayern“ und „Das Verkehrsgericht tagt“. Sie ist das, was man einen Publikumsliebling nennt. Alexandra Freund folgt ihrer Mutter, ihrem Vorbild. Neben dem Studium arbeitet sie beim Bayerischen Rundfunk, später lässt sie sich zur Sprecherin ausbilden, wird Ansagerin und Moderatorin. Und Alexandra will heiraten, die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten ist für den 4.August 2001 geplant.

Am 21. Juni 2001 um 8.45 Uhr, auf der Autobahn A8 bei Rosenheim, findet das Leben der jungen Frau ein plötzliches, grausames Ende. Ein 23-jähriger Selbstmörder rast auf das Auto zu, in dem Alexandra Freund und eine Kollegin sitzen. Die 34-Jährige ist sofort tot.

Mit Alexandra stirbt der Lebensmut ihrer Mutter. Sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Und sie hört auf zu reden. Ärzte diagnostizieren eine psychoreaktive Sprechstörung. Fotos von der Beerdigung zeigen sie mit schwarzem Schleier über dem schmerzverzerrten Gesicht. Auf die Frage, ob sie Angst vor dem Tod habe, hatte Schürmann 2006 in ihrem letzten Interview geantwortet: „Ja, das habe ich, obwohl ich fest daran glaube, dass ich meine Alexandra im Jenseits wiedersehen werde. Anders könnte ich es gar nicht aushalten."

Das nächste Mal, dass Petra Schürmann in der Öffentlichkeit erscheint, ist wieder auf einer Beerdigung. 2008 stirbt ihr Mann an Krebs. „Es ist eine große Liebe“, tippte Schürmann in ihrem letzten Interview über die Beziehung in ihr Handy. Es ist der letzte große Verlust von Petra Schürmann.

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