"Meet the Hoff"

Hasselhoff auf der Suche nach dem Fan

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Ariane Breyer

Foto: dpa / dpa/DPA

Peinliche Auftritte bei den MTV-Awards, Alkohol-Exzesse vor laufenden Kameras: David Hasselhoff hatte schon bessere Zeiten. Nun ist er auf einer Art Deutschland-Tournee. Er will bei Kassel sogar seine Ur-Ahnen suchen. Davor ließ er sich zerstreut, aber freundlich auf ein Gespräch mit Lanz ein.

Das Geheimnis von David Hasselhoff hat die Form eines Paradoxons: konsequenter Minimalismus und maßlose Übertreibung zugleich. Hasselhoffs TV-Rollen waren stets so konzipiert, als müssten sämtliche ihrer Facetten auf Bravo-DIN A 3 Poster passen: Mann mit tiefergelegten Augenbrauen vor Auto. Oder: Nackter Oberkörper über erschreckend roter Badehose schwingt ein sperriges Plastikutensil.

Das ist simpel und zugleich so ‚over the top’, dass man schon wieder unsicher ist, ob das nicht vielleicht alles doch ganz anders gemeint sein könnte. „Baywatch“ lenkte mit dieser Strategie soweit vom aggressiv-sexuellen Subtext der Serie ab, dass man glaubte, getrost auch Kinder davor setzen zu können. Ein handzahmer und ein bisschen ulkiger Macho: So wurde Hasselhoff laut Guinessbuch zum „meistgesehenen Star der Fernsehgeschichte“.

Gegen Drehende einer jeden „Baywatch“-Staffel, so erzählte Hasselhoff nun bei Markus Lanz im ZDF, mussten die Kameras allerdings verstärkt auf die Gesichter der Darsteller zoomen: Der Bauchansatz ließ sich irgendwann nicht mehr durch Einziehen beheben.

Und das war auch schon das Privateste, was der mittlerweile 57-Jährige Lanz anvertraute. Um die vom Sender versprochenen „Höhen und Tiefen seines Lebens“, über die Hasselhoff vor ein paar Jahren ein Buch verfasst hat, das nun unter dem schmierigen Titel „Wellenschlag meines Lebens“ auf deutsch erscheint, ging es nur andeutungsweise.

Dann sinnierte „the Hoff“, der in rosa Hemd und beigefarbenen Lackschuhen auch eher aussah wie ein Zauberer als ein Philosoph, über „Ups and Downs“ im Allgemeinen, und manchmal falle man eben auf die Nase. Dann käme es darauf an, wie schnell man wieder aufstehe.

Lebensnäher wurde es nicht. Was soll er auch sagen: Die Folgen von Hasselhoffs mittlerweile überstandener Alkoholsucht haben die einschlägigen Illustrierten schon eindrucksvoll bebildert, und in einem Youtube-Beitrag kann man das traurige Ergebnis eines Totalabsturzes des alternden Sexsymbols betrachten.

Gnadenlos betrunken versucht er da, einen Hamburger von Fußboden zu essen, eine seiner beiden Töchter filmt ihn dabei. Lanz verkaufte es als medienethische Großtat, diese völlig unscharfen Bilder des Jammers wider jede journalistische Intuition nicht zu senden.

Diese offensichtliche Anbiederung war genauso ungelenk wie der missglückte Versuch, seinen Gastgeberpflichten nachzukommen: „Möchten Sie was trinken? Ich meine: Wasser?“ Als es im späteren Verlauf der Sendung um kleine, niedliche Hunde ging, wirkte Lanz irgendwie besser vorbereitet.

Über das Buch indes erfuhr man im Laufe der Sendung nur, dass es „sehr bemerkenswert“ sei. Diese Einschätzung geht zweifellos auf das Lanz’sche Höflichkeitsgebot zurück. In „Wellengang meines Lebens“ hebt David Hasselhoff seine eigene schauspielerische Leistung hervor, lobt sein musikalisches Talent, erinnert sich detailreich an den frenetischen Jubel der Fans und kommt ausführlich auf seine Besuche in Waisenhäusern zu sprechen.

Auch sprachlich gilt hier das Prinzip der Vereinfachung, ähnlich wie bei seiner Musik. Für die David „Looking for Freedom“ Hasselhoff bekanntlich insbesondere und fast ausschließlich in Deutschland verehrt wurde.

Doch sein größter Fan ist zweifellos David Hasselhoff selbst, der sich auch 30 Jahre nach seinem internationalen Durchbruch als Michael Knight in „Knight Rider“ nicht über seinen Starstatus einkriegt.

Wenn er traurig sei, gehe er einfach auf die Straße, wo ihn die Leute sogleich erkennen und um Autogramme bitten würden. „Amazing!“, ruft David mit blitzenden Augen und man glaubt sofort, dass er täglich mit konstanter Begeisterung einen Popularitätsspaziergang macht. Dieser vollständig unverhohlene Narzissmus ist befremdlich, aber harmlos und insofern nicht einmal unsympathisch.

Obwohl er überall erkannt werde, versicherte Hasselhoff, habe er ein Privatleben. Gut für ihn: Im vergangenen Jahr konnte er es unter dem Titel „Meet the Hasselhoffs“ als Reality-Show an einen britischen Sender verkaufen, und die seiner beiden halberwachsenen Töchter gleich mit. Hasselhoff will dringend im Geschäft bleiben.

Sein letztes Engagement war in der Jury von „America’s got Talent“, nun will er wieder eine Hauptrolle. Seine Alkoholsucht mag die größere persönlichere Tragödie sein; die Abhängigkeit von Öffentlichkeit und die offen zur Schau gestellte Freude am Geld wirken auf den ersten Blick beschämender.

Aber irgendwie trug David Hasselhoff seine eigene Karikatur schon immer in sich. Folgerichtig wird „the Hoff" am kommenden Samstag dort auftreten, wo man sich am besten selbst feiern kann und wo ihm seine deutschen Fans mit Sicherheit über Jahrzehnte hinweg die Treue gehalten haben werden. Im Musikantenstadl.