Late Night

Bei Frank Plasberg führt kein Weg zurück zur D-Mark

Der Euro steckt in der Krise. Bei Frank Plasberg sahen die Gäste eine Zukunft eher in einem einheitlichen Wirtschaftsraum, statt in der Einheitswährung.

Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Eurokrise. Europa schlittert zurzeit von einem Abgrund in den nächsten. Gerade noch lecken sich die Staaten die Wunden vom Absturz der Wirtschaft, drohen schon wieder dunkle Wolken am Horizont. Wie der Sturm dann über die Länder hinwegbraust haben die Beispiele in Griechenland und Island gezeigt.

Die Länder waren am Rand der Zahlungsunfähigkeit und mussten mit Bürgschaften aus den anderen Euro-Staaten gestützt werden. Doch schon drohen auch Irland und Spanien in den Abwärtssog gezogen zu werden. Weitere Länder reihen sich ein. Italien und Belgien sind die heißesten Kandidaten.

Gleichzeitig wollen die Deutschen in ihrer Mehrheit wieder zurück zur guten, alten und vor allem harten D-Mark. Für Hans-Olaf Henkel, Ex-Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), ist die D-Mark aber nur dritte Wahl. Erste Wahl ist und bleibt für ihn der Euro – allerdings mit den Kriterien, mit denen er einst eingeführt worden ist.

„Das aber ist utopisch“, sagt er und bekennt, dass es die Deutschen und die Franzosen gewesen sind, die als erste gegen den Stabilitätspakt verstoßen haben. Entsprechend propagiert er weiter seine Idee der zwei Euro-Währungen, dem harten Nord- und dem weichen Süd-Euro. Das sei zwar auch nur die zweite Wahl, aber immerhin eine Möglichkeit, die realistisch sei.

„Kampf um den Euro – Kann Deutschland ganz Europa retten?“, fragt Frank Plasberg in der aktuellen Ausgabe seiner Sendung. Henkel warnt in der Diskussionsrunde davor, dass die Deutschen es nicht leisten können, Europa zu retten, die Eurozone aber immer mehr zu einer Transfer-Union zu werden droht, mit Deutschland als Zahlmeister.

Schließlich sei Währungsunion einst von der Politik gewollt gewesen. Und auch die Schummeleien der Griechen, die für das Land letztlich in der Katastrophe endeten, wurden von den Verantwortlichen gesehen. Allerdings wurden sie geflissentlich verschwiegen, wie Diplomat Rudolf Dreßler entsprechend verpackt formuliert.

So haben die Griechen nur 2005 die Drei-Prozent-Marke des Brutto-Inlandsproduktes eingehalten – und das auch nur, weil sie Teile der Schattenwirtschaft, zum Beispiel die Schwarzarbeit, offiziell eingerechnet haben. Auf die Frage von Moderator Plasberg, ob das niemand sehen wollte, sagt Dreßler: „Nein!“

Dennoch setzen die Gäste weiter auf den Euro als wichtige Währung, wie sich bei der abschließenden Scherzfrage bei „Hart aber fair“ zeigt. Denn fast alle wollen in ihren fiktiven Griechenlandurlaub 2012 den Euro als Währung mitnehmen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Einzig Wirtschaftsprofessor Max Otte setzt bei seiner Reise auf Gold als Währung.

Rudolf Dreßler, überzeugter Euro-Anhänger, will außer der Gemeinschaftswährung auch Hans-Olaf Henkel mit in den Urlaub nehmen, um den Griechen zu verraten, dass der Ex-BDI-Chef es ist, der ihnen nun den Süd-Euro „aufschwatzen“ will. Henkel selbst nimmt auch den Euro mit. Der lasse sich in eineinhalb Jahren sicher prima umtauschen.

Wie aber kann nun die Lösung aussehen? Zurück zur D-Mark führt kein Weg, sind sich die Diskutanten einig. Denn die deutsche Wirtschaft profitiert stark von den Exporten in andere Euroländer. Die neue alte D-Mark würde aber sofort aufgewertet, der Exportstrom würde rasch versiegen – und damit auch ein Teil des Wirtschaftswachstums in Deutschland.

Die Krux ist, dass es im Euroland nur eine Notenbank gibt, dafür aber 16 Finanzminister, sagt die Finanzexpertin Susanne Schmidt, Tochter von Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Wirtschaftsprofessor Max Otte fordert daher einen einheitlichen Wirtschaftsraum, in dem die einzelnen Staaten nicht mehr aus der Reihe tanzen können.

Henkel erklärt: Gerade die südlichen Länder hätten vor dem Euro durch eine hohe Verschuldung und die Abwertung ihrer Währungen ein großes Wirtschaftswachstum erzeugt. Italiens Wirtschaft sei damit der deutschen Wirtschaft sogar gefährlich geworden. Die Staaten Südeuropas will er mit dieser These keineswegs als „Hallodris“ bezeichnen, sie hätten aber traditionell keine starken Währungen, wie es der Euro sein soll.

Allerdings, da sind sich Schmidt, Otte und Henkel einig, hätte die Wirtschafts-Union am Anfang der Entwicklung stehen müssen – und nicht die Einführung der Gemeinschaftswährung. Auch Armin Laschet, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Düsseldorfer Landtag, sieht den vereinigten Wirtschaftsraum als Lösung.

Dabei droht der Euro die Länder Europas zurzeit mehr auseinander zu dividieren, als zusammenzuschweißen, warnt Wirtschaftsprofessor Otte. Und tatsächlich sind augenblicklich vor allem die Deutschen mit ihrer Kanzlerin Angela Merkel in der Schusslinie der schwächelnden Staaten wie Griechenland, Irland oder Portugal. Das zeigt ein Einspieler der Plasberg-Redaktion.

Ob da eine schnelle Einigung in Sicht ist, muss offen bleiben. Alt-Kanzler Helmut Schmidt, der ebenfalls in einem Einspieler zu Wort kommt, beklagt: Es fehlen in Europa zurzeit echte Führungspersönlichkeiten.

Henkel gesteht Kanzlerin Merkel zu, dass sie versucht habe, Europa zu lenken, sie aber stets von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ausgebremst worden sei. Die Hoffnungen liegen nun auf der Kanzlerin.

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