Küblach ist überall

Warum "Forsthaus Falkenau" sogar im Iran läuft

Borkenkäfer, Bär und Büchse – kaum eine deutsche TV-Produktion ist so erfolgreich wie "Forsthaus Falkenau". Jetzt geht die Serie in die 20. Staffel. Sogar im Iran sind Folgen zu sehen. Das Konzept: Gut und Böse liegen in der Idylle des Waldes dicht nebeneinander. Wie gut, dass es da den Oberförster gibt.

Foto: Elke Werner/ZDF / Elke Werner/ZDF/ZDF

Die Globalisierung kommt in Gestalt des Borkenkäfers. Über Nacht fällt er ein in ein Dorf im Bayrischen Wald. In Küblach, denkt man, ist die Welt noch in Ordnung. Hier kommt die Milch noch aus dem Euter, und wenn das ZDF eine neue Staffel des „Forsthauses Falkenau“ drehen lässt, verwandeln Bühnenbildner das echte Restaurant „Taverna Akropolis“ in den fiktiven Dorfgasthof „Zum Ochsen“.

Es ist eine trügerische Idylle. Die Gefahr lauert schon hinter dem nächsten Baum. Gestern war es der Bär, heute ist es der Borkenkäfer. Wie gut, dass die Küblacher in Notfällen nur einen der ihren anrufen müssen: den Oberförster.

Willkommen im Forsthaus Falkenau. In der 20. Staffel entführt das ZDF die Zuschauer in ein Biotop, das hierzulande gewissermaßen unter Artenschutz steht. Der Wald als Motiv für Mythen und Märchen hat die Deutschen schon fasziniert, seit sich Hänsel und Gretel in demselben verlaufen haben.

Licht und Schatten, Gut und Böse, Schutz und Gefahr: Das liegt im Wald dicht nebeneinander. Er ist das Sinnbild einer archaischen Welt, die den Gesetzen der Natur ausgeliefert ist – in der ZDF-Serie mit dem Oberförster (Hardy Krüger jun.) als Gott. Abenteuer muss er nicht nur in seinem Job, sondern auch als alleinerziehender Vater und als Liebhaber bestehen.

Das ist der Schlüssel für den Erfolg dieser Vorabendserie, die den Generationswechsel nach dem Ausstieg des langjährigen Oberförsters Christian Wolff im Jahre 2006 nahezu unbeschadet überstanden hat. Vermutlich ist es der längste Fortsetzungs-Heimatroman der Welt. Sogar in den Iran und nach China, nach Kanada und in die USA hat das ZDF die Serie exportiert.

Rund vier Millionen Zuschauer sitzen jeden Freitag vor dem Fernseher, wenn Hardy Krüger jun. mit seinem Geländewagen durch sein Revier kurvt, um nach dem Rechten zu schauen. Bedenkt man, dass das Setting dieser Serie bisweilen an ein in einer Schneekugel eingeschlossenes Alpenpanorama erinnert, dann ist diese Quote geradezu phänomenal. Die Welt ist auf die Größe eines globalen Dorfs geschrumpft. Doch für die Küblacher ist der Gasthof „Zum Ochsen“ noch immer der Nabel der Welt.

Auf der Website des offiziellen Fanclubs der Serie hat ein Naturfreund neulich dezent darauf hingewiesen, dass der Förster mit seinem Spritfresser selber zu der globalen Erderwärmung beitrage, die zur epidemischen Ausbreitung von Fressfeinden wie dem besagten Borkenkäfer führe.

Doch statt auf Zustimmung stieß er auf Protest. Den echten Fans der Serie ist offenbar mehr an der Beseitigung akuter Gefahren als an Ursachenforschung gelegen.

Dabei, sagt Rudi Pitzl, sei es dem ZDF von Anfang an darum gegangen, die Zuschauer für den Naturschutz zu sensibilisieren. Pitzl muss es wissen, schließlich hält er das Forsthaus schon seit 1994 instand, anfangs nur als Dramaturg, inzwischen auch als Produzent.

Das Erfolgsgeheimnis der Serie beschreibt er so: „Küblach ist überall.“ Eine noch intakte Natur, die sich gegen ihre Gegner behaupten musste. Gegen raffgierige Holzbauern oder ebensolche Biber.

Im richtigen Leben ist das Feindbild diffuser geworden. Das Waldsterben erscheint als Folge einer weltweiten Klimakastastrophe, noch größere Gefahr als von Wilderern droht dem ökolologischen Gleichgewicht vom wachsenden CO*-Ausstoß.

Am „Forsthaus Falkenau“ ist die Globalisierung zwar nicht spurlos vorbeigegangen. Genmanipulierter Mais oder illegal verklappter Giftmüll bleiben auch den Küblachern nicht erspart. „Wir sind weltoffener geworden“, versichert Pitzl.

Doch noch immer wiegt die Serie ihre Zuschauer in dem Glauben, ein kerniger Naturbursche wie Stefan Leitner (Hardy Krüger jun.) habe die Macht, die Klimakiller zu stoppen. Als Ausweis seiner Weltläufigkeit haben ihm die Drehbuchautoren eine Lehrzeit als Ranger in der kanadischen Wildnis angedichtet. Im Pilotfilm zur 20. Staffel schicken sie ihn zur Fortbildung nach Island. Damit sich der gebührenfinanzierte Trip lohnt, muss seine Freundin dort noch rein zufällig einen verschollenen Bruder wiederfinden.

Als ein Nebenkriegsschauplatz musste schon immer die Familie herhalten. Sie soll den Helden im Hier und Heute erden. Sage und schreibe vier Ehefrauen verschliss Christian Wolff in den 18 Jahren als Oberförster. Allerdings eher notgedrungen als aus dramaturgischen Gründen, erklärt Pitzel. „Die Darstellerinnen hatten nach ein paar Jahren keine Lust mehr“.

Wenigstens in diesem Punkt bleibt das ZDF der Tradition auch in der 20. Staffel treu: Kaum hat der Oberförster seiner Freundin, der Ärztin Sonja Schwanthalter (Tina Bordihn) das Ja-Wort gegeben, da ziehen die nächsten Gewitterwolken über dem „Forsthaus Falkenau“ auf. Nach drei Jahren, hat die Produktionsfirma ndF verkündet, sei Bordihn aus der Serie ausgestiegen.

Nach den abenteuerlichen Wendungen der 20. Staffel kann man es ihr kaum verübeln. Zweimal muss die Hochzeit verschoben werden. Erst kommt ein Attentat auf den Gatten und dann die Geburt des gemeinsamen Kindes dazwischen. Der Balanceakt zwischen Umwelterziehung und Unterhaltung, er nimmt eben bisweilen bizarre Ausmaße an. Wie schrieb ein Fan der ersten Stunde? „Das ,Forsthaus Falkenau' gibt es nicht mehr. Die Serie ist irgendwas zwischen GZSZ und Hansi Hinterseer.“