Autofußball-WM

Stefan Raab hat einen vollen Blechschaden

Nach dem Grand-Prix-Triumph mit Lena ist Stefan Raab zurück im Blödel-TV. Doch mit der Autofußball-WM hat er sich keinen Gefallen getan.

Der Gladiator kommt, die Arena jubelt. Stefan Raab sitzt auf dem Dach eines Kleinwagens, er schwenkt eine riesige Deutschlandfahne. Vor ihm stakst ein Bikini-Mädchen, es reckt ein Schild mit der Aufschrift „Deutschland“ in die Höhe.

Keine Woche nach dem Triumph mit Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest in Oslo will der Entertainer den nächsten Titel holen. Auch wenn dieser weniger glanzvoll ist: In einer Kölner Mehrzweckhalle kämpft Raab um den Titel des Weltmeisters im Autoball. Sein Haussender ProSieben überträgt live. Über vier Stunden lang.

Moderiert wird das Spektakel, das im linken oberen Bildrand als „Dauerwerbesendung“ deklariert ist, von Raap-Spezi Matthias Opdenhövel.

Im dunklen Anzug begrüßt er die 13.000 Zuschauer in der Mehrzweckhalle. Die Spielregeln sind schnell erklärt: Zwei Fahrer treten gegeneinander an - und aufs Gas. Sie bemühen sich, mit ihrem Kleinwagen auf einem achteckigen Fußballfeld einen riesigen Plastikball in zwei vier Meter hohe Tore zu bugsieren. Ein Spiel dauert fünf Minuten, acht Spieler sind dabei, in der Vorrunde spielt in zwei Vierergruppen jeder gegen jeden. Das dauert.

Die Auswahl der Fahrer wirkt wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für B-Prominente: RTL-Dschungelkönig Ross Anthony ist dabei, sein „Brosis“-Kollege Giovanni Zarrella, der frühere Tennisclown Henri Leconte. Außerdem noch der ehemalige „Der Preis ist heiß“-Moderator Harry Wijnvoord, das „Taff“-Gesicht Daniel Aminati und Joe Kelly, Dauergast bei Raabs TV-Events.

Dann noch der Ex-Fußballstar Ailton, der jetzt beim KFC Uerdingen kickt – und mittlerweile wohl größere Tore braucht, um zu treffen. Und natürlich der Meister selbst, Stefan Raab, der König der Vier-Stunden-Formate. Aber heute Abend ist er nur einer von acht - und nimmt sich über die gesamte Sendezeit sehr zurück.

Die ersten Duelle sind eher Standstreifen als Überholspur. Immer wieder wird der Spielfluss unterbrochen, weil sich Autos ineinander verkeilen, an der Bande kleben oder der Plastikball platzt. Aus fünf Minuten werden zehn. Die Sendungsmacher haben das wohl bedacht, denn um das Spielfeld wuselt Raabs geschwätzige Entourage.

Elton führt in weißer Trainingsjacke Interviews am Spielfeldrand, Sonya Kraus – in grün-gelbem Glitzerfummel über dem prallen Babybauch – plappert von der Spielerbank. Kommentiert wird das Karossengeschubse von Frank Buschmann, der schon die Zweikämpfe bei „Schlag den Raab“ verbal begleitete.

Nach 50 Minuten Sendezeit greift Raab endlich selbst ein. Der „Gasfuß Gottes“, wie ihn Opdenhövel nennt, soll einen Stellvertreterkrieg führen. Gegen Daniel Aminati, der Halb-Ghanaer ist – wie der Ballack-Treter Kevin Prince Boateng.

Schon nach einer halben Minute geht Raab in Führung. Nach anderthalb Minuten steht es 2:0. Raab streckt den Arm aus dem Auto und grinst. „Ein lässiger Kerl, der Raab“ sagt Buschmann. Aber das stimmt nicht, Raab ist verbissen. Aminati ist nicht schlecht, er holt auf. Wenn er ein Tor erzielt, spielt der DJ „Hello Africa“ von Dr. Alban. Raab gewinnt 5:4. Nach dem Spiel sagt er: „Der hat mir zwei Karren ruiniert, der Boateng.“

Die Vorrunde geht bis kurz nach zwölf, dazwischen gibt es außer Blechschäden sehr viel Werbung.

Auf dem Spielfeld, an der Bande, auf den Autos, auf den Helmen und Overalls der Fahrer. Sogar der Ball ist gemustert mit den Logos einer Fitnesskette. Vor den Werbepausen darf das Gewinnspiel-Cabrio noch eine Runde über das Spielfeld drehen. „Es hat auch eine Einparkhilfe für Frauen integriert“, witzelt Opdenhövel.

Musik gibt es auch. Nach den britischen Electro-Rockern von Muse darf mit Stefanie Heinzmann der erste Raab-Zögling die Bühne rocken. Die Schweizerin stellt ihre neue Single vor, leichter Reggae, sehr eingängig. Den Duettpartner gibt der Kölner Gentleman, von dem sich Heinzmann noch eine Scheibe Soul abschneiden kann.

Das Showprogramm endet mit Lena Meyer-Landrut. Im schlichten schwarzen Kleid singt sie – wieder einmal – „Satellite“. Es ist eine Kopie ihres Oslo-Auftritts. So weit, so bekannt. Doch die Fans im Kölner Rund liegen sich trotzdem in den Armen, sie singen laut mit und tanzen.

Im Halbfinale lässt „Raab für Deutschland“ dem Iren Kelly keine Chance. Das zweite Spiel gewinnt Zarella für die Tifosi gegen Aminati für Ghana. Damit kommt es im Finale zum Klassiker. Es ist jetzt viertel vor eins, die Sendung ist seit einer knappen halben Stunde in der Verlängerung.

Dann kommt der nächste Werbeblock. Wie mag der geniale Konzeptentwickler und Vermarkter Raab wohl auf die Idee zur „Autoball-WM“ gekommen sein?

Vielleicht hat er sich vorab eine Frage gestellt: „Was mögen die Deutschen?“ Und sie dann mit einem Dreiklang beantwortet: Fußball, Autos – und mich. Doch der Plan geht nicht auf. Weil der große Zampano nur hinter dem Steuer agiert. Seine Zauberlehrlinge können ihn nicht ersetzen.

Buschmann kommentiert, als würden Deutschland und Italien um einen echten Fußball-WM-Titel kämpfen. „Raaaab, Raaaab gleicht aus! Ich werd' verrückt“, schreit er ins Mikrofon. Das Spiel gipfelt im Elfmeterschießen. Ein Auto fährt an, eins steht auf der Torlinie. Ein Ball nach dem anderen segelt, beschleunigt vom Schub der Stoßstangen, ins Netz. Dann setzt Raab einen Schuss an die Latte, Italien hat gewonnen.

Giovanni Zarrella ist Weltmeister. Er reckt einen Pott in die Höhe, der dem DFB-Pokal sehr ähnlich sieht. Um kurz vor zwei ist die „Autofußball-WM“ vorbei. Was bleibt sind Blechschäden – und ein paar Kratzer an Stefan Raabs Image. Aber Raab ist Handwerker, er wird sie wohl ausbessern.

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