Atomkatastrophe

Menschen verboten - Fukushima ist jetzt Sperrzone

Japan hat das Gebiet um den Katastrophen-Reaktor von Fukushima zum dauerhaften Sperrgebiet erklärt: Im Umkreis von 20 Kilometern ist der Zugang verboten. Wer sich nicht daran hält, wird verhaftet. 80.000 Menschen hatten hier zuvor gelebt – und viele versuchen, ihre Habseligkeiten zu retten.

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Regierungschef Kan besucht Evakuierte in Fukushima, um ihnen die Sperrzone zu erklären.

Video: Reuters
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Wegen der hohen Strahlenbelastung hat die japanische Regierung die Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima zum dauerhaften Sperrgebiet erklärt. Ab Donnerstag um Mitternacht sei der Zugang zu der evakuierten 20-Kilometer-Zone verboten, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Zuletzt waren immer mehr Bewohner in das Gebiet zurückgekehrt, um Habseligkeiten aus ihren Häusern zu holen.

Ministerpräsident Naoto Kan bekam unterdessen beim Besuch in einer Notunterkunft in Fukushima den Zorn der Menschen zu spüren, die ihr Zuhause verlassen mussten. Nach dem schweren Erdbeben und Tsunami am 11. März, die auch die Atomkatastrophe auslösten, müssen im Nordosten Japans noch immer mehr als 130.000 Menschen in provisorischen Unterkünften ausharren.

Evakuierte beschimpfen Japans Ministerpräsidenten

Der Zugang zu der Sperrzone sei nur noch unter staatlicher Aufsicht möglich, erklärte Edano. Wer dagegen verstoßen, müsse mit vorübergehender Festnahme oder einem Bußgeld von bis zu umgerechnet 800 Euro rechnen. Kraftwerksbetreiber Tepco hatte erklärt, es werde noch mindestens bis zum Jahresende dauern, bis die Lage nach dem schwersten Atomunglück seit dem dem Super-Gau von Tschernobyl vor 25 Jahren unter Kontrolle gebracht sei. Experten gehen davon aus, dass es viel länger dauern wird.

Bei den Bewohnern der Notunterkünfte wuchs die Wut über die zögerliche Reaktion der Regierung auf die Atomkatastrophe. „Sie gehen schon wieder?“, rief ein Mann Ministerpräsident Kan hinterher, als dieser das Evakuierungszentrum von Fukushima wieder verlassen wollte. „Wir sind Evakuierte. Und sie ignorieren uns einfach?“ Der sichtlich verunsicherte Kan kehrte zurück und entschuldigte sich, wurde allerdings gleich wieder beschimpft. „Sie sollten Ihre Minister hierher bringen und sie ausprobieren lassen, wie es ist, hier zu leben“, empörte sich eine Frau. „Was glauben Sie, wie wir uns fühlen? Wir wollen, dass sie die Atomanlage irgendwie wieder unter Kontrolle bekommen.“

Später räumte Kan im Gespräch mit Journalisten ein, kein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Menschen gehabt zu haben. „Ich dachte, ich weiß, wie die Menschen sich fühlen“, erklärte der Regierungschef. „Aber als ich hierher kam und mit ihnen sprach, hatte ich eine Ahnung, dass ich mich besser in ihre Lage versetzen muss.“

Die japanische Wirtschaft wird wegen der Dreifach-Katastrophe nach Einschätzung der OECD in diesem Jahr deutlich langsamer wachsen als angenommen. Die Wirtschaftsleistung werde 2011 um 0,8 Prozent zulegen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) mit. Vor den Katastrophen war sie noch von einem Plus von 1,7 Prozent ausgegangen.

Es sei zwar unvermeidbar, dass die Regierung zum Wiederaufbau der zerstörten Regionen Geld ausgebe. Gleichzeitig ermahnte die OECD die Regierung des hoch verschuldeten Landes aber zur Disziplin. Eine Anhebung der Umsatzsteuer auf 20 von zuvor fünf Prozent könne nötig sein. Für das kommende Jahr zeigte sich die OECD für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt deutlich zuversichtlicher und erhöhte ihre Prognose. 2012 werde das BIP-Wachstum 2,3 Prozent betragen nach zuvor angenommenen 1,3 Prozent.