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Polizei ermittelt im Fall Mirco in den eigenen Reihen

Nach der Veröffentlichung eines Fotos aus der Datenbank der Polizei ermitteln die Beamten wegen Geheimnisverrat. Der Vorfall könnte Konsequenzen haben.

Im Fall Mirco sucht die Polizei nach einem Leck in den eigenen Reihen. „Bei dem in der heutigen Ausgabe einer Boulevard-Zeitung veröffentlichten Foto des ermittelten Tatverdächtigen Olaf H. handelt es sich um ein Polizeifoto“, teilten die Ermittler in Mönchengladbach mit.

Ein Polizist habe offensichtlich das Bild widerrechtlich aus einer internen Datenbank heruntergeladen und weitergeleitet. „Ein solches Verhalten ist strafrechtlich als Geheimnisverrat zu werten“, erläuterte der Leiter der Direktion Kriminalität beim Polizeipräsidium Mönchengladbach, Ulrich Flocken.

Auch Tage nach der Verhaftung von Mircos mutmaßlichem Mörder herrscht in Grefrath Fassungslosigkeit. Mit einem Gottesdienst wollen sie nun ihre Trauer ausdrücken.

Zum Gedenkgottesdienst für den kleinen Mirco werden an diesem Donnerstag gut 1000 Trauernde im niederrheinischen Städtchen Grefrath erwartet. Freunde, Nachbarn und Mitschüler wollen an den Zehnjährigen erinnern, nachdem sein mutmaßlicher Mörder seit vergangener Woche in Untersuchungshaft sitzt. Die Anteilnahme sei enorm groß, sagte der evangelische Pfarrer Hartmut Boecker.

Auch aus der Schweiz und Österreich signalisiere manch einer Mitgefühl. „Der Fall hat viele Menschen traurig gemacht, obwohl sie Mirco gar nicht kannten“, sagte Boecker. Auch wenn Mircos Familie nicht bei dem Gottesdienst in der St.-Laurentius-Kirche zugegen sein werde, könne sie Kraft daraus schöpfen. „Ich glaube schon, dass die Familie die Anteilnahme sieht und davon berührt ist“, sagte der Pfarrer, der die Gedenkfeier mitorganisiert.

Für die nordrhein-westfälische Landesregierung wird Medienministerin Angelica Schwall-Düren (SPD) in Grefrath sein. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) könne wegen der Plenumsdebatte im Düsseldorfer Landtag nicht teilnehmen, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei.

Der geständige Olaf H. wird auch weiterhin immer wieder vernommen, wie der Krefelder Oberstaatsanwalt Klaus Schreiber sagte. Der Mann habe mittlerweile einen neuen Rechtsbeistand, nachdem zuvor die Anwältin des 45-Jährigen hingeworfen hatte. Wann der Fall vor Gericht geht, ist bisher unklar. „Wir sind bemüht, so schnell wie möglich Anklage zu erheben“, sagte Schreiber, ließ aber offen, wann dies so weit sein wird.

Der zuvor unbescholtene Familienvater soll Mirco aus Frust über seinen Job getötet haben. Der Telekom-Mitarbeiter war am Abend des 3. September 2010 zufällig auf den Jungen getroffen, als er in der Grefrather Gegend umherfuhr.