Sechste Staffel

Anke Engelke ist wieder als "Ladykracher " auf Sat.1

Statt Moderation nun wieder Comedy: Anke Engelkes "Ladykracher" geht in die sechste Staffel. Ihre Karriere bezeichnet sie als sehr seltsam.

Es soll eben ein echter Kracher werden. Daher die Probe vor einem Live-Publikum im Kölner Filmhaus. Etwa 100 Menschen sind gekommen – und die Lady, um die es geht: Anke Engelke. Am Freitagabend startet bei Sat.1 die sechste Staffel der Sketch-Comedyshow „Ladykracher“. Eine Woche lang wurde sie zuvor im Kölner Filmhaus vorgeführt. Die ersten Gäste werden als „Premierenpublikum“ begrüßt. Sie sind aber vor allem zum Lachen und Klatschen da: Die Stimmung während der Live-Vorführung liefert in der fertigen Sendung das akustische Stimmungsbild, das den Zuschauer zu Hause animieren soll, mitzulachen. Der hörbare Spaß ist echt. Lachkonserven seien „unsexy“, sagt Anke Engelke.

Eingespieltes Lachen hat Engelke sowieso nicht nötig. Lachen ist garantiert, das Publikum in Köln muss über manchen Sketch ein zweites Mal lachen, als er in einem Best-of-Zusammenschnitt auftaucht. So viel gibt es in jeder der kleinen Geschichten zu entdecken. Die Sketche sind fest im Alltag verwurzelt, spinnen absurde Situationen jedoch um ein Vielfaches weiter: Die Kassiererin, die aus Versehen ihre Kasse verkauft, der dilettantische Serienkiller, dem beim Erwürgen des Opfers die Luftschlange reißt und die Ehefrau, die auf Dummheit und Arschlöcher mit einem allergischen Schock reagiert – Engelke rührt die Lachmuskeln.

Seit 2001 schlüpfen Anke Engelke und ihr Ensemble in die unterschiedlichsten Rollen. Anstatt des bis dahin gängigen gespielten Witzes sind es eher Typen und Situationen, aus denen die Komik der kurzen Geschichten entsteht. „Ladykracher“ hat die Spaßgesellschaft und den Comedyboom überlebt. Auch jetzt, in einer Zeit, in der Sketchshows nicht mehr wirklich zu den Abräumern des Unterhaltungsfernsehens gehören, bleibt die Show ein Aushängeschild von Sat.1 – sowie „Pastewka“, der am Freitagabend kurz vor „Ladykracher“ in einer neuen Staffel ausgestrahlt wird.

Die Irritationen waren groß, als Engelke mit ihrer Show an den Start ging. Die Macher von „Ladykracher“ haben vor zehn Jahren Themen aufgegriffen, die bis dahin im leichten Unterhaltungsfernsehen annähernd tabu waren. In der ersten Pressekonferenz sorgte der mittlerweile in Comedykreisen als legendär geltende „Entensketch“ für Kopfschütteln: Eine Mutter beschimpft ihr Kind für eine unförmige Laubsägeente, die es zum Geburtstag gab – die Mama hat sich schließlich eine Freisprecheinrichtung gewünscht. Ein Witz, der Kinder auf die Schippe nimmt – das war neu. Und noch dazu kam „Ladykracher“ ohne die klassische Pointe daher.

So mancher alt gediente Comedy-Kollege sei fassungslos gewesen, sagt Anke Engelke heute. Ob Sketche überhaupt noch zeitgemäß sind, und ob sie einen Schlussgag als Pointe brauchen? „Da halte ich mich raus“. Mit der Diskussion habe sie nichts zu tun. Muss sie zumindest mit Blick auf „Ladykracher“ auch nicht – die Sendung funktioniert.

Anke Engelke ist trotzdem angespannt und wirkt Anfangs leicht aufgekratzt. So wie die Zuschauer im Saal kennt sie die fertigen, eingespielten Sketche noch nicht. Bei der Fertigstellung der gedrehten Szenen halte sie sich raus, sagt sie im Anschluss an die Veranstaltung. „Bei allem anderen laber’ ich immer mit“. Gespannt ist sie auch auf die Reaktionen. Sie will wissen, wie das Publikum, das ein bisschen so aussieht wie die Figuren in den Sketchen, die neuen Folgen erlebt. Das ist auch der Grund, warum sie sich jede Folge auch noch mal bei ihrer Ausstrahlung im Fernsehen anschaut: Sie will wissen, was das für ein Abend war, wie er sich angefühlt hat. Der Lachabend im Kölner Filmhaus fühlt sich wohl gut an. Das Publikum scheint vergnügt. Auf großer Leinwand wirkt die Sketchshow noch einmal anders als vor dem Fernseher. Noch klarer sind ausgeklügelte Details in Schauspiel und Ausstattung zu erkennen.

Nach der Preview wirkt Anke Engelke ruhig, besonnen, fast bedächtig. Der Druck ist erst mal raus, sie spricht mit ein paar Journalisten im Kinosaal. Jan Markus Linhof schiebt den Kopf durch die Tür. Gemeinsam mit Erik Haffner hat er bei der aktuellen „Ladykracher“-Staffel Regie geführt. Wo die Hauptdarstellerin denn bleibe, will er wissen. Das Team feiere nebenan den Abschluss der Preview- und Lachaufnahmen-Woche und warte auf Engelke. Sie will nachkommen. „Habt Ihr gelacht?“, fragt Linhof die Runde. „Ja“, lautet die Antwort. „Gut“, sagt Linhof und ist wieder verschwunden.

Für Anke Engelke geht es bald weiter. Nach „Ladykracher“ ist vor „Ladykracher“ – so Sat.1 denn will. Das sehe aber gut aus, sagt sie. Der Sender freue sich über die Qualität, die man abliefere. Momentan steht sie wieder als Moderatorin bei der Berlinale auf der Bühne. Dann muss die neue Volksmusikshow mit „Wolfgang und Anneliese“ aufgezeichnet werden und schließlich moderiert sie im Mai noch den Eurovision Song Contest. Angst davor habe sie nicht, sagt Anke Engelke. Schließlich hat sie jede Menge Live-Erfahrung vorzuweisen. Schon mit dreizehn Jahren moderierte sie für Hörfunk und Fernsehen. „Das wird es nie wieder geben, dass ein Kind sich da hinstellen, entspannt moderieren und sich entwickeln darf“, sagt Engelke. Es sei schon „eine sehr seltsame Karriere“, die sie da habe.

„Pastewka“: 22:15, „Ladykracher“: 22:45 – Sat.1