Heckhoff und Michalski

Urteil gegen Aachener Gefängnisausbrecher erwartet

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: dpa

Ihr Ausbruch aus der JVA Aachen hätte spektakulärer kaum sein können. Doch trotz Geiselnahme, am Ende landeten Heckhoff und Michalski wieder vor Gericht.

Am Aachener Landgericht soll am Mittwoch (9. Februar) der Prozess gegen die beiden Gefängnisausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski zu Ende gehen. Die beiden waren laut Anklage Ende November 2009 aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen getürmt.

Anschließend hielten sie tagelang die Polizei in NRW in Atem. Heckhoff wurde nach drei Tagen in Mülheim an der Ruhr, Michalski nach fünf Tagen in Schermbeck am Niederrhein gefasst. Mitangeklagt ist auch ein 41-jähriger Justizbeamter. Der Mann soll den beiden Schwerverbrechern bei ihrer Flucht geholfen haben.

Sowohl Heckhoff und Michalski als auch der beteiligte JVA-Beamte haben im Prozess ihre Taten gestanden. Alle drei erklärten, sie bereuten ihr Vorgehen. Heckhoff und Michalski entschuldigten sich bei den Opfern, die sie in Köln, Essen und Mülheim zeitweise als Geiseln genommen hatten.

An den insgesamt 39 Verhandlungstagen verwiesen die beiden vielfach vorbestraften Schwerverbrecher darauf, dass die Haftbedingungen in der JVA Aachen sie zu der Tat getrieben hätten. So sagte Heckhoff, er sei gegen seinen Willen aus der JVA Köln nach Aachen verlegt worden. In Köln habe der 51-Jährige jährlich drei sogenannte Ausführungstage gehabt, an denen er in Begleitung von Sicherheitspersonal Verwandte oder das Grab seiner Mutter hätte besuchen können. Diese „Ausführungen“ seien ihm in Aachen gestrichen worden.

Er habe sich in Köln als verlässlich und zuverlässig erwiesen, habe aber in Aachen immer wieder neue Drangsalierungen hinnehmen müssen, sagte der Angeklagte. Das Gefängnis dort sei ein „Drecksladen“ und „Saustall“. Die Leitung der JVA Aachen habe geerntet, was sie gesät habe.

Angeklagte fordern Gnade

Sowohl Heckhoff als auch der 47-jährige Michalski baten den Richter um Gnade. „Ich will nicht im Knast verrecken“, sagte Heckhoff in seinem letzten Wort. „Was wir wollen, ist etwas Hoffnung und eine Perspektive“. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für Heckhoff 12 und für Michalski 13 weitere Jahre Gefängnis sowie zusätzlich Sicherungsverwahrung wegen Geiselnahme, räuberischer Erpressung und erpresserischen Menschenraubs beantragt.

„Ich befürchte, dass mein Mandant möglicherweise hinter Gittern sterben muss“, sagte Anwalt Rainer Dietz nach dem Schlusswort von Michael Heckhoff. Ein Gutachter hatte dem 51-Jährigen im Prozess ein hohes Risiko attestiert, wieder straffällig zu werden. Er sei asozial, habe hohes Aggressionspotenzial und sei feindselig und impulsiv. Michalski dagegen lag knapp unter dem kritischen Wert für ein Rückfallrisiko.

Für den mitangeklagten Vollzugsbeamten Michael K. forderte die Staatsanwaltschaft sieben Jahre Haft. Er hatte eingeräumt, den beiden Ausbrechern entscheidend geholfen und ihnen Waffen gegeben zu haben. Beide hatten ihm eine Beteiligung an der Beute aus angeblich geplanten Banküberfällen versprochen.

Stippvisite auf dem Weihnachtsmarkt

Während ihrer Flucht hatten Heckhoff und Michalski tagelang Tausende Polizisten in ganz NRW beschäftigt. Von Aachen aus flüchteten die beiden zunächst mit zwei Taxis nach Köln. Nach einer Stippvisite auf dem Weihnachtsmarkt übernachteten sie hier nach eigenen Angaben unter einer Brücke in der Innenstadt. Am nächsten Tag kaperten sie den Wagen einer jungen Schülerin und fuhren mit ihr ins Ruhrgebiet. Hier wiederum übernachteten sie in einer Gartenlaube in Essen, bevor sie ein Unternehmer-Ehepaar überfielen und als Geiseln nahmen.

Drei Tage nach Beginn der Flucht wurde Michael Heckhoff auf offener Straße in Mülheim gefasst, Peter Paul Michalski wurde zwei Tage später bei eisigen Temperaturen am Rande von Schermbeck im Kreis Wesel mit einem Damenfahrrad auf einer Landstraße entdeckt und überwältigt.

Der Fall hatte auch die politische Debatte um die Zustände in den NRW-Gefängnissen befeuert und die damalige Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) zum wiederholten Male schwer in die Kritik gebracht. Ein Fehler eines Justizvollzugsbediensteten sei „forkein Fehler im System“, hatte sich die Ministerin verteidigt. Noch nie seien die Haftanstalten in NRW so ausbruchsicher gewesen.

Das Landgericht Aachen hatte für den Prozess ursprünglich 17 Verhandlungstage angesetzt, das Urteil sollte eigentlich bereits im Juli 2010 verkündet werden. Zahlreiche Anträge, Zeugenaussagen und Gutachten hatten jedoch für eine erhebliche Verzögerung gesorgt.

( dapd/lk )

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos