Pädophilenring

Dennis' Mörder hatte sich Kind in Berlin bestellt

Der mutmaßliche Mörder von Dennis hatte offenbar ein weiteres Opfer im Visier: Ein Berliner Kinderschänderring sollte Martin N. einen neunjährigen Jungen zuführen.

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Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen einen Berliner Lehrer sind an der Schule selbst noch keine Fälle gemeldet worden. Es sei bis jetzt kein Missbrauchsfall bekanntgeworden, der die Schulgemeinschaft betreffe, sagte Filipe Fürstenhöfer vom Vorstand des Trägervereins der Waldorfschule Märkisches Viertel am Montag. Die Berliner Staatsanwaltschaft wertet derzeit Datenträger und anderes Beweismaterial aus, das bei dem Pädagogen sichergestellt wurde, erklärte Sprecher Martin Steltner am Montag.

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Der mutmaßliche Mörder von Dennis und zwei weiteren Jungen aus Norddeutschland hatte kurz vor seiner Festnahme offenbar ein weiteres Missbrauchsopfer im Visier. Aus der Berliner Pädophilenszene sei ihm ein neunjähriger Junge in Aussicht gestellt worden. Das berichtete das Magazin „Stern“.

Wie Morgenpost Online erfuhr, schließt ein hochrangiger Berliner Polizeibeamter, der führend an den Ermittlungen im Mordfall Dennis mitarbeitet, einen Zusammenhang im Fall des aufgeflogenen Kinderhändlerrings, an dem auch ein Lehrer einer Berliner Waldorf-Schule beteiligt gewesen sein soll, definitiv aus.

Laut Stern soll Martin N., der möglicherweise noch andere Kinder getötet hat, in den vergangenen Wochen rund um die Uhr observiert worden sein. Als die Polizei über mitgehörte Telefonate von der bevorstehenden Zuführung des Neunjährigen aus Berlin erfahren habe, sei der Mann , der jahrelang unauffällig im Hamburger Stadtteil Wilstorf gelebt hatte , am Mittwochmorgen festgenommen worden.

Der 40-jährige Martin N. hätte möglicherweise schon früher gefasst werden können. 2008 bat ihn die Hamburger Polizei bereits um eine freiwillige Speichelprobe, doch er erschien nicht. Einen richterlichen Beschluss beantragte die Staatsanwaltschaft nicht, weil ihrer Einschätzung nach die Erfolgschancen zu gering waren. N. galt damals juristisch nicht als einschlägig vorbelastet. „Es lagen die gesetzlichen Voraussetzungen nicht vor“, sagte Sprecher Wilhelm Möllers.

Mutmaßlicher Täter fiel schon als Schüler auf

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten den Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren und verwiesen auf „Ermittlungsdetails“. „Es gibt derzeit immens viele solcher Details und wir wollen die laufenden Ermittlungen nicht gefährden“, sagte die Sprecherin der Soko Dennis, Anke Rieken. In den nächsten Wochen wollen sich die Ermittler aber nochmals mit Fragen und Details an die Öffentlichkeit wenden.

Ein solches Ermittlungsdetail könnte auch sein, dass Martin N. nach einem Bericht des „Weser Kuriers“ bereits als 16-jähriger Gymnasiast in Bremen mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein soll. Damals soll er Eltern mit der Drohung erpresst haben, dass eines ihrer Kinder sterben werde. Dem Bericht zufolge war er zu acht Wochen Sozialdienst verurteilt worden. Da es sich um eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht handelte, sind die Daten aber inzwischen gelöscht. Auch bei der Staatsanwaltschaft Bremen lassen sich keine Akten zu diesem Fall finden, wie Sprecher Frank Passade am Dienstag sagte.

Eine andere Akte zu einem Vorfall aus dem Jahr 2005 sei hingegen bereits an die Soko Dennis weitergeleitet worden, sagte der Sprecher. Dabei gehe es um eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Details nannte Passade nicht. Laut „Weser Kurier“ soll Martin N. bei diesem Fall einen zehnjährigen Jungen in Bremen unsittlich berührt haben, als er auf Bitten der Mutter auf ihren Sohn aufpasste.

In Baden-Württemberg prüft die Polizei nun einen Zusammenhang mit einem Mordfall im Kreis Böblingen. Die DNA des 40-Jährigen werde routinemäßig mit Spuren verglichen, die vor zehn Jahren bei der Leiche des elfjährigen Tobias in Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen) gefunden wurden, sagte ein Sprecher der Polizei Böblingen am Dienstag. Der tote Junge war an einem Teich entdeckt worden, seine Leiche wies zahlreiche Messerstiche auf. Ein Zusammenhang mit den Morden in Norddeutschland sei nicht auszuschließen, sagte der Polizeisprecher.

Innenminister fordert härtere Strafen

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte als Konsequenz aus dem Fall Dennis härtere Strafen bei Sexualdelikten. „Die müssen weggesperrt werden können – entweder in Therapie oder in Sicherungsverwahrung“, sagte er. Das Therapieunterbringungsgesetz sei „nicht ausreichend“. Daneben erneuerte Schünemann seine Forderung nach einer gesetzlichen Regelung der Vorratsdatenspeicherung.

Die Soko Dennis will nun in den nächsten Tagen ein genaues Bewegungsbild des Tatverdächtigen erstellen. Rieken bezeichnete das als äußerst zeitintensive Aufgabe, da „insgesamt 25 Jahre aufgehellt werden“ müssen. Zudem habe man es in dem Fall mit „internationalen Ermittlungen“ zu tun, da noch geprüft wird, ob Martin N. auch für zwei weitere Tötungen im Ausland infrage kommt.

Ein DNA-Abgleich hat inzwischen jedoch ergeben, dass es bei keinem der fünf überprüften Fälle eine „sichere Täterspur“ gibt, sagte Rieken. Das bedeute aber nicht, dass Martin N. nicht als Täter in Frage komme. Drei Morde hat der 40-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, bislang gestanden.

Ob Martin N. mit den Ermittlern kooperieren will, war zunächst nicht bekannt. Schon seine erste Vernehmung hatte sich als äußerst schwierig erwiesen. Nach seiner Festnahme hatte er einen Tag lang hartnäckig zu den Vorwürfen geschwiegen. Erst am Donnerstag gab er die drei Tötungen der Jungen sowie annährend 40 Fälle von Missbrauch zu. Er sei "alles andere als cool gewesen", hieß es aus Ermittlerkreisen.

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