Pressefreiheit

Redakteur nach Kachelmann-Prozess festgenommen

Ein Richter des Mannheimer Landgerichts ließ einen Mitarbeiter der Agentur dpa festnehmen. Das Aufnahmegerät wurde beschlagnahmt.

Nach Ende des 15. Verhandlungstags im Prozess gegen TV-Moderator Jörg Kachelmann ist ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur vor dem Gerichtsgebäude in Mannheim vorläufig festgenommen worden. Dem Nachrichtenredakteur wurde die Festnahme mit dem Verdacht begründet, die Richter der 5. Großen Strafkammer des Mannheimer Landgerichts illegal abgehört zu haben. Die dpa-Chefredaktion wies diesen Vorwurf entschieden zurück und protestierte gegen die „massive Behinderung der Berichterstattung“.

Der Journalist, der seit Monaten für dpa über den Vergewaltigungsprozess gegen Kachelmann berichtet, hatte am Nachmittag auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude einen Radiobeitrag in ein Aufnahmegerät gesprochen. Dabei stand er nach eigener Aussage unwissentlich vor dem Fenster eines Raumes, in dem sich die Richter der Strafkammer nach der Verhandlung aufhielten.

Ein Richter habe das Fenster geöffnet und ihn beschuldigt, die Kammer abzuhören, berichtete der dpa-Journalist. Anschließend seien Wachleute alarmiert worden, die ihn umstellt hätten. Beamte der Kriminalpolizei nahmen den Reporter schließlich vorläufig fest, beschlagnahmten sowohl das Aufnahmegerät als auch das Dienst-Handy und führten den Redakteur in ein Vernehmungszimmer des Gerichts. Er wurde aufgefordert, das Handy zu entsperren, damit die Daten herausgelesen werden könnten. Das lehnte der Reporter mit Hinweis auf den Informantenschutz ab. Am späten Nachmittag wurde der Journalist freigelassen.

„Das Vorgehen des Gerichts ist völlig unverständlich und unbegründet“, sagte dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner. Insbesondere die Forderung nach Herausgabe von Handy-Kontaktdaten sei „ein Angriff auf die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit

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