Prozess

Mutmaßlicher Serienmörder widerruft Geständnis

Ein wegen einer Mordserie angeklagter 51-Jähriger Krankenpfleger hat vor dem Landgericht Aachen sein Geständnis widerrufen. Ursprünglich hatte er zugegeben, bis 1990 fünf junge Anhalterlinnen vergewaltigt und erdrosselt zu haben. Als Indiz für seine Unschuld führte er seine SM-Neigungen an.

Foto: dpa

Beim Prozessauftakt um die Serienmorde an fünf jungen Anhalterinnen hat der 51-jährige Angeklagte sein Geständnis widerrufen. „Ich habe mit den Anklagevorwürfen nichts zu tun“, las der Vorsitzende Richter am Aachener Landgericht, Gerd Nohl, aus einem Brief des Angeklagten vor. Der 51-Jährige soll zwischen 1983 und 1990 fünf Anhalterinnen im Raum Aachen erdrosselt und drei zuvor vergewaltigt haben. Eine Vergewaltigung ist verjährt, nur zwei sind daher Gegenstand des Prozesses.


„Der Angeklagte hat durch die Taten besonders schwere Schuld auf sich geladen“, sagte Staatsanwalt Ralf Bücker. Verwandte von allen fünf Opfern sind Nebenkläger. Am ersten Prozesstag waren vier im Gerichtssaal anwesend.


Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht selbst. Verteidiger Rainer Dietz erklärte nach der Verhandlung, sein Mandant habe starke SM-Neigungen und lasse sich dabei drastisch bestrafen: „Der Angeklagte ist dabei immer der Sklave.“


Es sei noch zu klären, inwieweit dies ihn zu seinem Geständnis veranlasst habe. Dietz betonte, sein Mandant habe ihm glaubhaft versichert, mit der Mordserie nichts zu tun zu haben. Auch seine Angehörigen trauten ihm die Taten nicht zu: „Die Familie ist aus allen Wolken gefallen.“ Die Ehefrau des Mannes sei fassungslos, sagte Dietz.


Diese hatte in der "Bild"-Zeitung geschildert, wie das Paar im Keller einen Sado-Maso-Raum jeden Mittwoch "Sitzungen" abhielt, die teilweise einen Tag dauerten. Bei dem Rollenspiel sei ihr Mann immer der "Masochist" gewesen, sie seine "Domina", die ihm teilweise schwere Verletzungen zugefügt habe.


Ganz anderes soll er sich laut Anklage verhalten haben: Demnach ging der 51-Jährige immer nach demselben Schema vor. Er fuhr mit seinem Auto umher und hielt Ausschau nach einem Opfer. Er lud die Anhalterinnen ein, fuhr zunächst scheinbar in die von den Frauen angegebene Richtung, um dann auf abgelegenen Feld- oder Waldwegen zu halten. Dort überwältigte er die Opfer, fesselte sie, vergewaltigte drei von ihnen und erdrosselte sie, um keine Zeugen zu haben.


Sein erstes Opfer war laut Anklage 18 Jahre alt. Die junge Frau sei an einem frühen Morgen im Juni 1983 von ihrem Freund gekommen. Sie habe an einer Bushaltestelle auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet, sagte Bücker. Der Täter habe sie mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Die junge Frau habe sich „in Todesangst“ so heftig gewehrt, dass die Windschutzscheibe des Autos zerbrach. Er erdrosselte sie der Anklage zufolge mit einem Strick. Strick und Nylonstrümpfe hätten immer in einem Seitenfach des Autos gelegen.

Die Mordserie riss aus unerklärlichen Gründen ab



Ein 15-jähriges Mädchen nahm er im Februar 1984 mit. Das Mädchen hatte in einem kleinen ländlichen Ort einen Bekannten besucht und wollte am frühen Abend per Anhalter heimfahren. Die Jugendliche wartete vor einer Diskothek. Der Täter habe sich vor den Augen des Mädchens selbst befriedigt und es dann erdrosselt, sagte Bücker.


Das dritte Opfer kam im September 1984 von einer abgelegenen Disko. Der Angeklagte habe die 17-Jährige vergewaltigt und erdrosselt. Rund drei Jahre später stieg eine 18-jährige Frau in Aachen ahnungslos zu dem mutmaßlichen Mörder ins Auto, wieder drei Jahre später eine 30-jährige Frau nach Disko-Besuch. Danach riss die Mordserie aus unerklärlichen Gründen ab. Vergewaltigung ist nach 20 Jahren verjährt.


Der mutmaßliche Mörder lebte zuletzt mit seiner dritten Frau und seinem achtjährigen Sohn in dem Dorf Niederkrüchten bei Viersen. Er war im vergangenen Jahr, 17 Jahre nach der letzten Tat, zufällig bei einem Schrottdiebstahl erwischt worden. Freiwillig gab er eine Speichelprobe ab. Durch den Abgleich mit Täterspuren wurde er überführt. Es sind 13 Prozesstage geplant und 57 Zeugen geladen.

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