Doppelmord

Bodenfelder Bürgermeister prüft rechtliche Schritte

Die Polizei hat den mutmaßlichen Mörder von Bodenfelde schon vor seinen Taten verhaften wollen, konnte aber keinen Haftbefehl erwirken.

Foto: dpa

Nach dem Doppelmord an Nina (14) und Tobias (13) lässt Bodenfeldes Bürgermeister Hartmut Koch rechtliche Schritte gegen die Staatsanwaltschaft Lüneburg prüfen.

Koch warf der Behörde erneut vor, zehn Tage vor dem ersten Mord keinen Sicherungshaftbefehl gegen Jan O. beantragt zu haben. Wenn die Staatsanwaltschaft den 26-Jährigen damals festgesetzt hätte, wären die beiden Opfer noch am Leben.

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Mörder von Bodenfelde schon vor seinen Taten verhaften wollen, konnte aber keinen Sicherungshaftbefehl erwirken. Nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums nahm die Polizei den 26-jährigen Jan O. am 4. November wegen fahrlässiger Brandstiftung vorläufig fest und bemühte sich bei der zuständigen Strafvollstreckungskammer vergeblich um einen Haftbefehl.

„Die Inhaftierung eines Menschen ist an sehr strenge Voraussetzungen gebunden, die bei Jan O. zum damaligen Zeitpunkt nicht vorlagen“, sagte Ministeriumssprecher Georg Weßling am Sonntag in Hannover.

„Wenn vor drei Wochen Jan O. festgesetzt worden wäre, würden beide Kinder noch leben“, sagte Koch in der NDR-Fernsehsendung „Hallo Niedersachsen“. Die Polizei habe „bald auf Knien bittend“ versucht, bei der zuständigen Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Haftbefehl zu erwirken. Die Staatsanwaltschaft habe aber keinen Antrag gestellt.

Bei Jan 0. war nach Justizangaben eine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Zuständig war für ihn die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Stade. Einen Tag nach der Festnahme wegen fahrlässiger Brandstiftung habe sich die Kripo Northeim wegen eines Sicherungshaftbefehls telefonisch an die Strafvollstreckungskammer gewandt, sagte die Sprecherin des Stader Gerichts, Petra Baars und bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Die Strafvollstreckungskammer habe dann Kontakt mit der zuständigen Staatsanwaltschaft Lüneburg aufgenommen.

Für Kammer und Staatsanwaltschaft seien jedoch fahrlässige Brandstiftung und Alkoholmissbrauch keine ausreichenden Gründe für Erlass eines Sicherungshaftbefehls gewesen. Dieser dürfe mit Blick auf einen drohenden Widerruf der Bewährung wegen Fluchtgefahr oder wegen Gefahr schwerer neuer Straftaten erlassen werden. „Es gab bei Jan O. keinerlei Hinweise auf ein Gewaltpotenzial“, betonte Richterin Baars.

Die Strafvollstreckungskammer habe nach zusätzlichen Berichten über Diebstähle des 26-Jährigen schließlich für den 25. November ein Gespräch über eine Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt angesetzt. Am 25. befand sich Jan O. dann aber bereits wegen der beiden Morde in Untersuchungshaft.

Ministeriumssprecher Weßling bestätigte zudem, dass Jan O. im Sommer zeitweise für seinen Therapeuten nicht erreichbar war, obwohl er sich wegen seiner Drogen- und Alkoholsucht betreuen und seinen Urin regelmäßig kontrollieren lassen musste.

Der 26-Jährige habe zudem einen Termin mit seiner Bewährungshelferin nicht eingehalten. Bei einem unangemeldeten Besuch der Bewährungshelferin habe er dann eine neue Handy-Nummer angegeben und sei wieder erreichbar gewesen.

Außerdem habe man Ende Oktober eine Anhörung angesetzt. „Bei der Anhörung im Beisein eines Arztes gab es keine Anhaltspunkte, dass Jan O. eine Gefahr für sich selbst oder andere Menschen darstellte“, sagte Weßling zudem.

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