Heinz Horrmann

Ein Hotelinspektor im "absoluten Drecksloch"

| Lesedauer: 5 Minuten
Maike Jansen

Zum Auftakt seiner Mission als "Hotelinspektor" brachte Restaurantkritiker Heinz Horrmann im Harzer "Sachsenross" einen einsamen Hotelier auf Trab. Ob am Gästehaus dank Putztrupp und Kamerateam nun mehr Touristen anklopfen werden, ist aber zweifelhaft. Trotz Grundreinigung bleibt das Haus glanzlos.

Generell freut sich Rolf Nick über jeden Gast, der sich in sein Hexenhaus im Oberharz verirrt. Denn das kommt im „Sachsenross“, einem von außen wirklich hübsch wirkenden Hotel in Altenau, äußerst selten vor. In der Regel ist der Hotelier in seinem Haus völlig allein. Und völlig überfordert.

So fiebert Rolf Nick auch der Ankunft des Hotelkritikers entgegen – nicht nur, weil er dem für eine Nacht sein bestes Zimmer vermieten kann. Heinz Horrmann ist gekommen, um zu helfen – auch wenn man das beim ersten Hinhören nicht vermuten würde. Mit einem Kamerateam im Schlepptau macht sich der Berliner Autor als „Hotelinspektor“ auf die Suche nach Schwachstellen im Sachsenross, wird dabei schnell fündig. Als ein „absolutes Drecksloch“, beurteilt Horrmann die Herberge – die Kamera muss nicht stark zoomen, um diese Meinung nachvollziehbar zu machen.


Schimmel in den Duschen, Drecksecken in der Küche, Wasserschaden im Keller: Man kennt die Horrorgeschichten von Pauschalurlaubern, die sich das Hotelzimmer mit allerlei Ungeziefer teilen müssen oder ungenießbares Essen vorgesetzt bekommen. Doch deren Anwalt zu spielen, ist nicht Horrmanns erstes Anliegen. Vor den Betrieben, die er in der achtteiligen RTL-Serie besucht, will er nicht warnen. Er will helfen, sie wieder zu Besuchermagneten zu verwandeln.

Ein Prinzip, das der Privatsender schon in vielen Bereichen erfolgreich vermarktet: Die Super-Nanny bändigt Chaoskinder in Katastrophenfamilien, Peter Zwegat bringt Schuldnern bei mit Geld umzugehen, Christian Rach macht heruntergekommenen Gaststätten wieder neues Feuer unterm Herd. Nun ist also auch Heinz Horrmann im Einsatz, um als konstruktiver Kritiker Hoteliers auf die Sprünge zu helfen.

Acht Hotels aus achtzig Bewerbungen nimmt der Hotelinspektor für RTL unter die Lupe und hat sich mit dem „Sachsenross“ für den Beginn einen besonders schweren Fall vorgenommen. Hier fehlt es an wirklich allem, vor allem an Gästen. Damit die wieder kommen, streift der Inspektor mit strengem Blick durch die Räume, zeigt dem offenbar völlig reuigen Hotelier, woran es an seinem Haus mangelt: An Hygiene, an Geschmack, an Charisma.

Doch während sich am ersten Kritikpunkt eine Menge machen lässt – die von Horrmann bestellten Handwerker und Putzfrauen tun ihr Bestes - bleibt am Ende zwar das nun glänzende, leider aber immer noch völlig glanzlose Gästehaus zurück. Denn ähnlich wie Rach hat Horrmann nur die Mission Missstände aufzuzeigen und einen Anstoß zur Besserung zu geben, umsetzen müssen die Herbergsväter die Kritik dann selbst.


So zeigt Rolf Nick wirklich Einsatz: Weil dem Hotelinspektor die Idee des Hexenhauses gut gefiel, hat er allerlei gruselige Figuren vor und in dem Hotel aufgebaut – leider sind sie auch die einzigen Gäste. Denn was Horrmann nicht schaffen kann – zumindest nicht innerhalb der vier Wochen, die er jedem Fall gibt – ist, begeisterte Urlauber herbei zu zaubern, die im einsamen Harz ein paar ruhige Tage verleben wollen.

Und auch wenn RTL einen Putztrupp, ein paar Handwerker und eine neue Küche spendiert: Wie soll der Hotelier alleine das Haus unterhalten? Schon bei Horrmanns Ankunft, bei der er eine halbe Stunde in der Kälte steht, weil der Hausherr mit seinem Hund spazieren ist, wird klar: Rolf Nick ist völlig überfordert. Wäre er nicht allein für Zimmerreinigung, Rezeption, Küche und Büro zuständig, könnte er vielleicht den Obstsalat zum Frühstück frisch anrichten, könnte die hässlichen Flecken aus Zimmer zwei entfernen und die lecken Leitungen im Keller reparieren.


So aber steht ein verzweifelter, völlig überforderter Mann vor dem Kritiker und nickt stets betreten, wenn der ihn auf Mängel hinweist. Dass er ausgerechnet den Hexenhaus-Vorschlag mit besonderem Eifer umsetzt, zeigt einmal mehr seine Hilflosigkeit. Vielleicht hätte er diese Zeit besser dafür genutzt, den Schimmel aus der Dusche zu entfernen, den Horrmann auch noch bei seinem zweiten Besuch zu bemängeln hat.


Es mag ein Konzept dahinter stecken, dass sich der Hotelinspektor für die Auftaktsendung einen besonders hoffnungslosen Fall ausgesucht hat. Einen, bei dem nichts zu sagen bleibt, als: Aufräumen und putzen. Für solche Hinweise braucht man für gewöhnlich keinen renommierten Restaurant- und Hotelkritiker, der sonst in einer ganz anderen Liga spielt.

Rolf Nick jedenfalls bleibt zurück mit einem sauberen, aber immer noch leerem Haus. Ob der TV-Auftritt ihm zusätzliche Gäste bescheren wird ist allemal zweifelhaft. Und der Hotelinspektor wird freiwillig sicherlich auch nicht ein weiteres Mal im Hexenhaus übernachten wollen.